Kulturfabrik: Machen ist besser als Motzen

Kulturfabrik: Machen ist besser als Motzen

Ungezählte Stunden feilen Marcel Amann und Max Kropp in der Kufa am Krefelder Nachtleben.

Krefeld. Wer über das Kulturleben in Krefeld nörgelt, sollte aufpassen, dass Marcel Amann und Max Kropp nicht in der Nähe sind. Die können das nämlich gar nicht leiden. "Die Leute, die nur rumstehen und motzen, haben hier in der Kufa die Chance, es besser zu machen", sagt Amann (28). "Alles was man braucht, sind Interesse und der Wille, etwas zu lernen."

Seit nunmehr 26 Jahren existiert die Kulturfabrik als eingetragener Verein. Wer Mitglied wird, kann sich entsprechend seinen Interessen engagieren. Amann ist im Programmausschuss aktiv, verhandelt mit Agenturen, bucht Künstler und betreut sie vor Ort.

Kropp (29) kümmert sich im Technikausschuss um Strom, Licht und Ton - die gesamte Haustechnik. "Hier können Leute anpacken, lernen und ihre Kreativität ausleben", sagt er. Manche von denen, die in der Kufa das erste Mal am Mischpult saßen, gehen inzwischen mit Rockstars auf Welttournee.

Denn Stars haben sie schon in der Kufa ins rechte Licht gesetzt: In früheren Jahren spielten Grönemeyer oder Die Toten Hosen in der ehemaligen Schlachterei an der Dießemer Straße, heute immerhin Blumfeld, Clueso, Thomas D, Sido, Revolverheld oder Kettcar, dazu Kabarettisten wie Gerd Dudenhöfer, Thomas Freitag und Jürgen Becker. Namen wie diese ziehen auch Gäste von außerhalb in die Kulturfabrik.

Amann und Kropp glauben, dass es noch viel mehr sein könnten, wenn die Verkehrsanbindung besser wäre. "Das ist das Hauptproblem des Krefelder Nachtlebens"" sagt Kropp. "Nach Mitternacht kommt man hier nicht mehr weg." Die erste Charts-Liga in die Kufa zu holen, ist daher "gleichbleibend schwierig", wie Amann zugibt. "Wir sind nun mal keine A-Stadt."

Allerdings wollen die Kulturfabrikanten - momentan rund 100 Ehrenamtler - gar nicht jedem Trend hinterher laufen. Als Verein, der nicht in erster Linie auf den Gewinn schielt, leistet sich die Kufa eine in der Branche seltene Tugend: Prinzipien. "Die Eintagsfliegen, die nur schnell eine Tour machen, um möglichst vielen Kids das Geld aus der Tasche zu ziehen, haben bei uns keine Chance", stellt Amann klar.

Auf der anderen Seite kennt er Künstler, die ganz gezielt in die Kufa kommen, weil sie die Atmosphäre schätzen und die Betreuung vielleicht ein Stück familiärer ist als anderswo. "Smudo von den Fanta 4 kommt hier an und fragt: ’Wo sind die Kekse?’ Die fand er zehn Jahre vorher so lecker."

Solche Begegnungen sind die perfekte Belohnung für die Ehrenamtler, die jeden Monat ungezählte Stunden in den Laden stecken. Marcel Amann, im Hauptberuf Industriekaufmann, ist seit 2004 dabei, war allerdings schon in seiner Jugend regelmäßiger Gast an der Dießemer Straße. "Ich wollte ein Stück von dem zurückgeben, was ich hier an kultureller Vielfalt genossen habe. Die glitzernde Welt der Königsburg hat mich nie interessiert." Max Kropp, werdender Physik- und Mathelehrer und schon seit 1999 im Technik-Team, hat eine kürzere Begründung für sein Engagement: "Es macht einfach Spaß."

Wie alle Vereine hat auch die Kufa Nachwuchsprobleme. "Die alte Garde hat inzwischen Jobs und teilweise Familie", erklärt Kropp. "Und von unten wächst zu wenig nach." Dabei ist den beiden deutlich anzumerken, wie viel die ehrenamtliche Arbeit ihnen gibt: Machen ist halt in der Regel spannender als Motzen.

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