Windhunde statt Zauberflöte

Windhunde statt Zauberflöte

Walter Planté hat 35 Jahre lang das Theaterensemble geprägt. Nun ist der aus Philadelphia stammende Sänger in seiner Abschiedsrolle zu hören.

Krefeld. Wenn er im rotgoldenen Barockkostüm über die Bühne schreitet, ist er ganz in seinem Element. In der Oper „Manon“ ist Walter Planté derzeit als reicher aber glückloser Aristokrat Guillot zu erleben. Es ist die Abschiedsrolle des Sängers, der seit 35 Jahren das hiesige Theaterensemble prägt.

Fünf Intendanten und sechs Generalmusikdirektoren hat er seitdem erlebt und dabei nie seine Leidenschaft für die Bühne verloren. „Das Theater ist mein Zuhause“, sagt der aus Philadelphia stammende Künstler mit französischen Wurzeln, der sich auch nach Jahrzehnten in Deutschland einen charmanten Akzent bewahrt hat.

Als lyrischen Tenor engagierte Intendant Joachim Fontheim ihn im Jahr 1979 sofort nach dem Vorsingen. „Er bot mir einen Vertrag an und ich musste mich sofort entscheiden“, erinnert sich der Sänger. Von einem Vorsingen an der Wiener Staatsoper war er damals direkt mit dem Nachtzug nach Krefeld gekommen. Die Stadt war ihm völlig unbekannt und erst seine Mutter in Philadelphia machte ihn darauf aufmerksam, dass er sich in der Heimat der ersten deutschen Amerika-Einwanderer befand.

„Das war ein Zeichen für mich“, erzählt Planté und so entschied er sich trotz anderer Optionen spontan für den Niederrhein. Obwohl ihn Gastspiele an viele große Opernhäuser wie Amsterdam, Paris und Zürich führten, hat er diese Entscheidung nie bereut. „Ich bin ein Krefelder geworden, hier bin ich zu Hause“, sagt er.

Unzählige Rollen hat er verkörpert und dabei einen allmählichen Wechsel von den lyrischen Helden ins Charakterfach vollzogen. Unter der Regie von John Dew sang er gleich zu Beginn seines Engagements alle großen Mozart-Partien und musste sich dabei auch mit modernem Regietheater auseinandersetzen. Eine besondere Herausforderung war das Samuraikostüm als Tamino, bei dem nur die Ohren frei blieben.

Neben Mozart hat er in seiner Karriere am häufigsten den Alfredo in Verdis „La Traviata“ und den Rudolfo in Puccinis „La Bohème“ gesungen. Zu seinen schönsten Bühnenerlebnissen in Krefeld zählt die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Detlev Glanert in dessen Oper „Der Spiegel des großen Kaisers“. Der Sänger liebt die darstellerischen Herausforderungen seiner Rollen. „Ich möchte in jede Figur hineinschlüpfen“, betont er.

Dass Planté überhaupt beim Theater gelandet ist, hat er sich hart erkämpft. Seine Eltern waren Naturwissenschaftler und ließen ihn Jura studieren. An der Uni sang er nebenbei und entdeckte so seine Passion: „Es war wie eine Ente, die ins Wasser kommt“, erinnert sich Walter Planté lachend.

Ein Stipendium an der Indiana University of Music ermöglichte ihm seinen Traumberuf, dort lernte er den berühmten Dirigenten Leonard Slatkin kennen, der ein wichtiger Förderer wurde. Gemeinsam haben sie viel konzertiert, auch in der New Yorker Carnegie Hall.

Dass er jetzt keine neue Partie mehr einstudieren muss, ist für den Sänger ein ungewohnter Zustand. Als Gast wird er noch in der nächsten Spielzeit in „Manon“ auftreten.

Ansonsten wird Planté seine Freizeit noch mehr als bisher seiner zweiten großen Passion widmen können. Seine vier imposanten Windhunde, mit denen er beim Spaziergang das Stadtbild des Bismarck-Viertels prägt, nehmen viel Zeit und Fürsorge in Anspruch.