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Wer ist der tote Mann aus Norwegen?

Wer ist der tote Mann aus Norwegen?

Mit Hilfe von Museumsleiterin Annette Schieck will ein TV-Team die Identität eines vor 30 Jahren verstorbenen Mannes klären.

Krefeld. Es ist nur ein Etiketten-Schnipsel. Ein Stück Stoff, wie es millionenfach in Textilien angenäht ist. Trotzdem hoffen Kristian Ervik und Asbjørn Hansen darauf, dass das Beweismittel das mysteriöse Verschwinden eines Mannes in Norwegen klären kann.

Wer ist der tote Mann aus Norwegen?

Helfen soll dabei Annette Schieck, die Leiterin des Deutschen Textilmuseums. Der Journalist Ervik und der pensionierte Kommissar Hansen rollen in einer Sendung für das norwegische Fernsehen ungelöste Kriminalfälle wieder auf. „So wie Aktenzeichen XY im deutschen Fernsehen“, sagt Ervik lachend.

Ihr aktueller Fall handelt von einem bereits 1987 neben Eisenbahnschienen tot aufgefundenen Mann, dessen Akte drei Jahre später geschlossen wurde. Seine Identität konnte nie geklärt werden.

Die Umstände seines Todes sind mysteriös. Es handelt sich um einen sogenannten Cold Case, einen ungeklärten Kriminalfall. Das norwegische TV-Team vom Sender TV 2 hat die Akten von damals wieder hervorgeholt und will herausfinden, wer der Tote ist.

„Laut Obduktionsbericht ist der Mann vermutlich von einem Zug angefahren worden und seinen Verletzungen erlegen. Aber keiner kann sich an solch einen Unfall erinnern. Zudem hat der Mann keine Ausweisdokumente bei sich gehabt, als man ihn fand.

Bis heute hat sich keiner gemeldet, der den Toten sucht. Wir wollen einfach herausfinden, wer dieser Mann ist, den keiner vermisst“, berichten die Norweger in der Bibliothek des Textilmuseums.

Zusammen mit Kameramann Espern Storsve sind sie nach Krefeld gekommen, um sich von Annette Schieck bei der Aufarbeitung des Falls helfen zu lassen. Doch warum Krefeld? „Wir glauben, dass der Mann aus Westeuropa, möglicherweise sogar aus Deutschland oder dem deutschsprachigen Raum stammen könnte“, berichtet Kristian Ervik.

Grund zu dieser Annahme gibt ausgerechnet das in der Unterwäsche des Mannes gefundenes Etikett. Es trägt den Namen des Labels Elan Body. Die weiteren Angaben zu Waschtemperaturen oder der Hinweis darauf, dass das Textil aus 100 Prozent Baumwolle bestehe, sind auf Deutsch.

„Wir haben dann in Deutschland nach Experten für Textil gesucht und sind in Krefeld fündig geworden“, sagt Kristian Ervik. Weil der Mann ansonsten lediglich eine Schachtel Zigaretten und ein Schweizer Armee-Messer bei sich hatte, als er am 26. September 1987 an den Gleisen nahe dem 31 000-Einwohner Ort Moss im Süden Norwegens gefunden worden war, ist die Analyse der Textilmuseumsleiterin so wichtig.

Für Annette Schieck beginnt ein spannendes Projekt. „Ja“, schmunzelt sie, „es ist mein erster Fall dieser Art, aber als Archäologin bin ich schon öfter mal mit durch Blut verunreinigten Textilien in Kontakt gekommen.“ Das Film-Team will von ihr wissen, welche Rückschlüsse sie durch das Etikett und die weitere Kleidung des Toten auf die Identität des Mannes schließt.

Zunächst bekommt die Leiterin des Textilmuseums Fotos von der Kleidung des Toten zugeschickt, bevor sie in der vergangenen Woche die Kleidung auch im Original in Krefeld in Augenschein nehmen kann. „Seine Kleidung ist gepflegt, kurios ist, dass außer dem Unterwäsche-Etikett alle anderen herausgeschnitten sind. Er trug Schuhe der Marke Mephisto, die zu dieser Zeit teuer waren“, berichtet sie.

Auffällig sei zudem die Jacke des Toten, die in dieser Art in den 1980er Jahren durch den Tatort-TV-Kommissar Horst Schimanski populär wurde. „Die Unterwäsche ist meiner Ansicht nach Massenware. Das Label Elan Body wurde unter anderem in den Kaufhäusern von Hertie angeboten.“

Fragen gibt auch ein Stützstrumpf auf, den der Tote anhatte. „Es ist ein medizinischer Stützstrumpf, der Patienten nach Operationen im Krankenhaus angezogen wird“, erklärt Annette Schieck. Ex-Kommissar Hansen verweist aber darauf, dass der Gefundene keine frische Operationsnarbe besaß.

Der Fall ist auch deshalb so kurios, weil es laut Asbjörn Hansen in Norwegen lediglich 15 Fälle gibt, in denen tot aufgefundene Personen identitätslos blieben. Eine dieser Personen ist der „Kambo-Mann“, wie der Tote von der Presse in Norwegen aufgrund des Orts an dem er damals aufgefunden wurde, genannt wird.

Doch auch das TV-Team kann nur spekulieren, wer der Mann in Wirklichkeit ist. „Er könnte als Blinder Passagier auf einem Frachtschiff nach Norwegen gekommen sein, er könnte auch ein Patient in einer Psychiatrie oder ein Flüchtling gewesen ein, der sich mit Sachen aus der Fremdenlegion eingekleidet hat“, sagt Ervik.

Mit den Informationen aus Krefeld hofft der Journalist in seiner Sendung Mitte März neue Erkenntnisse zur Identität des Mannes zu erhalten.

„Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt“, sagt Annette Schieck und ergänzt: „Wenn ich weiter helfen kann, mache ich das.“