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Wagner formt Worte für Gedankenwelten

Wagner formt Worte für Gedankenwelten

Jan Wagners Lyrik ist oft klassisch und lässt viel Raum für Fantasie. Am 21. Februar liest der Georg-Büchner-Preisträger in der VHS.

Vier Bienen scheinen über den dunkelgelben Buchumschlag zu schweben: „Selbstporträt mit Bienenschwarm“ heißt die Sammlung des Lyrikers Jan Wagner. Aus diesen ausgewählten Gedichten wird der Berliner am Mittwoch, 21. Februar, in der Volkshochschule (VHS) lesen. Damit ist zum zweiten Mal in Folge ein Georg-Büchner-Preisträger zu Gast — der Büchner-Preis ist die wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland, dotiert mit 50 000 Euro.

Die Liste der Preise von Jan Wagner ist lang. Nicht nur für seine Gedichte und die Herausgeberschaft von Lyrik, sondern auch für seine Übersetzungen wurde Wagner ausgezeichnet. Sein drittes Tätigkeitsfeld ist die Rezension — Wagner geht auf mannigfaltige Weise mit der Literatur um. Er wurde 1971 in Hamburg geboren, wuchs im nordöstlich angrenzenden Ahrensburg auf und studierte Anglistik, unter anderem am Trinity College in Dublin.

In „Selbstporträt mit Bienenschwarm“ versammelt Jan Wagner Gedichte von 2001 bis 2014. Den Epilog bildet ein einziges neues Gedicht. Für die „Regentonnenvariationen“ wurde er 2015 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse geehrt. Einige Gedichte daraus bilden einen Part im „Bienenschwarm“. Mit einer „Art Familienfeier“ vergleicht Jan Wagner im Nachwort seine Lyrik aus diesem Jahrhundert. Seine Themen entstammen einem bunten Fächer von Elementen aus der Natur - von Schlehen, Maulbeeren oder Mücken. Von Impressionen von Reisen — Australien, Ohio oder Nikosia. Auch der Rückgriff auf die Klassik ist sein Metier — sei es inhaltlich oder formal.

Wenn er etwa Haikus über einen japanischen Ofen im schleswig-holsteinischen Cismar schreibt, zeigt er sich vertraut im Umgang mit dieser traditionellen japanischen Form, hier mit siebzehn Silben in jeder dreizeiligen Strophe. Die Faszination für diesen japanischen Ofen teilt Wagner mit einem Träger des niederrheinischen Literaturpreises. Christoph Peters schreibt in seinem Roman „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ von 2014 über das Thema.

Die Gedichte von Jan Wagner reimen sich nicht, er verwendet nur Kleinbuchstaben. Seine Formen sind oft klassisch, und seine Gedichte haben das, was die Lyrik ausmacht: Sie verzichten auf Eindeutigkeit und öffnen dem Leser eine Welt der Gedanken und Assoziationen. Dabei setzt er häufig überraschende Wendungen, die den Leser schmunzeln oder eine Stimmung, eine Sehnsucht wiedererkennen lassen. Wagners Freude an der Sprache und sein virtuoser Umgang mit ihr zeigt sich auch in dem Band „Der verschlossene Raum. Beiläufige Prosa“ von 2017. Darin sind Wagners Reden zu verschiedenen Preisen versammelt. Außerdem findet sich dort eine Reihe noch unveröffentlichter Miniaturen wie zum Beispiel Postkarten aus Rom.