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Thomas Hoeps: „Kein High-Class-Talentschuppen werden“

Literatur in Krefeld : Literaturhaus will sich stärker öffnen

Thomas Hoeps ist neuer Leiter des Niederrheinischen Literaturhauses. Er verrät uns, was er für die städtische Institution plant.

Wer könnte ein geeigneterer Leiter für das Niederrheinische Literaturhaus sein als ein Schriftsteller, der zeitgleich große Erfahrung auf dem Gebiet der Kulturverwaltung besitzt? Zweifelsohne hilft es zudem, wenn derjenige auch noch gut lokal vernetzt ist und dennoch die Perspektive nicht an der Stadtgrenze aufhört, sondern auch Blicke über den Tellerrand realistisch scheinen. Nein, so jemanden muss man sich als Stadt nicht erst backen, tatsächlich vereint der neue Leiter, Thomas Hoeps, viele Eigenschaften, die Gutes für die zukünftige Leitung des Literaturhauses versprechen. Nun, seit 15. Dezember 2020 hat er seine 30 Stunden Stelle angetreten.

Hoeps war Leiter des Kulturbüros in Mönchengladbach

Der 1966 in Krefeld geborene studierte Germanist und Informationswissenschaftler, der über das sonderbare Thema „Terrorismus in deutschen Romanen und Erzählungen“ promovierte, ist nicht nur ein wohlbekannter Krimi-Autor, dieses Faible scheint schon in der Dissertation angelegt, sondern war auch von 2004 bis 2019 Leiter des städtischen Kulturbüros Mönchengladbach. Übrigens, kennt man ihn heute tatsächlich als im Genre „Krimi“ beheimatet – zuletzt erschien in der Kooperation mit dem Niederländer Jac. Toes „Die Cannabis-Connection“ im Unionsverlag –, so verrät seine Vita, dass seine erste Buchveröffentlichung ein Band mit Lyrik und Kurzprosa war. 1994 unter dem Titel „gib dem onkel die hand (die schöne!)“. Sein Debütroman war „Pfeifer bricht aus“ und tatsächlich erst seit 2006 schreibt er Krimis, oft gemeinsam mit Toes. „Hoeps und Toes sind das vermutlich erste inter­na­tio­nale Autoren-Team, das die Sprachgrenzen überschreitend gemeinsam einen Kriminalroman veröffentlichte“, heißt es selbstbewusst in seiner Vita. Auch diese Perspektive ist eine gute für die Zukunft des Literaturhauses – sich um die nahe „Nachbarschaft“ bewusst zu sein.

Der Krefelder kennt die Kulturszene in Krefeld bestens. Man könnte fast verführt sein zu schreiben, wie seine Westentasche – auch noch unter anderem aus Zeiten, als er etwa als freier Kulturjournalist für die WZ arbeitete oder Redakteur des Monatsmagazins „Krefelder Stadtkultur“ war. Das indes noch im vergangenen Jahrtausend. Hatte er sich zuletzt auch auf Mönchengladbacher Terrain spezialisiert.

Hoeps, er lebt in Krefeld, war aber auch als Literaturveranstalter aktiv, organisierte, vernetzte und wird dies zukünftig als Leiter des Literaturbüros auch tun. „Die Leidenschaft ist bei mir immer für beides dagewesen; für das Konzeptionieren, aber auch für das Schreiben“, verrät Hoeps am Telefon. Spricht man mit ihm, so trifft man auf einen sehr wachen und durchaus auf den Punkt denkenden Geist; auch etwas, was nicht gerade von Nachteil ist, wenn man sich um die weitere Entwicklung einer Literatur-Szene in Krefeld, als dessen Ankerpunkt das Haus an der Gutenbergstraße fungieren sollte, bemüht.

Hoeps hat sich „drei Dinge auf die Fahnen geschrieben“, wenn es um die Entwicklung des Literaturhauses und dessen Aufgaben geht. Als Erstes nennt er „Aufbau und Förderung einer aktiven literarischen Szene“. Es sei wieder an der Zeit, bekräftigt er, dass man wieder beginne, die Talente vor Ort zu fördern. Dies durchaus auch mit einem „Blick auf den Niederrhein“, aber Hoeps möchte auch klarstellen: „Wir sitzen in Krefeld und hier muss das Zentrum sein“.

„Das Zweite ist, dass ich gerne die Literatur noch stärker in die Stadt hineintragen möchte“, sagt der neue Leiter der städtischen Einrichtung, die unter der Verantwortung des Kulturbüros geführt wird. Dies gehe über Veranstaltungen, die Literatur zu den Menschen bringe und nicht die Menschen immer nur zu sich holt. Dabei denkt Hoeps mehr auch an Off-Räume, den kulturellen „Humus“ der Stadt. Literatur immer nur lediglich im Kontext von Hochkultur zu denken, sei falsch. Und er propagiert auch eine Abbildung einer bunten Diversität. In diesem Bereich gehöre für ihn auch, wie es um die Geschlechtergerechtigkeit bestellt sei. „Wir leben in einer sehr diversen Gesellschaft, und Literatur hat die Stärke, dass sie einerseits ungeheure Fantasiewelten entwickeln kann, andererseits aber in einer ganz eigenen tiefen Dimension über Gesellschaft reflektieren kann“, sagt Hoeps. „Das war immer sehr stark mein persönliches Interesse.“

Zu seinen Ideen gehört auch, Literatur an überraschende Stellen in die Stadt zu bringen, sie in das Stadtbild zu integrieren. Und natürlich sei es notwendig, dass das Literaturhaus „digitaler wird“. Facebook, Instagram und Co. – das seien Handwerkszeuge, die sehr wichtig sind für eine zeitgemäße Kommunikation.

Drittens möchte Hoeps so gestalten, dass das Niederrheinische Literaturhaus „auch in den Niederrhein hinaus­strahlt.“ Und umgekehrt interessante Menschen aus dem Niederrhein nach Krefeld holt. Es geht um die Pflege einer regionalen Vernetzung. „Literaturhaus soll auch vermitteln, aber mir geht es auch um die Stärkung der Produktion.“ „Dabei dürfen wir kein High-Class-Talentschuppen werden“, sagt Hoeps. Und was macht die Niederrheinische Literatur-Szene aus? „Sie scheint mir im Augenblick klein und heterogen“ sagt Hoeps. Aber: „Es gibt keinen niederrheinischen Stil“.

Die Ziele sind definiert. Die Maßnahmen müsse man nun entwickeln, erläutert Hoeps im Gespräch mit der WZ. Klar sei etwa, dass der „Literarische Sommer“ weiterlaufe. Um diesen Prozess der Entwicklung noch besser gestalten zu können, wurde ein Volontariat ausgeschrieben. „Ich bin jetzt dabei, die Vorauswahl für die Gespräche zu treffen“, sagt Hoeps. Ein wesentliches Ziel wird sein, mit dem Volontär gerade die Verbindungen zur Jugend zu entwickeln: „Wo können wir Workshops machen? Wie kommen wir an Menschen heran, für die das Literaturhaus bisher etwas Fremdes war?“. Zugleich soll das Haus auch ein Ort sein, an dem sich „Szene zusammenfinden“ könne. Natürlich alles vorausgesetzt, die Coronasituation lässt dies zu – aber da lohnt durchaus ein optimistischer Blick nach vorne.

Einer der nächsten zentralen Schritte wird dann sein, online zu gehen, so Hoeps. Und es gebe zwei Projekte, über die er aber noch nichts verraten möchte. Eines davon noch vor dem „Literarischen Sommer“. Zudem versichert Hoeps, dass er weiterhin eng mit dem Verein „Literatur in Krefeld“ zusammenarbeiten wolle.