Linner feiern fröhlich trotz Regen

Linner feiern fröhlich trotz Regen

Der Umzug fiel am Montag ins Wasser. Im Festzelt an der Rheinbabenstraße war die Stimmung trotzdem großartig.

Linn. „Wo bleibt denn der Zug?“, fragen sich Sabine und Heinrich Heinmann. „Normalerweise stellen sich doch alle hier um 16 Uhr auf der Rathenaustraße auf“, sagt die 75-Jährige und spannt den Regenschirm auf. Saxofon-Spieler Andre Wirth ist Mitglied im Blasorchester der Stadtwerke Krefeld (SWK) und steht ebenso ratlos mit seinem Instrument und der edlen Uniform im Regen.

Das Warten hatte keinen Sinn: Denn der zweistündige Schützenumzug des Linner Schützenvereins 1388 fiel am Montag ins Wasser. Der Platzregen machte alle Pläne zunichte und sorgte für Chaos bei den mitziehenden Musikanten und Kompanien. Auch die Burgkämpfe der Rebellen auf den Burgwiesen mussten abgesagt werden, da die Wiesen nicht zu begehen waren.

Die rettende Lösung für die Vereine: Um 17 Uhr trafen sich alle Schützen und Musikanten im großen Festzelt auf der Festwiese an der Rheinbabenstraße, um gemeinsam zu feiern. Die anfängliche Kriegserklärung an den König und die Entführung der Königin durch die Rebellen wurde somit friedlich und diplomatisch am Tisch gegenüber geklärt. „Wir müssen immer einen Notfallplan parat haben, wenn das Wetter nicht mitspielt“, erklärte der erste Vorsitzende des Linner Schützenvereins Lothar Steinwegs. „Wir hatten die Wettervorhersagen schon die ganze Zeit im Auge und mit heftigem Regen gerechnet.“ Der 56-Jährige sah dem Abend trotz der Enttäuschung locker entgegen. „Ich bin froh, dass die Mitglieder so viel Verständnis zeigen“, sagte Steinwegs.

Da konnte sich der diesjährige Schützenkönig Friedel Erfurt nur anschließen. „Die Sicherheit für alle Gäste geht vor“, urteilte der König, der sich mit seiner Frau und diesjährigen Königin Gisela Erfurt selbstverständlich sehr auf den Umzug gefreut hatte. Trotz der kurzfristigen Planänderung herrschte beim Königshaus und den weiteren Gästen im Festzelt jedoch gute Laune und eine ausgelassene Stimmung.

Foto: Lothar Strücken

Knapp 800 begeisterte Schützen und Musiker tummelten sich im bunt geschmückten Festsaal. Blaue, grüne, rote und weiße Uniformen so weit das Auge reichte. „Wir machen das Beste draus und sitzen einfach locker beisammen“, sagte Steinwegs.

Rund 600 Mitglieder hat der Schützenverein in Linn. „Ungefähr jeder zehnte Bewohner in Linn ist in unserem Schützenverein“, bilanzierte der Erste Vorsitzende stolz. „Bei uns gibt es viele historische und familiäre Gruppen, das macht den Verein besonders.“ Seit 18 Jahren ist er im Verein tätig und möchte die Schützen-Tradition bewahren und aufleben lassen.#

Dazu gehören auch die Linner Hirten: Die 44-jährige Rosta Gall und die 30-jährige Saskia Schlinker sind Mitglied der Grupp, die aus 13 Frauen und mehreren Kindern besteht. „Wir kümmern uns um die Schafe und Ziegen“, berichtete Gall. Sie ist seit etwa vier Jahren im Verein tätig, ihr Mann ist Mitglied in einer Kompanie des Schützenvereins. Bei den Linnern ist die Mitgliedschaft halt auch Familienangelegenheit. „Das Gemeinschaftsgefühl ist fantastisch“, sieht Trommler Tobias Horn als Hauptgrund. Der 28-Jährige ist der zweite Tambourmajor der Spielfreunde Uerdingen 1927. „Selbst nach dem Umzug bleibt unser Blasorchester vor Ort und feiert mit den anderen Vereinen.“

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