Von einer Ruine zu einem modernen Wohnhaus

Von einer Ruine zu einem modernen Wohnhaus

Das Gebäude auf der Corneliusstraße 4 hat eine Verwandlung durchgemacht. Zum Tag der Architektur zeigt Modeschöpferin Uschi Blersch ihr Heim.

Zwei Reihen von Fotos aus einem herunter gekommenem Hinterhof stimmen die Besucher an der Corneliusstraße 4 auf die Architektur ein. Da sieht man Gebäude, von denen nicht viel mehr als die Außenwände teils mit leeren Fensteröffnungen und teils mit Fensterrahmen von gewerblich genutzten Räumen stehen. Dächer eines zweigeschossigen Baus existieren nicht mehr.

Foto: Lothar Strücken

Hat man sich vorher von der Straße die Front des Haupthauses mit allen Säulen und Ziergiebeln genauer angeschaut, fragt man sich, in welcher Beziehung diese ruinöse Architektur zu dem prachtvollen Vorderhaus stehen mag.

Folgt man dem langen Hausflur nach hinten, gelangt man in modern gestaltete Gebäude und Räume. An in ihnen erkennt man die markanten Fenster wieder, die man zuvor auf den Fotos gesehen hat. Das Gebäude scheint eine Erneuerung erfahren zu haben, ahnt der Besucher, der sich am Tag der Architektur hier auf Entdeckungsreise begibt. Das langgestreckte Hinterhaus ist ein modernes, großzügig angelegtes Wohnhaus geworden. Vom Wohnzimmer geht es übergangslos in eine große offene Küche. Auf der linken Seite hat man eine alte Backsteinwand herausgeputzt, die sich in den Innenhof fortsetzt. Dort folgt eine Verlängerung des Wohn-/Küchenraumes mit einem Gartenzimmer samt plätscherndem Brunnen sowie als Abschluss einem erhöhten Bereich, einer Art überdachten Bühne.

Den Ruinen der einstigen Gewerbebauten hat Architekt Marc Zimmer in den Jahren 2015 bis 2017 neues Leben eingehaucht. „Ich bin megadankbar, dass ich diese Bauherren hatte, mit so viel Fähigkeiten zum Gestalten. Solche Bauherren wird man nicht wiederkriegen“, schwärmt der Architekt, der die Anregungen und Wünsche seiner Auftraggeber umsetzen durfte. Da sollte aus der ursprünglichen Seidenweberei und Krawattenherstellung im Hinterhof, nach einer vorübergehenden Nutzung als Auktionshaus „Christ“ und folgendem Leerstand ein Wohnbereich für zwei oder drei Parteien werden.

Mit der Modeschöpferin Uschi Blersch, die im Februar dieses Jahres in das wieder hergestellte Werksgebäude am Ende des Innenhofs einzog, wird sogar die Tradition des Textilgewerbes wieder fortgesetzt. „Weltgewand-t“ lautet der Name ihres Ateliers. Die Farben ihrer Mode passen zur Architektur des Raumes. Wichtig ist der Fachfrau, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt und dann noch ein Designstudium darauf gesetzt hat, trotz aller Begeisterung für ihren schönen Arbeitsplatz, ebenfalls die Verbindung mit der Natur.

So hat sie auch schon ihren Teil des Innenhofgartens mit bunten Stauden bepflanzt und sich eine gemütliche Ecke draußen vor dem Atelier geschaffen. Die Grundlagen für die Innenhofgestaltung stammt auch vom Architekten. „Ich habe einen Tante Emma-Garten für drei Parteien geschaffen. Und das auch mit klaren Kompetenzen. Ich weiß aus Erfahrung, wenn man die nicht gleich verteilt, verfällt der Garten und verwuchert schnell.“