Armin Reutershahn - der Abstiegskampf-Assistent

Armin Reutershahn - der Abstiegskampf-Assistent

Der frühere Uerdinger Co-Trainer Armin Reutershahn war schon bei mehreren Bundesligisten tätig. Derzeit ist er in Stuttgart.

Stuttgart/Krefeld. Armin Reutershahn ist in diesen Tagen als Experte für die in den Abstiegskampf verwickelten Mannschaften der Fußball-Bundesliga gefragt. Ende März gab er, der jeweils ein Spiel für den FC Bayer Uerdingen und den KFC gemacht hat und dort mehrere Jahre Co-Trainer unter Friedhelm Funkel war, sogar dem Hessischen Rundfunk (hr) vor dem Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg ein Interview. Er sollte über Stärken und Schwächen der Nürnberger Auskunft erteilen. Dabei ist der 54-Jährige seit Mitte März Co-Trainer beim VfB Stuttgart an der Seite von Huub Stevens.

Als Assistent von Friedhelm Funkel (vorne) begann die Karriere von Armin Reutershahn Mitte der 1990er Jahre. Foto: WZ-Archiv

Seit 1. Juli 2009 war er in Nürnberg tätig, durfte an der Seite von Dieter Hecking und Michael Wiesinger arbeiten und wurde im vergangenen Oktober beurlaubt, als Wiesinger gehen musste. Begonnen hat der waschechte Niederrheiner (geboren und aufgewachsen in Duisburg-Homberg), seine Karriere als Co-Trainer am 1. Juli 1991 beim KFC Uerdingen. Einen Bezug zu Krefeld hatte er, weil er in den 1980er Jahren bei Preussen Krefeld zu dessen Hochzeiten in der Oberliga gespielt hat.

Insgesamt 181 Spiele verbrachte er an der Seite von Friedhelm Funkel, mit dem ihn noch heute eine Freundschaft verbindet, auf der Trainerbank. Sein Abgang in Krefeld verlief etwas holprig. Eigentlich hatte der damals 37 Jahre alte Diplom-Fußballlehrer, der viele Jahre in Kempen lebte, dem damaligen Zweitligisten KFC Uerdingen mündlich eine Zusage gegeben, zwei weitere Jahre als Co-Trainer und Verantwortlicher der Reservemannschaft weiterzumachen. Doch Frank Pagelsdorf (mit ihm hatte Reutershahn 1991 die Trainerlizenz gemacht), der vor einem Engagement beim Hamburger SV stand, nahm Kontakt zu ihm auf. Der KFC fühlte sich schlecht informiert und entschied sich für die fristlose Kündigung Reutershahns Anfang Juni 1997. Details, was im Hintergrund passiert ist, wurden allerdings nie kommuniziert.

Negative Auswirkungen auf seine Karriere hatte der Vorfall nicht. Beim Hamburger SV verbrachte Reutershahn sechs Jahre, durfte mit Trainern wie Frank Pagelsdorf und Kurt Jara arbeiten. Im Sommer 2004 lotste ihn Friedhelm Funkel als Assistent zu Eintracht Frankfurt, wo für den Co-Trainer nach fünf Jahren und 194 Spielen Schluss war. Im Juli 2009 begann für Reutershahn das Abenteuer 1. FC Nürnberg. Das Duell mit dem „Club“ Ende März sei für ihn deshalb auch ein besonderes gewesen. „Klar, wenn man vier Jahre bei einem Verein war und im dritten Spiel mit dem Neuen dort antritt, ist es schon was Besonderes“, sagt er.

Reutershahn, der als Spieler nie Profi war, geht in der neuen Aufgabe schon voll auf. Er ist auch Experte für die Aufgabe als Assistent. Denn mit Ausnahme einer kurzen Zeit beim KFC Uerdingen und der Phase zuletzt in Nürnberg, als er offiziell gleichberechtigter Partner von Michael Wiesinger war, war der gebürtige Duisburger nie Chef.

Was die Aufgabe in Stuttgart besonders macht, ist die Tatsache, dass er zu einem eingespielten Team dazustößt: Stevens und der zweite Co-Trainer Ton Lokhoff arbeiten seit Jahren zusammen. „Ich kenne Huub ja schon lange aus der Liga. Wir hatten ein langes Gespräch und haben gleich gemerkt, dass wir gut zusammenpassen. Es harmoniert wirklich sehr gut und macht viel Spaß“, sagt Reutershahn. Eine festgezurrte Aufgabenteilung gibt es nicht: „Es gibt einen Cheftrainer und zwei Assistenten, wir sprechen uns ab, wer was macht“, sagt der Ex-Krefelder.

Wie der von Stevens läuft auch Reutershahns Vertrag nur bis zum Saisonende. Er kann sich aber gut vorstellen, länger im „Ländle“ zu bleiben. Zumindest sucht er für seine Familie schon ein Haus. Noch wohnt seine Lebensgefährtin mit den beiden Kindergartenkindern in Nürnberg. Viel Zeit, seine Lieben zu sehen, wird er in nächster Zeit nicht haben. Dafür ist die Aufgabe für den Abstiegskampf-Experten beim VfB einfach zu zeitraubend.

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