Konzert: Thees Uhlmann: Das Publikum ist sofort dabei

Konzert: Thees Uhlmann: Das Publikum ist sofort dabei

Thees Uhlmann bringt die Fans in der ausverkauften Kulturfabrik zum Mitsingen, Tanzen, lachen aber auch Nachdenken.

Krefeld. Thees Uhlmann und seine Band brauchen nur wenige Takte, um das Eis beim Publikum zu brechen. Ab dem ersten Song klatschen, singen und tanzen die Besucher in der ausverkauften Kulturfabrik mit. So begann am Samstag ein gelungenes Konzert des Indie-Rockers Uhlmann.

Bevor der Norddeutsche die Bühne betritt, versucht die Vorband „Torpus & The Art Directors“ für Stimmung zu sorgen. Geschwächt durch eine einwöchige Straßenmusiktour gelingt es der fraglos talentierten Folk-Formation nicht den Funken auf die Zuhörer überspringen zu lassen.

Dafür leisten Uhlmann und seine Musiker ganze Arbeit. Vornehmlich spielen sie Songs aus den beiden Solo-Alben des 41-jährigen, die Platz Vier und Zwei in den Charts erreichten. Seit 2011 ist Uhlmann als Solo-Künstler unterwegs.

Zuvor hatte sich seine Band Tomte zu einer Pause entschlossen. Dem Krefelder Publikum präsentiert sich der Rocker als begnadeter Live-Musiker. Exzessiv tanzt er mal mit mal ohne Gitarre über die Bühne. Mit sichtlicher Freude heizt er dem Publikum ein.

Zwischen den Titeln beweist Uhlmann komödiantisches Potenzial. Er erzählt heitere Anekdoten aus seinem Leben, scherzt über seine Frisur und seinen Tanzstil. Auch für Krefeld hat er eine kleine Spitze in petto: „Das ist der einzige Ort, den ich kenne, wo es in der Innenstadt keinen Supermarkt dafür aber zwei Weinhändler direkt nebeneinander gibt.“

Teilweise stimmt Uhlmann zwischen seinen Songs nachdenkliche Töne an. Er kritisiert, dass sich im Internet Polemik und Hass ausbreiten. So groß wie die Bandbreite seiner Anekdoten ist das inhaltliche Spektrum seiner Songs. Uhlmann macht nicht nur Musik, die bestens zum Mitgehen und Abrocken geeignet ist. Alle Titel des Singer-Songwriters erzählen eine Geschichte, bei der sich das Zuhören lohnt.

In „Hier komm´ ich her, hier bin ich geboren“ blickt Uhlmann augenzwinkernd auf seine Jugend auf dem Dorf in Friesland zurück: „Zwischen Schweinedisco, über Dörfer Fahrrad fahren, mit dem ständigen Wind, der von vorne kam.“ Später singt er eine Hommage an seine Mutter, wirft einen Blick auf die Eintönigkeit des Alltags und beweist sich als Rapper.

Besonders emotional wird es, als Uhlmann für zwei Songs alleine auf der Bühne steht. Ohne Bass und Schlagzeug sondern nur mit Akustikgitarre und seiner Stimme füllt er den Raum. Dabei covert er den Tote Hosen-Klassiker „Liebeslied“.

Zudem spielt er „Das hier ist Fußball“. Die getragene Stadionhymne über das Auf und Ab von Uhlmanns FC St. Pauli sorgt für Nordkurven-Romantik. Viele schwelgen mit ihrem Nebenmann in Erlebnissen mit dem eigenen Verein. Nach 14 Stücken ist das kurzweilige Konzert vorbei. Aber natürlich entlassen die Fans Uhlmann nicht ohne ausgiebige Zugabe.

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