Konzert: Überraschendes vom Bass

Konzert: Überraschendes vom Bass

Das Trio Kontra zeigt im Rittersaal der Burg Linn Ausdrucksstärke, Energie und ein wunderbares Zusammenspiel.

Krefeld. Die Atmosphäre im Rittersaal der Burg Linn gefiel den musizierenden Gästen. „Bei dem schönen Ambiente machen wir es auch persönlicher“, kündigte der Pianist Georg Michael Grau an, „und wir führen Sie durch das Konzert!“ Dabei wies er gleich auf das häufige Problem des Trios Kontra hin, dass das Repertoire für die Besetzung mit einem Kontrabass anstelle des üblichen Violoncellos deutliche Grenzen habe.

So musste das Ensemble schon sein erstes Stück im Programm, die Sonate in c-Moll von Johann Sebastian Bach (BWV 1024), umschreiben. Die Geigenstimme blieb, aber den Basso continuo teilten sie auf: „Eine Stimme für Andreas und eine Stimme für mich“. So kam für Johanna Pichlmair (Violine), Andreas Ehelebe (Kontrabass) und Georg Michael Grau am Flügel eine passende Komposition zustande.

Im einleitenden Adagio kann das Publikum den besonderen Klang einer historischen Violine gleich erleben. Die junge Geigerin hat als Preisträgerin des Wettbewerbs des Deutschen Musikinstrumentenfonds ein Instrument aus der Werkstatt von Joseph Guarneri Filius Andreae von 1735 zur Verfügung gestellt bekommen. Auf diesem Instrument hätte auch schon Bach seine Sonate hören können. Im vierten Satz, einem Vivace, können die beiden Streicher ihre Virtuosität besonders gut herausstellen.

Der Mann am Klavier soll in diesem Konzert dagegen deutlich weniger die Chance bekommen, sein solistisches Können herauszustellen. Oft bleibt für ihn nur der Part eines perfekten Begleiters.

Als Einführung in das Duo concertante für Violine und Kontrabass von Krzysztof Penderecki (geschrieben 2011) kündigt die Geigerin ein Stück voller virtuoser Effekte an. Die beiden begeistern dabei mit ihren kecken bis energischen Dialogen, die ein wunderbares Zusammenspiel zeigen.

Ungeahntes bringt das Duo concertante von Giovanni Bottessini (1821-1889). Schon der Komponist galt zu seiner Zeit als der „Paganini des Kontrabasses“, und so ist es ein exquisiter Hörgenuss, Ehelebe als einen jungen zeitgenössischen Nachfolger zu erleben.

Auch die Möglichkeiten eines Kontrabasses hört man nicht alle Tage. „Bass kann mehr als Geschrummel in den unteren Lagen“, kündigt er an. Mit spritzigen Läufen und gefühlvollen Melodien, einem Belcanto feinster italienischer Opernliteratur, kann er sich auf dem großen Streichinstrument auch solistisch hervortun. Pichlmair liefert mit der Geige eine herrliche zweite Stimme, manche Melodie hat das Potenzial zum Ohrwurm und lässt unbeschwerte italienische Atmosphäre entstehen.

Doch auch Schwermütiges, Trauriges und Dramatisches versteht das Trio bestens abgestimmt und ausdrucksstark zu präsentieren, wie es die drei mit dem Trio élégique Nr. 1 in g-Moll von Sergej Rachmaninoff beweisen. Wie schön, dass sie jedoch mit einem temperamentvollen leidenschaftlichen Spiel ihr Konzert beenden. Die vier Jahreszeiten — Las Cuatro Estanciones Portenas — von Astor Piazzolla sind nach einem Programm voller Höhepunkte der musikalische Gipfel und zeigen noch einmal die herausragende Homogenität des Trios. Mit einem beschwingten Marsch von Fritz Kreisler als Zugabe entlassen die drei schließlich das Publikum.