Leerstände in der Seidengalerie am Ostwall sind beseitigt worden

Seidengalerie : Seidengalerie: Alle Läden belegt

In der 1985 eröffneten Passage bestimmt heute Kunst das Bild. Die Leerstände sind beseitigt worden.

Leerstände sind in der Innenstadt oft zu finden. Nicht aber in der Seidengalerie am Ostwall. Ihr Geburtstag liegt wenige Tage zurück: Am 9. Februar 1985 ist sie offiziell eröffnet worden. Architekt Klaus Reymann hatte das Gebäude mit der Naturstein-Aluminium-Fassade als Wohn- und Geschäftshaus geplant, wobei zwölf Ladenlokale das Herz der Passage bildeten, die Ostwall und Petersstraße verbindet. Nachdem es auch dort in den vergangenen Jahren Leerstände gegeben hatte, ist nun neues Leben eingekehrt. „Derzeit ist hier alles belegt“, sagt Stefan Küstermann, der wie Apotheker Herbert Angerhausen zu den Eigentümern zählt. „Diese Entwicklung freut uns sehr“, ergänzt Galerist Egon Heidefeld, ebenfalls ein Miteigentümer.

Ein Friseur-Salon, ein Barber-Shop und ein Yoga-Studio waren die jüngsten Zuwächse. Lederwaren, Schuhe, Pelze, die Luxusmarke MCM und Co. – solche Branchen bestimmten dagegen in den Anfangsjahren die Seidengalerie. Und natürlich die Apotheke sowie das Teppichhaus von Günter Küstermann.

„Mein Vater war hier von Anfang an mit zwei Ladenlokalen vertreten. Er hat immer viel Wert darauf gelegt, dass die Galerie schön bleibt“, betont Stefan Küstermann. Er selbst wie auch die übrigen Eigentümer setzten diese Tradition fort: „Die Pflege des Umfelds, die Sauberkeit sind uns enorm wichtig.“ Zum Beweis holt er die Greifzange für Abfall hervor, die griffbereit in einer Ecke steht.

Kunden von auswärts
loben die Architektur

Als Einkaufspassage sei die Seidengalerie aus heutiger Sicht zu klein, urteilt Küstermann. Auch seien längst nicht mehr so viele Leute wie früher in diesem südlichen Bereich des Ostwalls unterwegs. „In den Anfangsjahren hatten wir noch viel Laufkundschaft. Heute kommen die Kunden ganz gezielt zu uns – oft von auswärts.“ Sie seien von der schönen Architektur sehr angetan, die von großen Glasflächen, Marmorfußböden und viel Licht bestimmt wird.

Mittlerweile macht die „Galerie“ ihrem Namen auch alle Ehre. Denn Kunst dominiert die Belegung der Ladenlokale. Stefan Küstermann hat sein benachbartes Teppichhaus (es befindet sich seit mehr als 50 Jahren in dem 1888 errichteten Gebäude) um die Sparten Kunst und Designermöbel erweitert und nutzt Teile der Galerie als Ausstellungsfläche. Egon Heidefeld hat seine Kunstgalerie, die sich seit 25 Jahren im Herzen der Passage befindet, ebenfalls auf weitere Ladenlokale ausgedehnt. Er stellt hier Gemälde ebenso aus wie Skulpturen.

Eine Apotheke gibt es nach wie vor. Hinzu kommen  neben den genannten Geschäften ein Therapie-Zentrum für Hautärzte – und natürlich der „Bosi-Club“ im Keller.

Die frühere Bosi-Bar befand sich von Anfang an in der Seidengalerie. Sie ist allerdings sehr viel älter: 1933 wurde sie weiter nördlich am Ostwall im Keller des legendären Varietées „Seidenfaden“ eröffnet. Dieser Keller war „bombensicher“ – was in der Kurzform „bosi“ der Bar ihren Namen gab. Später folgte der Umzug des Lokals an den heutigen Standort. Im März des vergangenen Jahres ist es nach mehrfachem Betreiberwechsel als Club wieder eröffnet worden. „Eigentlich fehlt uns hier jetzt nur noch ein Café“, sagt Egon Heidefeld und lächelt.

Dass wieder Leben in der Seidengalerie herrscht, soll sich auch nach außen zeigen. So wird es demnächst eine Modenschau geben. Außerdem plant Egon Heidefeld verschiedene Events, vor allem im Mai sowie von Herbst bis Weihnachten. Damit will er das 25-jährige Bestehen seiner Galerie feiern.

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