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Kunsttherapie: Krefelderin Linda Nalić stellt Werke aus

Kunsttherapie : „Das Malen hat mich gerettet“

Durch ihre Krebserkrankung kam Linda Nalić zur Kunst. Nun stellt die Krefelderin zum ersten Mal aus.

Der Schicksalsschlag einer Krebserkrankung hat oft zur Folge, dass Betroffene ihren Lebensmut verlieren und mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen haben. So erging es auch Linda Nalić. Die 46-Jährige leidet an einer seltenen Hirntumor-Erkrankung. Drei Mal wurde sie am Universitätsklinikum in Münster bereits operiert, hat Chemotherapien und Bestrahlungen hinter sich. „Vor der dritten OP ging es mir psychisch sehr schlecht“, erzählt die Mutter zweier Kinder. „Ich hatte den Mut verloren und hatte keine Kraft mehr für eine weitere Operation.“

Während dieser schwierigen Zeit nahm sie das Angebot einer Kunsttherapie am Klinikum wahr und schöpfte durch die künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit neue Energie. „Ich habe durch die Therapie gelernt, meinen schwer zu verarbeitenden Emotionen einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Ich habe meine Ängste und Gefühle auf die Leinwand gebracht. Das Malen hat mich gerettet“, erzählt Linda Nalić.

Mit Kunst hatte sie sich vorher nie beschäftigt. „Heute gibt sie mir Energie und ich habe einen neuen Sinn gefunden.“ Kraft geben ihr auch ihre beiden Kinder, Freunde und ihre Familie. „Aber für sie war ich immer nur die kranke Mutter, die kranke Schwester oder kranke Mitarbeiterin“, sagt sie. „Heute bin ich wieder jemand. Ich leiste etwas. In allem, was ich mache, steckt etwas von mir drin. Das fühlt sich gut an.“

Die 46-Jährige hat neuen Mut geschöpft und gelernt, sich nicht von ihren Ängsten beherrschen zu lassen. Ihre Bilder malt sie mit ausdrucksstarken Farben. Teilweise strahlen sie Optimismus und Zuversicht aus, teilweise sind sie düster und drücken ihre Angst und Verzweiflung aus. Die Farbe trägt sie mit den Händen auf. „Der Kontakt mit der Farbe und der Leinwand hat etwas Meditatives für mich und lässt mich zur Ruhe kommen.“ Neben den gemalten Bildern fertigt sie Collagen und Zeichnungen an. Seit Kurzem gestaltet sie auch Lesezeichen und Notizbücher und verkauft diese im Internet. Auf der sozialen Plattform Instagram zeigt die Krefelderin als „farbklatsch_kunst“ ihre Werke und tritt mit Menschen in Kontakt. „Ich habe mir ein kleines Business aufgebaut“, sagt Nalić stolz.

In einem Projekt der Krebsberatung Krefeld bekommt die 46-Jährige nun die Möglichkeit, einen Monat lang ihre Bilder in den Räumen des Begegnungszentrums Wiedenhof auszustellen. Bei der Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe mit dem Thema „Lebensmut durch Kunst – Kunsttherapie bei Krebs“ halten verschiedene Referentinnen aus den Bereichen Medizin, Kunst und Tanz Vorträge. Auch Nalić wird ihre Geschichte erzählen und über ihre positive Entwicklung durch die Malerei berichten. Ein Kunstworkshop für Krebsbetroffene rundet die Veranstaltungsreihe ab. „Wir hoffen, künftig regelmäßige Kunst- und Tanzworkshops in Krefeld anbieten zu können“, sagt Gülseren Yazaydin, Mitarbeiterin der Krebsberatung und Organisatorin des Projektes.

Auch neue Selbsthilfegruppen sollen gegründet werden. „Wir merken, dass die Hilfe durch Kunsttherapie ein Mut bringendes Thema ist“, sagt Jochen Hochkammer, Kreisgruppengeschäftsführer Der Paritätische. „Diese kleinen Projekte können hoffentlich viel bewirken.“