Von unendlichen Weiten und ruhigen Wiesen

Von unendlichen Weiten und ruhigen Wiesen

Fotografiert oder gemalt: Am Freitag wird im Südbahnhof eine neue Ausstellung eröffnet. 18 Künstlerinnen präsentieren ihre Werke.

„Das Thema Nachhaltigkeit und der Umgang mit Ressourcen ist schon immer Thema im Werkhaus und jetzt auch forciert“, sagt Mitarbeiterin Anja Jansen. Um sie herum werkeln gerade einige Künstlerinnen, die in den Ausstellungsräumen des Südbahnhofs ihre Arbeiten für die am 29. Juni beginnende Ausstellung platzieren. Auf Initiative des Frauenkunstforums NRW entstand das Konzept zu dieser Ausstellung.

Es geht darum, den Umgang mit Landschaft in zeitgenössischer Weise darzustellen. 18 Künstlerinnen, bei denen sich teilweise das Thema Natur und Landschaft wie ein grüner Faden durch ihr gesamtes Schaffen zieht, zeigen aktuelle Interpretationen. Bei der gelernten Fotografin Eva Winkler aus Lüdenscheid ist Landschaft in fast schon altmodisch gewordener Weise zu sehen — als große Schwarz-Weiß-Fotos. „Ich bin auf analoge Fotos spezialisiert, denn digital kann jeder“, sagt sie.

Sie lenkt die Blicke des Betrachters in ihrer Bilderfolge, die wie ein Wandschirm aufgestellt ist, zunächst in einen Fichtenwald hinein. Von dort wird die Aufmerksamkeit über eine Lichtung zu einem Buchenwald hineingeführt. Sie hat die Stimmung eines frühen Morgens eingefangen, die Fotos strahlen Ruhe aus. Dies verstärkt Winkler noch, indem sie mit Spiegeln die Waldansicht verlängert — „die unendliche Geschichte Wald, Landschaft, Natur und Ruhe soll man sich vorstellen können“.

Landschaftsimpressionen, die nicht in einen festen Rahmen „gepresst“ werden, sind auch bei der Krefelderin Mathilde Jaeger zu finden. Ihr Werk „Bundesstraße 308“ fasst Eindrücke von mehreren Urlaubsreisen ins Allgäu zusammen. Dort beobachtete die Edelsteinfachfrau und studierte Künstlerin über einen längeren Zeitraum hinweg den Wandel der dortigen Kulturlandschaft: „Von der ruhigen Landschaft mit Wiesen und Feldern wandelte sich das Bild in eine zerklüftete Landschaft mit Bauten, Wohnvierteln und mehr.“

Diese Veränderungen und die damit verbundene Dauer der Entwicklungen spiegeln sich auch in der Entstehung ihres fünfteiligen Tafelbilds wider. Im ersten Arbeitsgang hat sie einen großen naturalistischen Baum gemalt. Darauf entstand im zweiten Arbeitsgang ihrer Malerei mit Ölkreide, Pigmenten und Acrylfarben ein sehr frei gestaltetes Landschaftsbild. Am rechten Bildrand deuten schwarze und graue Flächen die landschaftszerstörende Bebauung an, in der Bildmitte lässt sich eine blaue Wasserfläche erahnen.

Durch dieses Landschaftsbild in gedämpften Farben ziehen sich wie Fremdkörper ungefähr zwei Zentimeter breite Streifen, die das Holz des alten Baumes durchschimmern lassen. Das Ursprüngliche wird zu einer Störlinie in der neuen Landschaft.

Auch diese Arbeit ließe sich, so wie die Fotografien von Winkler, beliebig fortführen. „Ich arbeite gerne in Serien, auch bei Naturthemen gerne mit bis zu zwölf Tafelbildern, die einen Rundumblick erlauben würden.“ Das Thema Rapsfeld hat die Krefelderin Carola Lischke als ihren Beitrag zur Gemeinschaftsausstellung ausgewählt. „Bei einem Spaziergang um den Segeberger See in Schleswig-Holstein war ich begeistert von der Farbe Gelb.“

Abstrakt hat sie die Rapsfelder dargestellt und ihnen mit den Grautönen der Wegeabschnitte und Wolken einen dramatischen Anstrich gegeben. „Es gibt in Schleswig-Holstein eine recht einseitige Landnutzung, und darüber habe ich mir Gedanken gemacht“, erklärt Lischke ihre Bilderfolge. In den unterschiedlichsten Techniken und ihren Kombinationen zeigen die übrigen 15 Künstlerinnen ihre Beobachtungen und Empfindungen bei den aktuellen Veränderungen der Landschaften um uns herum — sei es im Alltagsraum, sei es bei Urlaubsreisen.