Unbekannte Komponisten beim Serenadenkonzert auf Burg Linn

Serenadenkonzert : Ohr für unbekannte Komponisten

Kurzfristige Programmänderungen gab es durch das Trio Image beim Serenadenkonzert auf der Burg Linn.  

Bei seiner Begrüßung dankte der Cellist Thomas Kaufmann besonders dem Organisator der Serenadenkonzerte auf Burg Linn, Jürgen Eichendorf, für seine Flexibilität für kurzfristige Programmänderungen. Das Trio Image, zu dem noch Gergana Gergova (Violine) und als Mann am Klavier Pavlin Nechev gehören, hatte mehrfach das ursprünglich vorgesehene Programm geändert.

Die vorgesehenen Komponisten Ernst Krenek und Peter Kerkelov, die sich nicht gerade großer Bekanntheit erfreuen, waren vermutlich der Grund, weshalb die Serenade am vergangenen Freitag nicht wie üblich sehr gut besucht war. Eine gewisse Anordnung der Stühle ist dafür – auch ohne nachzuzählen – ein Indiz, außerdem blieben trotzdem noch zahlreiche Sitzgelegenheiten ungenutzt.

Die Daheimgebliebenen, so kann man aus der Begeisterung des Publikums mühelos interpretieren, haben etwas verpasst. Der Mut, die Offenheit, auch einmal unbekannten Komponisten und ihren Werken sein Ohr zu leihen, wurde wahrlich belohnt!

Vermutlich wurde das Stück
in 100 Jahren nicht gespielt

Da machte der Cellist schon in seiner Begrüßung darauf aufmerksam: „Sie erleben eine Art Uraufführung! Ich weiß nicht, ob das Stück von Fall in den letzten hundert Jahren schon einmal öffentlich gespielt wurde.“

Aber bei der Vorliebe für Änderungen hatte das Trio sein Programm in der Reihenfolge umgestellt und begann mit dem zeitgenössischen bulgarischen Komponisten Marek Diakov (*1976) und seiner „Perperikoana“ für Violine, Violoncello und Klavier (2014), die dieser dem Trio Image gewidmet hat. Mit der Geigerin und dem Pianisten, die beide Landsleute von ihm sind, und dem österreichischen Cellisten verbinden ihn Freundschaft und Wertschätzung.

Verhaltene Jazzklänge auf dem Flügel leiten das Stück ein. Dann folgt eine klagende Geigenstimme und das Cello kommt nicht minder melancholisch hinzu. Man erkennt Folklore vom Balkan – konkret aus Bulgarien.

Eine spannende Musik entwickelt sich. Wie wunderbar sich Weltmusik vom Balkan sowie Blues und schließlich noch Elemente der klassischen Musik verbinden lassen, präsentiert das Trio Image und schafft somit dem Publikum ein wohltönendes Aha-Erlebnis.

Dazu kommt sein sehr homogenes Spiel und eine sichtliche Freude am musikalischen Dialog. Nur schade, dass Marek Diakov so wenig Wiederholungszeichen eingebaut hat – das Stück dauert gerade einmal zehn Minuten!

Aber das nächste Aha-Erlebnis samt vermutlicher Premiere für mehr als nur Krefeld ist das Klaviertrio a-Moll op. 4 des mährischen Komponisten Siegfried Fall (1877-1943). Eine Musik erklingt, die in die Spätromantik einzuordnen wäre.

Das Trio Image präsentiert sie in einem feinfühligen Dialog, entwickelt dann ein Spiel voller Spannungsbögen und schnellen, aber harmonischen Wechseln zwischen energisch vorgetragenen virtuosen Passagen und dann wieder lyrischen Abschnitten. Das Publikum ist derart begeistert, dass es einen Zwischenapplaus nach dem ersten Satz nicht unterdrücken mag.

Das Adagio mit seinem verträumten und tänzerischen Beginn lädt zum Schwelgen ein, ist zum Dahinschmelzen geeignet. Den dritten Satz, ein Rondo Allegro, starten sie keck und heiter und enden mit einem Allegro, das als temperamentvolles Presto interpretiert wird.

Als Kontrastprogramm bieten die drei in der zweiten Hälfte des Konzerts das Klaviertrio f-Moll op. 65 von Antonin Dvorak (1841-1904). Dem Allegro ma non troppo kann man die Bezeichnung „maestoso“ geben, ein monumentales Klanggebäude entsteht.

Zart und volksliedhaft gestalten sie das Poco adagio und geben dem Finale, einem Allegro con brio so richtig Feuer und Temperamentsausbrüche. Nach endlos erscheinendem Applaus lassen sie sich doch noch eine Zugabe entlocken und sie wählen einen ruhigen Satz von Dvorak aus Ausklang.

Eine musikalische Entdeckungsreise vom Feinsten – in Auswahl und Interpretation – war diese Serenade vom ersten bis letzten Ton!

Mehr von Westdeutsche Zeitung