1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Theater Krefeld zeigt Mein Kühlraum

Premiere : Die Poesie des Alltags

Das Theater Krefeld zeigt ab Samstag das Stück „Mein Kühlraum“ von Joël Pommerat, das in einem Supermarkt spielt.

Am Samstag, 15. Februar, feiert das Stück „Mein Kühlraum“ von Joël Pommerat am Theater Krefeld Premiere. Wir klären vorab einige Hintergründe und Informationen zu der neuen Produktion.

Wer ist der Autor? Joël Pommerat (Jahrgang 1963) zählt zu den bekanntesten Theatermachern Frankreichs. Mehrfach wurde er mit Preisen, darunter dem berühmten „Prix Molière“, ausgezeichnet. Vor 28 Jahren gründete er seine eigene Theatertruppe, für die er regelmäßig Stücke schreibt und zur Aufführung bringt. Inzwischen haben seine Werke auch an deutschen Bühnen eine große Popularität erreicht. Nach „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ bringt das Theater Krefeld Mönchengladbach jetzt mit „Der Kühlraum“ zum zweiten Mal ein Stück Pommerats heraus.

Wer inszeniert das Stück? Mit Gerhard Willert hat ein exzellenter Kenner des Autors die Regie übernommen. Willert hat Pommerat, mit dem er inzwischen eng befreundet ist, für die deutsche Theaterlandschaft entdeckt. „Mein Kühlraum“ hat er vor einigen Jahren am österreichischen Landestheater Linz als deutschsprachige Erstaufführung inszeniert. Dass er jetzt in Krefeld erneut die Regie führt, war so nicht geplant. Als der ursprünglich vorgesehene Regisseur Hüseyin Cirpici krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste, sprang Willert ein. Vier Wochen vor der Premiere ist das eine sportliche Leistung und wohl nur für einen guten Kenner des Stücks machbar gewesen.

Worum geht es in dem Stück? Wie auch in den anderen Stücken Pommerats kann man die Story nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Eine wichtige Rolle spielt bereits der Titel, der bei Pommerat immer am Beginn seines Schreibens schon feststeht. Er soll nicht vordergründig zugkräftig klingen, sondern bereits für eine erste Irritation sorgen. Auch bei „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ funktioniert das so. So unwahrscheinlich wie diese Wiedervereinigung ist auch das dauerhafte Funktionieren menschlicher Beziehungen. Im jetzigen Stück weist der Begriff „Kühlraum“ auf eine Arbeitswelt hin, der Zusatz „mein“ erschließt sich erst im Stück selbst.

Darin dreht sich alles um die Welt eines Supermarkts mit einem Chef und acht Angestellten. Als der Chef erfährt, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat, vermacht der den Supermarkt seinen Angestellten unter einer Bedingung: Sie müssen jedes Jahr einen Tag dem öffentlichen Andenken seiner Person widmen. Estelle, die gute Seele des Supermarktes, hat als einzige eine Idee. Sie will ein Theaterstück über das Leben ihres Chefs aufführen. Damit setzt sie eine Lawine von Dingen in Gang, die sie allmählich zu überfordern drohen. Sie holt sich Hilfe von einem nicht sehr umgänglichen Menschen, ihrem kleinen Bruder. Doch auf einmal ändert sich die Situation…

Was steckt hinter der Handlung? Was auf den ersten Blick etwas schräg klingt, lässt sich auch unter dem Begriff „Poesie des Alltags“ zusammenfassen. „Pommerat hat einen genauen, nicht ideologischen Blick auf die einfachen Dinge des Lebens“ sagt der Regisseur. Mit geringem Aufwand erzeugt der Autor eine besondere Atmosphäre und Dichte. Dabei wird der Zuschauer nicht durch zu viele Erklärungen „entmündigt“, sondern zum Denken angeregt.

Für Pommerat ist das Stück zugleich die Aufführung, der Text allein nur die schriftliche Spur. Dabei muss man genau hinhören, da die vielen feinen Zwischentöne es in sich haben. Denn hinter der merkwürdig banal klingenden Handlung geht es um ein dichtes Geflecht menschlicher Beziehungen mit persönlichen und existenziellen Problemen. Dabei baut sich immer mehr Druck auf, der sich auf unterschiedliche Weise entladen muss. Trotzdem durchzieht das Ganze auch eine gewisse Leichtigkeit, die ohne Pathos auskommt.

Wie ist die Struktur und die optische Umsetzung des Stücks? Das Stück ist sehr kleinteilig gegliedert. Vier Akte enthalten insgesamt fast sechzig Szenen, die manchmal nur aus wenigen Augenblicken bestehen. Die reine Spieldauer beträgt gut zwei Stunden, ungefähr in der Mitte gibt es eine Pause. Über die Bühne hat der Regisseur im Vorfeld noch nicht viel verraten. Entsprechend dem Aufblitzen und Abtauchen der Szenen wird der schwarze Raum eine gewisse Rolle spielen.

Als Spielsituation hatte Pommerat eigentlich eine Art Arena vorgesehen, bei der die Zuschauer im Kreis um die Spielfläche versammelt sind. Hier hat man sich für die vorgegebene klassische Variante aus Bühne und Zuschauerraum entschieden. Laut Regisseur soll das genauso gut funktionieren. Ob dem so ist, kann man am Samstagabend selbst ausprobieren.