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Lieferengpässe bei Blutdruckmitteln, Antidepressiva und Ibuprofen 800

Medikamente fehlen : Wartezeit bei Medikamenten bis zu einem Jahr möglich

Die Firmen im Ausland produzieren nicht genügend Mengen. Die Sprecherin der 58 Krefelder Apotheken berichtet, wie Patienten trotzdem versorgt werden können.

Lieferengpässe bei Medikamenten in Deutschland – was vor Jahren noch undenkbar erschien, ist mittlerweile zur traurigen Realität geworden. 529 Arzneimittel listet das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ aktuell in seiner Datenbank auf. Diese sind schwer und noch nicht einmal binnen zwei Wochen zu bekommen. Teilweise müssen Patienten monatelang darauf warten – und selbst ein Lieferengpass über ein Jahr ist keine Seltenheit. Die 58 Krefelder Apotheken seien ständig bemüht, für dieses Problem Lösungen zu finden, berichtet ihre Sprecherin Birgit Nolte.

Blutdruckmittel, Antidepressiva und sogar das bekannte Schmerzmittel Ibuprofen sind von den Engpässen betroffen. Wie Nolte erläutert, gibt es dafür unterschiedliche Gründe. Im Falle von Ibuprofen sei ein Hersteller in den USA wegen technischer Schwierigkeiten ausgefallen. Da es aber nur noch sechs Hersteller weltweit gebe, mache sich das sofort bemerkbar: Es wird nicht genug produziert.

Leider sei aus Kostengründen die Produktion vieler Medikamente in Schwellenländer verlegt worden, berichtet die Apothekerin weiter. Mittlerweile werde im Falle von Ibuprofen darüber nachgedacht, 2021 wieder eine Produktion in Ludwigshafen aufzunehmen.

Vor allem Ibuprofen 800 ist derzeit so gut wie gar nicht verfügbar. Nach Auskunft der Expertin könne man natürlich auch zwei 400er-Tabletten einnehmen. „Diese sind aber meist nicht verschreibungspflichtig, die Kosten werden also von den Kassen nicht übernommen“, schränkt sie ein.

Im Falle der Medikamentengruppe der Sartane (Blutdrucksenker) waren mehrere Produkte wegen möglicher Krebsgefahren vom Markt genommen worden. Eine ähnlich große Herausforderung sei es, Patienten mit dem Antidepressivum Venlafaxin zu versorgen.

Birgit Nolte empfiehlt, sich gerade bei einer Dauerbehandlung frühzeitig um das entsprechende Rezept und Medikament zu kümmern, um im Bedarfsfall einen Vorrat zu Hause zu haben. Notfalls müsse man nach Rücksprache mit dem Arzt eine Alternativ-Lösung finden. „Schlecht wäre es deshalb, wenn der Patient erst am Freitagnachmittag mit dem Rezept zu uns kommt. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist für uns dann nicht mehr möglich“, sagt Birgit Nolte, die selbst gemeinsam mit ihrer Schwester die Bismarck-Apotheke betreibt.

„Die Situation spitzt sich von Jahr zu Jahr zu, fast alle Bereiche sind betroffen“, berichtet die Sprecherin der Krefelder Apotheken. Versandapotheken seien davon ebenfalls betroffen – nur das dort nicht nach individuellen Lösungen für jeden Einzelfall gesucht werde. Birgit Nolte: „Denn das kostet richtig Zeit.“

Aus der Politik gebe es Forderungen an die Hersteller, größere Vorräte anzulegen, so die Sprecherin. Denn mittlerweile müsse schon die Frage gestellt werden, ob der Gesundheitsschutz in Deutschland noch in vollem Umfang gesichert sei.