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Land gibt Geld für Klimaanlage in der Scheuten'schen Bibliothek

Historische Bücher : Krefeld erhält Geld für Stadtarchiv und die Scheuten’sche Bibliothek

Landschaftsverband fördert neues Archivsystem und Klimaanlage für historische Büchersammlung im Moltke.

Der Leiter des Stadtarchivs, Olaf Richter, wie auch Manfred Wüst vom Moltke-Gymnasium dürften seit Montag strahlende Augen haben. Der Landschaftsausschuss des Landschaftsverband Rheinland hat der Förderung von 102 Projekten mit rund sechs Millionen Euro im Rheinland zugestimmt; 97 500 Euro davon fließen in zwei Projekte nach Krefeld. „Vor drei Jahren haben ich das erste Mal einen Antrag auf Förderung einer Klimaanlage gestellt, jetzt hat es endlich geklappt“, sagt der Vorsitzende des 2016 neu gegründeten Vereins zur Erhaltung der Scheuten’schen Bibliothek im Gymnasium am Moltkeplatz. Zuletzt haben vor allem die hohen Temperaturen der vergangenen Sommer der historischen Büchersammlung des Schulgründers, Humanisten, Mäzen und Mennoniten Adam Wilhelm Scheuten (1753-1801) zugesetzt.

Ursprünglich sollen es über
12 000 Bände gewesen sein

Scheuten war im Alter von 47 Jahren früh verstorben und hatte in seinem Testament die damalige umfangreiche Summe von 15 000 Reichstalern zur Gründung einer „Menschlichkeit und Humanität“ vermittelnden Schule bestimmt. Zusätzlich spende er seine pysikalischen und mathematischen Geräte sowie seine reichhaltige Bücherei.

Der genaue Bestand der Bücherei lässt sich nur schwer schätzen. Den Grundstock bilden 300 Werke aus der Privatbibliothek des Stifters Adam Wilhelm Scheuten, 655 Bände aus der Kopstadtschen Stiftung und die Bibliothek des „Historischen Lesevereins“. Der hatte sich 1838 in Krefeld gegründet und sich 30 Jahre lang um die Bibliothek gekümmert.

Ursprünglich sollen es einmal laut Verein 12 000 Bände gewesen sein. „Durch die beiden Weltkriege wurde der Bestand leider auseinandergerissen“, erzählt Wüst. Ein Findbuch aus dem Jahre 1900 gibt Aufschluss über den tatsächlichen Bestand der Scheuten’schen Bibliothek. Insgesamt umfasst das Findbuch 6004 Positionen. „Es sind aber weitaus mehr Bücher“, sagt Wüst. Sie ist Nachweis des Bildungsbürgertums in Krefeld und inzwischen ein bewegliches Denkmal.

Während der Nazi-Zeit wurde die Sammlung auseinandergerissen. Albert Steeger entnahm Bücher für ein geplantes Heimatmuseum, ein anderer Teil wurde in Kisten verpackt im Keller der alten Stadtbücherei gelagert – und vergessen. Wiederum andere Bücher gingen nach dem Zweiten Weltkrieg an das Kaiser-Wilhelm-Museum und das Museum Burg.

Diese Zeit hat sichtbare Spuren hinterlassen, viele Bücher waren stark beschädigt und sind es teils noch. Seit 2006 kümmert sich Wüst um den teils wieder aufgefundenen und ins Moltke zurückgekehrten Buchbestand. Er restauriert sie fachmännisch, hat extra Fachkurse dafür absolviert. Die Bücher sind inzwischen archiviert, ein Großteil restauriert, und fein säuberlich in Schränken aufgereiht. „Die Bücher brauchen jedoch eine gleichmäßige Temperatur, eine konstante Luftfeuchtigkeit und müssen gegen UV-Strahlung geschützt sein.“ Mit einer Klimaanlage wird das ab nächstem Jahr dann möglich sein. Trotz des Fördergeldes des Landes sucht der Verein weiterhin Mitglieder, Spenden und Buchpaten. Weitere Infos im Internet auf scheutensche-bibliothek.de.

Weniger spektakulär, aber ebenso dringlich ist die Anschaffung eines neuen Regalsystems für das Stadtarchiv. 90 000 Euro werden dafür im nächsten Jahr nach Krefeld fließen. „Bereits die zweite Rate“, wie Stadtarchivleiter Olaf Richter erklärt. Nun kann der ausgeschrieben werden.