Anett Sattler: „Die 3. Liga ist authentisch“

Interview : Anett Sattler: „Die 3. Liga ist authentisch“

Anett Sattler ist das Gesicht von Telekomsport. Im WZ-Gespräch verrät sie, warum Drittliga-Fußball besonders ist.

Anett Sattler gibt der Berichterstattung von Telekomsport aus der 3. Liga ein Gesicht. Hier verrät die 35-Jährige TV-Journalistin, warum die Arbeit mit drittklassigen Fußballern Spaß macht und welchen Reiz die 3. Liga im Gegensatz zur Bundesliga ausmacht.

Macht Ihnen die 3. Liga so viel Spaß, wie es am Fernseher aussieht?

Anett Sattler: Dreimal ja. Erstens, weil es eine unfassbar spannende Liga auf sehr gutem sportlichen Niveau mit attraktiven Vereinen und Stadien ist. Zweitens, weil ich bei Telekomsport in einem tollen Team arbeiten darf, da geht es wunderbar professionell und kollegial zu. Und drittens, weil die Bodenständigkeit in der 3. Liga uns Reportern mehr Nähe erlaubt und wir spüren, dass wir willkommen sind.

Das müssen Sie erklären.

Sattler: Gern. Die Vereine, Spieler und Trainer nehmen uns mit offenen Armen auf, sie stellen sich im Interview und antworten oft nicht nur mit den üblichen Floskeln. Sie zeigen Emotionen, wollen sich erklären und lassen sich auf echte Gespräche ein. Das ist etwas anderes, als in der Bundesliga zwanzig Minuten nach dem Schlusspfiff in der Mixed Zone an achter Stelle zu fragen und darauf zu hoffen, dass man eine authentische Antwort bekommt.

Die 3. Liga erlaubt mehr Nähe als die Bundesliga?

Sattler: Dass sich in der Halbzeit Spieler kurz befragen lassen oder Co-Trainer nach der Pause kurz vor Wiederbeginn über taktische Veränderungen sprechen, wäre in der Bundesliga unmöglich, weil auch wegen des Andrangs nicht machbar. In der überschaubaren 3. Liga geht das. Dabei fragen wir immer respektvoll an und akzeptieren Absagen, ohne nachzuhaken oder gar zu fordern.

Dann kommt so ein Interview zustande wie mit Jan Löhmannsröben, der sich über den Schiedsrichter ereifert und ihm empfiehlt, Cornflakes zu zählen.

Sattler: Das ist ein Beispiel, warum die 3. Liga authentisch und liebenswert ist, aber mit mir hat das weniger zu tun. Da hatte ich das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz zu sein – der Junge wollte was rauslassen, und das hätte er auch bei jedem anderen getan.

Was hat die 3. Liga sonst noch zu bieten?

Sattler: Jede Menge frische Typen und unbekannte Geschichten. Wussten Sie, dass Wehens Torjäger Manuel Schäffler zu Hause ein Atelier hat, in dem er Bilder malt? Neulich war ich in München bei einem Löwen-Fan, der sich eine Zweitwohnung genommen hat, die er als eine Art 1860-Musuem eingerichtet hat. Das sind die Geschichten, die wir abseits der Spiele erzählen wollen – sie geben dieser Liga ein Gesicht.

Welche Rückmeldung bekommen Sie von den Zuschauern?

Sattler: Durchweg positive, und das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Bei den Topspielen haben wir über 100 000 Zuschauer, nach zwölf Spieltagen lagen wir insgesamt bei über drei Millionen. Die Rückmeldungen in den sozialen Medien zeigen, dass die Fans dankbar sind, dass wir der 3. Liga so eine breite Plattform geben.

Eins ist in der 3. Liga wie in der Bundesliga: die Proteste vieler Fans gegen Montagsspiele. Was sagen Sie dazu?

Sattler: Ich habe damit gerechnet und kann das durchaus nachvollziehen aus der Sicht der Fans, die ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen begleiten wollen. Aber es gibt auch gute Argumente für das Montagsspiel – nicht nur, dass es jedem Verein mehr Geld aus dem Fernsehvertrag bringt. Ich glaube, dass sich das – genau wie damals nach Einführung des Montagsspiels in der 2. Liga – bald beruhigen wird. Zumal sowohl die TV-Zahlen als auch die Zuschauerzahlen vor Ort zeigen, dass das Montagsspiel positiv angenommen wird.

Sie sind Leistungshandballerin gewesen. Im Handball gibt es ein paar coole Sprüche über Fußballer?

Sattler: Ich habe jahrelang Fußball gespielt – vor jedem Handball-Training, bei uns war das zum Aufwärmen. Das wäre wohl einer dieser Sprüche, die ja nicht böse gemeint sind. Handball ist eben viel mehr Kontaktsport als Fußball, bei uns gehören blaue Flecken und kleine Verletzungen dazu, die zählen gar nicht. Das ist das Einzige, was mich am Fußball stört: Diese Empfindlichkeit und die Theatralik bei Zweikämpfen – das kennt kein Handballer, da wird auf die Zähne gebissen, nicht lamentiert, sondern weitergespielt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung