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Verkehr: Linne will Tempo 10 vor dem KWM

Verkehr : Linne will Tempo 10 vor dem KWM

Der Planungsdezernent will eine Fahrspur vor dem Museum komplett sperren.

Krefeld. Die Sperrung des Westwalls in Nord-Süd-Richtung vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum soll bleiben. Das will jedenfalls Bau- und Planungsdezernent Martin Linne gegen große Teile der Politik durchsetzen. Mit der im Frühjahr beginnenden Umgestaltung des künftigen Joseph-Beuys-Platzes soll die Verbindung zur Markstraße gekappt werden. Linne stützt sich dabei auf eine Verkehrszählung, die im vergangenen November in den Straßen rund um den Karlsplatz durchgeführt wurde. Ein erfreulich niedriges Niveau des Verkehrsaufkommens habe die Zählung ergeben, sagt Linne.

Verkehr: Linne will Tempo 10 vor dem KWM
Foto: Dirk Jochmann

Gemessen in Höchstbelastungszeiten seien von der geltenden Umleitungsregelung vom Westwall über den Karlsplatz zur Marktstraße rund 100 Fahrzeuge pro Stunde betroffen. Das sei — grob gerechnet — alle 30 Sekunden ein Fahrzeug, rechnet der Beigeordnete vor. „Das entspricht dem Aufkommen in einem Wohngebiet.“

Auf der östlichen Seite in Süd-Nord-Richtung registrierten die Statistiker rund 280 Fahrzeuge pro Stunde. Auch die Belastung an der Breiten Straße mit je rund 500 Fahrzeugen pro Stunde in jede Richtung sei keine Überlastung für Anwohner oder Geschäftsinhaber. „Normal sind für innerstädtische Straßen 400 bis 1000 Fahrzeuge pro Stunde“, erklärt Linne. Allerdings lässt sich der Dezernent ein Hintertürchen offen: „Es ist keine Entscheidung, die nicht reversibel wäre.“

Die Entwurfsplanung des Krefelder Architekturbüros Kraft.Raum gebe auch Platz für eine Fahrspur vor dem Museum. Wesentliches Ziel der Planung, die 2013 in einem Wettbewerb den Zuschlag erhielt, sei aber die Verbesserung der Aufenthaltsqualität vor dem Museum. Außerdem habe jeder repräsentative Eingangsbereich „auch einen Vorplatz und nicht eine Fahrbahn“, betont Linne. Mit der Neugestaltung des Platzes verbunden sei die Aufstellung von Bänken und einem „Symbolsprudler“. Dieser könne im Gegensatz zu einem regulären Brunnen schnell stillgelegt werden.

Statt des bisherigen Grüns auf dem Mittelstreifen wird die rund 1000 Quadratmeter große Fläche künftig mit unterschiedlichen Platten und Metallstreifen gestaltet. Die vorhandenen Bäume bleiben erhalten. Der neue Platz könne zum Beispiel als neuer Bereich für den traditionellen Westwall-Markt dienen oder als Festplatz. „Der Ausbau lässt Raum für flexible Nutzungen“, unterstützt ihn die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Tiefbau, Monika Sellke.

Darüber hinaus dokumentiert die Verwaltung anhand historischer Fotos, dass der Platz vor dem Bau des Museums ebenfalls als Platz für kirchliche Feste und Kirmessen genutzt wurde. So sah der Stadterweiterungsplan von Anton Umpfenbach von 1835 den Karlsplatz als Pendant zum östlichen Luisenplatz als Marktplatz vor. Diese Pläne entsprachen den Vorstellungen seines Vorgängers Adolph von Vagedes.

Mit dem Umbau, der bereits im vergangenen Jahr vorgesehen war, kommt es auch zu weiteren Veränderungen im Umfeld. Die östliche Fahrbahn des Westwalls vor dem Museum (Süd-Nord) soll als verkehrsberuhigter Bereich mit Tempo 10 ausgebaut werden. Anstelle der Fußgängerampeln im Bereich Westwall/Marktstraße sollen zwei Mittelinseln als Querungshilfen dienen. Linne: „Das verlangt künftig von allen Verkehrsteilnehmern — Fußgängern, Rad- und Autofahrern — mehr Aufmerksamkeit und Rücksicht aufeinander.“

Auf der Marktstraße und am Westwall gelte künftig Tempo 30, was den Wünschen der Bezirksvertretung Mitte entspricht. Gefördert wird der rund 2,3 Millionen teure Umbau zu 80 Prozent aus Mitteln des Bund/Land-Programms Stadtumbau West. Die nächste politische Debatte ums Thema wird am 6. September in der Bezirksvertretung geführt.