Langsames Internet nervt Krefelder

1200 Haushalte betroffen : Langsames Internet nervt Krefelder

Noch immer gibt es in Krefeld Gebiete, an denen der Breitbandausbau vorbeigegangen ist. Ein 17-Jähriger lässt nicht locker.

Maximilian Eckert weiß wie es ist, auf Ladebalken zu starren. „Netflix oder HD-Videos sind überhaupt kein Thema“, sagt der 17-Jährige. Schnelles Internet ist auch bei seinen Nachbarn am Talring direkt am Hülser Berg ein Versprechen, das bisher nicht eingelöst wurde. Während in Krefeld laut Angaben der Telekom vor rund fünf Jahren Millionen investiert wurden, um rund 50 000 Haushalten schnelles Glasfaser-Internet zu ermöglichen, blieben offenbar einige Bereiche im Stadtgebiet komplett auf der Strecke.

1200 Haushalte in Krefeld haben eher langsames Internet

Das hat die Verwaltung erkannt und sich eine Förderung durch Bund und Land gesichert. Laut einer Vorlage für den letzten Bauausschuss gibt es eine „vorläufige Fördersumme“ von 11,6 Millionen Euro, um sogenannte „weiße Flecken“ in Krefeld zu schließen. So werden Gebiete bezeichnet, in denen nur Download-Geschwindigkeiten erreicht werden können, die unter 30 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) liegen. Betroffen sind laut Angaben der Stadt immerhin noch 1200 Haushalte. Die niedrigste Geschwindigkeit und damit auch die günstigste, die bei verschiedenen Internet-Anbietern buchbar ist, liegt in der Regel bei maximal 16 Mbit/s. Zur Einordnung: Die Video-Plattform Youtube empfiehlt für eine Wiedergabe in hoher Auflösung 5 Mbit/s, bei niedrigster Qualität sollen schon 0,7 Mbit/s reichen.

Maximilian Eckert kommt auf 1,8 Mbit/s, wenn er einen entsprechenden Test macht. Bedeutet: Wenn er den Anschluss alleine nutzt, „geht alles halbwegs gut“ - Internetseiten wie Wikipedia würden „normal“ laden. Die Facebook-Timeline mit mehr Bildern und Videos zu laden, werde aber schon zur Geduldsprobe. Sobald ein anderes Mitglied seiner Familie das Heimnetzwerk nutzen möchte, werde es schon schwieriger.

Der 17-Jährige muss mit einigen Einschränkungen leben

In Zeiten, in denen sich Studien mit der „Generation Internet“ befassen und Großeltern sich mit ihren Enkeln per Kurznachrichtendienst verabreden, bringt das für einen Aufwachsenden natürlich Einschränkungen mit sich: Bei den neusten „Youtube-Trends“ könne der 17-Jährige nicht immer mitreden. Im Internet mit Freunden Computerspiele spielen, ist ebenfalls ein Wunschtraum. Es könne ja schon schwierig werden, bei WhatsApp Bilder zu verschicken. „Meine Freunde wissen das“, sagt Eckert. Und sie helfen ihm mit ihrem Internetanschluss aus, wenn es mal wieder länger dauert. Wenn eine Präsentation für die Schule hochgeladen werden muss, suche sich Eckert auch mal einen öffentlichen Hotspot. Seine studierenden Brüder seien teilweise auch in den Semesterferien lieber wieder in ihre Studienorte zurückgekehrt, wenn sie etwas für die Uni machen mussten.

Auch in der Nachbarschaft sei das langsame Internet ein Dauerthema. Einige hätten in der Vergangenheit eine Unterschriftenaktion gestartet. Telekommunikationsunternehmen würden auf Sammelanfragen verweisen. Als Eckert dann in der WZ las, dass das „Internet für alle Krefelder schneller“ werden soll, wurde er hellhörig. Das war im September 2018.

Bis das Internet schneller wird, dauert es wohl noch etwas

Die Verwaltung hatte damals über die Förderung durch den Bund informiert. „Tatsächlich sieht es aber immer noch nicht so aus, als könnten wir bald mit schnellerem Internet rechnen“, schrieb der 17-Jährige in einer E-Mail an unsere Redaktion. Und leider braucht es wohl auch noch etwas länger, bis der Breitbandausbau die letzten „weißen Flecken“ Krefelds erreicht. Die Stadt warte noch auf den endgültigen Förderbescheid, erklärte ein Sprecher gegenüber unserer Redaktion. Daher könnten bisher keine Fördermittel abgerufen werden. Aus der Vorlage für den Bauausschuss geht hervor, dass das europaweite Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen wurde.

Erst nachdem ein entsprechendes Unternehmen einen Zuschlag erhalte, könnten die endgültigen Förderanträge gestellt werden. Der eigentliche Ausbau werde „von der Akquise bis zur Inbetriebnahme des letzten Hausanschlusses voraussichtlich 36 Monate betragen“, heißt es in der Vorlage weiter.

Maximilian Eckert nimmt es mit Humor - per Kurznachrichtendienst schickt er einen Smiley, ein „verschwitztes Lächeln“ als Reaktion. Kein Wunder, er und seine Familie hatten in den letzten Monaten immer wieder beim sogenannten Breitbandkoordinator der Verwaltung nachgehakt, der seit Ende Januar 2018 zwischen Bürgern, Stadt und Telekommunikationsunternehmen vermitteln soll. Auch er habe sie immer wieder mit Verweis auf das Verfahren vertröstet.

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