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Kulturreihe Habima der Jüdischen Gemeinde will Grenzen überwinden

Kultur : Nach Halle: „Jetzt erst recht“

Kulturreihe Habima der Jüdischen Gemeinde soll ein symbolischer Schulterschluss gegen rechte Tendenzen sein.

„Jetzt erst recht.“ Das ist ein Gedanke, der Joachim Watzlawik nach dem Anschlag von Halle antreibt. Oder bekräftigt. Oder beides. Der Sozialpädagoge und Kulturveranstalter hat in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde mit der Reihe Habima (Bühne) seit Jahren das Ziel, die Synagoge an der Wiedstraße und damit die Gemeinde mittels Kultur zu öffnen.  Dabei geht es um Vielfältigkeit, Gastfreundschaftlichkeit und Toleranz. Gegenpole zum Terror, zum Hass.

Bei der Kulturreihe geht es auch darum, Haltung zu zeigen

Dass er als Nicht-Jude als Gastgeber agieren darf, zeuge von Vertrauen. Und er sei mit dem Herzen dabei. In einer Synagoge ein Konzert zu gehen, bedeute eben immer noch mehr, als nur eine Veranstaltung zu besuchen — „leider“, sagt Watzlawik. Solange Polizei vor einem Haus stehen muss, eine Schleuse am Eingang für zusätzliche Sicherheit sorgen muss, könne man eben nicht von Normalität sprechen. Wer trotzdem hingeht, setze ein Zeichen, ist sich Watzlawik sicher. Auch bei den Veranstaltungen werde es nun eine zusätzliche Sicherheitskraft und Schutz durch Kräfte der Polizei geben.

Es gebe immer noch viele, die noch nie die Krefelder Synagoge besucht haben. Die Kulturreihe sei auch als eine Art Einladung zu verstehen. Und als symbolische Geste, der Gemeinde zur Seite zu stehen. Es werde Momente der Besinnung geben. Der Solidarität. Gleichzeitig dürfe die Leichtfüßigkeit nicht verloren gehen, die eine Brücke schlagen soll. Das Programm ist wieder vielfältig.

Zum Auftakt kommen
bekannte Musiker aus Köln

Zum Start am Sonntag (27. Oktober) kommt der Kölner Musiker Klaus Mages zusammen mit Rüdiger Haase (Gitarren). Mages (Gesang, Bass, Drums) ist in den 80ern unter anderem Mitbegründer der Band Trio Rio (“New York, Rio, Tokyo“) gewesen. Er „nimmt die Leute mit“, sagt Watzlawik. Das Duo  covere unter dem Titel „Mischung Impossible“ auf seine ganz eigene Art Stücke aus den letzten 70 Jahren von Tom Waits bis zu den Beatles. Ähnlich vielseitig geht es weiter. Bantaba X heißt das „emotionale Musikpaket“, das Musiker vereint, die Einflüsse aus Stilrichtungen wie Jazz, Progressive Rock oder Afro-Latin miteinander verbinden. „In Krefeld spürst Du die im Prinzip nicht“, sagt Watzlawik zum Thema „rechte Tendenzen“. Die Stadt sei schon immer offen gewesen. Trotzdem sei die Kulturreihe auch als symbolischer „Schulterschluss“ gegen eben jene „Tendenzen“ zu sehen. Kultur könne man „überall“ in Krefeld haben, bei der Habima-Reihe gehe es auch darum, Haltung zu zeigen. Und trotzdem einen unterhaltsamen Konzertabend zu genießen und gemeinsam fröhlich zu sein. Übrigens biete die Synagoge auch einfach einen „sehr schönen Konzertsaal“.