TV-Kommissar Overbeck liest Krimis in der Kufa

Lesung : TV-Kommissar Overbeck liest Krimis in der Kufa

Interview Seit Jahren löst Roland Jankowsky Kriminalfälle vor der Kamera – jetzt kommt er mit Kurzgeschichten nach Krefeld.

Schräg und kriminell – so ist Roland Jankowsky seinen Fans aus der ZDF-Krimireihe „Wilsberg“ bekannt. Seit mehr als 20 Jahren spielt er den Kommissar Overbeck und wurde im vergangenen Jahr zum „Coolsten TV-Kommissar Deutschlands“ gewählt. Neben anderen Prominenten wie Andrea Sawatzki oder Stefan Jürgens tritt Jankowsky in der neuen Veranstaltungsreihe „TV-Kommissare lesen...“ der Kulturfabrik auf. Wer steckt hinter dem TV-Kommissar? Die WZ hat mit Roland Jankowsky gesprochen.

Herr Jankowsky, Sie sind Schauspieler, Sänger und Hörbuchsprecher – was machen Sie davon am liebsten?

Roland Jankowsky: Ursprünglich komme ich vom Theater, das ist auch immer noch etwas ganz Besonderes. Wenn ich dagegen Krimi-Lesungen mache, muss ich „nur“ ablesen. Zwar sitze ich und mache alles mit Gestik und Mimik, aber dabei schlüpfe ich in bis zu zehn verschiedenen Rollen und spreche unterschiedliche Dialekte. Im Gegensatz zum Drehen ist auf einer Theaterbühne alles live. Dort hat man auch einen ganz direkten Kontakt zum Publikum. Wenn ich an die Lesungen denke, sind die am ehesten noch ein Ersatz für das Theater.

Als Krimi-Schauspieler und jetzt auch -Leser ist der Krimi ein großer Teil ihres Lebens – wie fing das an?

Jankowsky: 1997 bekam ich zwei Angebote: Erst eine Mini-Rolle in einem Kriminalfilm, damals als Einzelfilm geplant, nämlich „Wilsberg“. Da waren es erst nur drei Sätze, die ich sprechen durfte. Und das andere war die Krankenhaus-Sitcom „Nikola“ auf RTL, da hatte ich zunächst gar keinen Text. Und aus kleinen Rollenangeboten wurden neun Jahre „Nikola“ und 20 Jahre „Wilsberg“.

Welche Literatur lesen Sie in Ihrer Freizeit?

Jankowsky: Privat lese ich auch gerne Krimis, vor allem skandinavische Autoren, auch den deutschen Autor mit dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec mit seinen Kommissar-Dupin-Krimis. Die lese ich auch gerne, weil ich seit vielen Jahren einen Bezug zur Bretagne habe. Als Zwölfjähriger bin ich mit meinem Papa mit dem Fahrrad durch Frankreich gefahren. Seitdem mag ich das und genieße es einfach, wie „Bannalec“ das beschreibt. Er saugt einen richtig rein in diese Landschaft. Ähnlich ist es bei den skandinavischen Autoren, die aber mitunter etwas blutiger sind, spannender, abgründiger.

Können Sie sich an Ihren ersten Krimi erinnern?

Jankowsky: Edgar Wallace und Agatha Christie – die Bücher habe ich verschlungen. Und wenn man dann auf dem Sender „hier spricht Edgar Wallace“ hörte, war das schon spannend. Wenn ich heute an einer alten Buchhandlung vorbeigehe und die Bücher sehe, dann juckt es jedes Mal in den Fingern, noch eins zu kaufen. Ganz früher war es natürlich auch so was wie die „Fünf Freunde“, die kann man zwar nicht als richtige Krimis bezeichnen, aber das waren die ersten Erfahrungen mit kriminalistischen Geschichten.

Was gefällt Ihnen so an diesem Thema?

Jankowsky: Vor etwa zwei Jahren habe ich auf Krimifestivals auch Texte von Arne Dahl gelesen und ihn dabei privat kennengelernt. Ein ganz netter Typ, ich fand, das passte irgendwie so gar nicht zu diesen mitunter abgründigen, sehr blutigen Geschichten, die er schreibt. Da habe ich ihn gefragt, wie das zusammen geht und er antwortete: „Bei mir ist das Blut immer schon getrocknet.“ (lacht) Ich finde, das trifft es ganz gut. Es ist düster und vielleicht wird auch einen Hauch zu viel gemordet. Aber es ist eben nicht dieses splattermäßige, dass es spritzt und sprudelt.

Nun lesen Sie auf der Bühne Shortstories – wie kam es dazu?

Jankowsky: Die Lesungen mache ich schon seit mehr als sechs Jahren. Damals war es als Überraschung zum Gießener Krimi-Festival geplant. Dort sollte ich mit meiner Filmchefin Rita Russek auftreten, die aber kurz vorher erkrankte. Dadurch bin ich dann komplett eingesprungen und hab das anscheinend so gut gemacht, dass der Veranstalter mich seitdem regelmäßig bucht. Seit vielen Jahren lese ich auch beim bundesweiten Vorlesetag, organisiert von der Stiftung Lesen und der Wochenzeitung Die Zeit. Da lese ich ehrenamtlich, wie viele andere Prominente, Kindern an Grundschulen oder in Krankenhäusern etwas vor. Damit soll das Lesen wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Wie entstand die Auswahl der Geschichten?

Jankowsky: Die Kurzgeschichten stammen von vielen unterschiedlichen Autoren aus Anthologien. Mittlerweile habe ich vier Lesungsreihen, und diese schrägen Geschichten machen mir großen Spaß. Mir gefällt, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Da kann auch mal ein Kopf rollen und das Blut tropfen, aber im gleichen Augenblick schlagen sich die Leute vor Lachen auf die Schenkel. (lacht) Es ist eine Gratwanderung – immer überraschend und humoresk. Aber es sind eben auch kriminelle Geschichten, da wird gemordet und gestorben, immer wieder mit überraschenden Wendungen. Wenn der Killer zum Beispiel eine Leiche verbuddeln will, sie aber nicht loswird, weil ihm jemand ständig dazwischenfunkt. Und dann bollert die Leiche im Kofferraum und er regt sich darüber auf. Und auch nicht jede Kugel trifft den Richtigen. Das sind eben Alltagsprobleme eines Killers. Mitunter biegen sich die Leute vor Lachen. Mir macht es großen Spaß, das zu lesen und die Zuschauer auf die falsche Fährte zu führen.

Zurück zum Lesen: Wie wurde aus den Shortstories das Buch, dass Sie nun herausgebracht haben?

Jankowsky: Viele der Bücher, die ich anfangs gelesen habe, waren irgendwann nicht mehr lieferbar. Da habe ich dem mir bekannten Verlagsleiter und Autor Ralf Kramp gesagt, er möge diese Bücher doch wieder auflegen. Aber er machte den Vorschlag, ich solle dieses Buch doch zusammenstellen und als Herausgeber fungieren. So ist das Buch entstanden: „Waffe weg! Over...!“ Es sind die besten Geschichten aus meinen ersten beiden Lesungsreihen.

Vom TV-Kommissar zum Vorleser – können Sie sich vorstellen, mit Overbeck Schluss zu machen?

Jankowsky: Die Rolle des schrägen Kommissars lieben die Leute. Sie hat sich in 20 Jahren enorm entwickelt. Das liegt auch daran, dass sich die Rolle des Overbeck immer wieder verändert. In der Folge „Minus 196°“ darf er beispielsweise mal eine Emotionalität zeigen, die ich so noch nicht einbringen konnte. Die Rolle ist eben noch nicht auserzählt.