Ungewöhnliche Klänge hallen durch den Saal

Ungewöhnliche Klänge hallen durch den Saal

Das Theater am Marienplatz zeigt das Instrumentalstück „Spielplan“ von Mauricio Kagel.

Es quietscht, es tropft, es schwingt, es vibriert — Klänge vielfältigster Art sind wieder einmal im Fischelner Theater am Marienplatz (Tam) zu hören. Das Team um Pit Therre wird sich eine ganze Spielzeit lang Kompositionen und Stücken von Mauricio Kagel (1931-2008) widmen, dessen Todestag sich am 18. September zum neunten Mal jährt. Zum Auftakt gab es jetzt im Werkraum des Tam das Stück „Spielplan“ — einen Teil des größeren Werks „Staatstheater“, das 1971 in Hamburg uraufgeführt wurde.

Die „Instrumentalmusik in Aktion“ wird von Therre, Gereon Bründt und Stefan Hölker ausgeführt. Die Instrumente wurden von Kagel eigens für das Stück entworfen, im Tam gehören sie zum Fundus. Das ist kein Wunder in diesem Haus, das so häufig Kagel-Werke aufführte, dass der gebürtige Argentinier oft aus seiner Wahlheimat Köln nach Fischeln kam.

„Spielplan“ besteht aus 16 Stücken. Sie alle haben sprechende Titel, die nicht selten ironische Bezüge zur Aktion und/oder zum bespielten Klangkörper herstellen. Da gibt es etwa mit einem aus einem Klavier gelösten Saitenrahmen wenigstens noch den Kern eines herkömmlichen Instruments. „Damals“ heißt hier der auf eine Vergangenheit verweisende Titel, die Akteure entlocken den Saiten nicht mit Tasten, sondern mit Schlegeln, Kugeln, aber auch Papierblättern ungewöhnliche Klänge.

Faszinierend ist der Wassertrommler, ein Glaskasten mit zwei Etagen. In der oberen steht Wasser, das über mehrere Rohre, die man öffnen und verschließen kann, in die untere Etage gelangen kann. Rinnsale, Tropfen oder Strahlgüsse treffen unten auf Papp- und Plastikschachteln, Blechdosen und andere Gegenstände mit jeweils ganz eigenem Sound. „Nachts“ heißt das Stück für dieses Instrument, bei dem man an unruhigen Schlaf in einer Regennacht denkt.

Es gibt in „Spielplan“ viele zarte Passagen, selten erzeugen die Akteure mal ein Fortissimo. Das tun sie aber auf drei Ratschen-Maschinen mit jeweils vier Einzelratschen gleich so heftig, dass man sich unwillkürlich die Ohren zuhält. „Propaganda“ heißt hier der im wahren Wortsinn sinnfällige Titel. Weitere Instrumente sind unter anderem das Tischgummiphon, Nagelbretter, eine Blatt-Kurbel, eine Schienenwippe oder ein Stabschwinger. Das Tam-Ensemble erschafft mit diesen ungewöhnlichen Klangerzeugern einen kurzweiligen Abend zum Staunen.

“ Weitere Aufführungen sind am 15., 22. und 29. September, jeweils ab 22 Uhr.

Mehr von Westdeutsche Zeitung