Kunstmuseen Krefeld beteiligen sich am Bauhaus-Jubiläumsjahr

Kunstmuseen im Bauhaus-Jahr : Herausgeputzte Bauhaus-Ikonen werden zu Denk-Laboren

Die Kunstmuseen Krefeld beteiligen sich am Bauhaus-Jahr mit Ausstellungen und experimentellen Diskussions-Plattformen. Los geht es in den frisch sanierten Häusern Lange und Esters.

Krefeld ist Bauhaus-Stadt. Hier lebten und wirkten rund 30 Vertreter dieses Experimentierfeldes auf den Gebieten der Kunst, der Gestaltung, der Architektur. Im Jubiläumsjahr „100 Jahre Bauhaus“ gibt es in Krefeld deshalb eine Fülle von Veranstaltungen, um diese besondere Verbundenheit zu unterstreichen. Der Besuch des Bundespräsidenten in den Häusern Esters und Lange Anfang Februar (die WZ berichtete) ist nur einer von zahlreichen Höhepunkten. Zentraler Bestandteil sind die Angebote der Kunstmuseen. Museumsleiterin Katia Baudin verspricht ein „Event-volles Jahr“, man sei „froh und stolz“, sich am Bauhaus-Jubiläum beteiligen zu dürfen. Und Stadtmarketing-Leiter Ulrich Cloos betont: „Was wäre Krefeld ohne die Kunstmuseen? Eine sehr arme Stadt.“

Und wo könnte man in Krefeld „Bauhaus 100“ besser beginnen als in den wieder eröffneten Häusern Esters und Lange. Nach deren Sanierung startet dort am 17. März das Projekt „Anders Wohnen“. Dabei werden die frisch herausgeputzten Bauhaus-Ikonen von Ludwig Mies van der Rohe bis zum 26. Januar 2020 zu experimentellen Ausstellungsplattformen und Denklaboren. Wie wohnten wir gestern? Wie wohnen wir heute? Wie wohnen wir morgen? Diese Fragen werden in den beiden Museen untersucht. Rund 20 Künstler, Architekten und Designer realisieren für die Häuser und den Gartenbereich Wohn- und Lebenskonzepte. Wie in einem Theaterstück ist das Ganze gegliedert – vom Prolog bis zum Epilog.

Ein Programm mit
Prolog und Epilog

Den Prolog gibt es im Haus Lange. Vom 17. März bis zum 14. April verwandelt es sich in einen Ort, an dem der tatsächliche Baubestand mit Hilfe einer Spezialbrille von der historischen Wohnsituation überlagert wird. Mit der Brille vor den Augen werden die Besucher plötzlich Möbel und Kunstgegenstände sehen, mit denen sich die Familie Lange damals hier eingerichtet hatte. Gleichzeitig wird in einem Raum die bewegte Geschichte der Villen dokumentiert.

Parallel zum Prolog gibt es einen Dialog im Haus Esters – Katia Baudin spricht von einem Ping-Pong der beiden Museen. „Partizipation und Wissenschaft“ nennt sich dieses Begleitprogramm, bei der die heutige Wohnsituation zur Diskussion gestellt wird. Beteiligen werden sich Architekten, Künster, Desigern, aber auch Soziologen, Philosophen, Studenten – und vor allem ein breites Publikum. Denn „publikumswirksame Veranstaltungen“ werden versprochen.

Die Ausstellung
hat drei Akte

Ab 5. Mai folgt eine Ausstellung in drei Akten, die sich Utopie, Mobilität und Dystopie nennen. Im ersten Akt entwickeln internationale Künstler und Architekten für Haus Lange neue Wohnkonzepte und visionäre Ideen des Zusammenlebens.

Im zweiten Akt geht es ab 7. Juli hinaus in die Gartenanlagen der Museen, die metaphorisch für die Flexibilität der heutigen Gesellschaft stehen. Und im dritten Akt wird ab 15. September im Haus Esters der positiven Utopie der negative Gegenentwurf, die Dystopie, entgegengesetzt. Hier basieren die Entwürfe auf dem Gedanken der Wiederverwertung, um die Gesellschaft vor dem selbst verschuldeten Untergang zu bewahren.

Den Epilog bilden ab Januar 2020 ein fulminantes Bauhausfest und eine umfangreiche Publikation aller Projekte.

Auch die eigene Sammlung
wird ins Licht gerückt

Das Haupthaus, also das Kaiser-Wilhelm-Museum, ist am Bauhaus-Jubiläum mit drei Ausstellungen beteiligt. Den Auftakt macht ab 29. März die lettische Künstlerin Ola Vasiljeva, die sich mit der Behandlung weiblicher Designerinnen im Deutschen Werkbund beschäftigt. Deren Werk galt als kitschig – woraufhin 1914 auf einer Werkbundausstellung in Köln das „Haus der Frau“ besonders nüchtern realisiert wurde. Davon inspiriert, wird Vasiljeva eine raumgreifende Installation umsetzen.

Die Bestände des Museums werden ab 7. Juni unter dem Stichwort „Fokus Sammlung“ ins Licht gerückt. Bauhaus-Künstler wie Kandindky, Klee, Feininger und Muche haben in Krefeld Spuren hinterlassen. Die Farbtafeln von Kandinsky wurden 1928 sogar eigens für eine Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum geschaffen.

Das Bauhaus-Jahr schließt mit Folklore. In der Ausstellung „Folklore und Avantgarde“ wird untersucht, welche Einflüsse die Volkskunst vor 100 Jahren auf die Moderne hatte. Die Frühgeschichte des Kaiser-Wilhelm-Museums liefert dazu wichtige Ansatzpunkte, denn bereits in dessen ersten Jahren wurde hier neben der angewandten und bildenden Kunst auch europäische Volkskunst gezeigt – zwei Bereiche, die heutzutage meist streng getrennt werden, berichtet Katia Baudin. Neben ihr sind Sylvia Martin, Magdalena Holzhey und Constanze Zawadzky als Kuratorinnen beteiligt.