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Wenn Generäle saufen, bis die Zeit aus ist

Wenn Generäle saufen, bis die Zeit aus ist

Ein 20 Jahre altes Stück des Krimiautors Friedrich Ani erlebt seine Uraufführung.

Krefeld. Sind wir nun weiter oder nicht? Das ist angesichts dieser Aufführung die entscheidende Frage. So weit recherchierbar, hat Krimiautor Friedrich Ani sein Stück "Generale Proben" im Jahr 1989 in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht.

Dass es 20 Jahre später in Krefeld uraufgeführt wird, ist ein Kuriosum. Prinzipal Pit Therre vom Fischelner Theater am Marienplatz (TAM) hat Anis Frühwerk ausgegraben.

Wäre der Münchner Schriftsteller nicht weiter gekommen mit seinem Handwerkzeug, als er es damals war, hätte er sicher nicht den Erfolg gehabt, über den er sich heute zu Recht freuen kann. Friedrich Ani hat viele Preise eingeheimst, nicht nur für seine Krimis um den Kommissar Tabor Süden.

"Generale Proben" jedenfalls ist sprachlich grob, grob sind auch die Figuren. Bei Therre sind es vier Generäle (Stefan Hölker, Björn Kiehne, Stefan Otto-Bach, Gereon Bründt), die in Uniformen in einem Wirtshaus hocken und sich befehlsknappe Satzstummel an den Kopf werfen.

Einer der vier kann gar nur grunzen, was aber offenbar nicht am Alkoholkonsum liegt, den Ulrike Jansen als Wirtin fördert, indem sie pro Szene vier große Helle auf den Tisch knallt.

Was treibt die vier um? "Immer wieder saufen, bis die Zeit aus ist", räsoniert einer, ein anderer lamentiert: "Es gibt keinen mehr, der führt." So weit, so verständlich. Dann bringen sich drei der vier Pseudo-Generäle selbst um, indem sie sich die Gurgel durchtrennen. Den vierten Abgang besorgt die Wirtin.

Therre hat aus dem groben Text das Beste gemacht, nämlich eine grobe Karikatur. Aber die ist in ihrem reflexhaften Antimilitarismus reichlich überholt und wird den heutigen "Bürgern in Uniform" nicht gerecht. Im Fernsehen wird in Dokumentationen und Spielfilmen von anderen Soldaten erzählt.

Solchen, die aus Afghanistan mit einem Trauma in eine Gesellschaft heimkehren, die ihnen nicht einmal zubilligt, dass sie sie in den Krieg geschickt hat.

Termine: 9.,16.,30. Oktober, 22 Uhr.