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Eine Oper wird zum Science-Fiction-Film : Die Königin der Nacht mutiert zu Darth Vader

Regisseur Kobie van Rensburg hat es wieder getan: Per Video landet Mozarts „Die Zauberflöte“ in einer Science-Fiction-Welt.

Zwei Stormtrooper in ihren weißen Kostümen patrouillieren durch die Foyers, stimmen das Publikum bereits auf den Popkultur-Mix ein, bevor sich der Vorhang hebt. Schon bei Mozart spielte „Die Zauberflöte“ in einer fantastischen Welt. Ägyptische Zutaten und Elemente aus dem Gedankengut der Freimaurer rückten den Stoff in exotische Ferne. Diese Entrückung mit zeitgenössischem Mythen-Stoff neu zu tapezieren, ist ein cleverer Schachzug. Wiedererkennungseffekte sorgen in dieser Inszenierung für Heiterkeit.

Dass Mozarts Oper vor allem wegen ihrer unsterblich schönen Musik die Zeiten nicht nur überdauert hat, sondern zu einer der beliebtesten Opern überhaupt wurde – geschenkt. Schon Mozarts Zeitgenossen haben wohl über viele Ungereimtheiten der Geschichte hinweggeblickt, und Regisseur van Rensburg erlaubt sich bei seiner Zusammenstellung auch viele Freiheiten.

Drei Kameras bringen die Schauspieler auf die Leinwand

Prinz Tamino (David Esteban) soll im Auftrag der Königin der Nacht deren Tochter Pamina (Sophie Witte) aus den Händen des Priesters Sarastro (Matthias Wippich) befreien. Der Vogelhändler Papageno (Rafael Bruck) wird Taminos lustiger Sidekick. Dass Sarastro am Ende gar nicht der Böse ist und dass die Darth-Vader-Mama und der Wärter Monostatos (Markus Heinrich) die wahren Schurken sind, gehört zu den Wendungen der sattsam bekannten Geschichte, die man nicht verstehen muss. Hauptsache bleibt ja: Die Guten siegen.

Über weite Strecken der Inszenierung filmen drei Kameras die realen Akteure, die vor blauen Wänden agieren. Auf einer Leinwand über ihren Köpfen werden vorbereitete Hintergründe und Animationen mit den Realbildern zum Film „Die Zauberflöte“ gemischt. Das Über- und Untereinander der Bildebenen ist nur kurz gewöhnungsbedürftig. Angenehmer ist es für das Auge trotzdem, wenn die Projektion eines Hintergrundes auf einem vorgehängten Gaze-Vorhang und das hinter dem halbdurchsichtigen Stoff agierende Ensemble zu einem Bild verschmelzen. Die Videos machen vieles möglich und ersparten den Kulissenbauern viel Arbeit (Bühnenbild: Steven Koop).

Man fliegt mit der Inszenierung durchs All, landet auf fremden Planeten und in nicht weniger exotisch anmutenden Räumen (Videos: van Rensburg). Dafür hatte die Kostümabteilung wesentlich mehr zu tun (Kostüme: ebenfalls van Rensburg). Die Königin der Nacht mutiert zwischendurch zu Darth Vader, Monostatos kommt als Sith-Lord Darth Maul auch mit aufwendiger Maske daher.

Sarastro ist eine Mischung aus Zauberer und König, wie er auch in „Der Herr der Ringe“ auftauchen könnte, einer seiner Priester darf wie der Star-Trek-Vulkanier Mr. Spock spitze Ohren tragen. Die große Gefolgschaft Sarastros tritt als Bruderschaft der Jedi-Ritter auf. Und die Musik? Ach ja. Die Niederrheinischen Sinfoniker agieren wie meist auf den Punkt, und Dirigent Diego Martin-Etxebarria ist es gelungen, das Klangbild zwischen kompakt und luftig changieren zu lassen. Stimmlich überzeugen zunächst einmal die Sopranistinnen. Gast Judith Spiesser gestaltet die Koloraturpassagen der Königin der Nacht mit souveräner Strahlkraft, während Sophie Witte als Tamina wieder einmal mit ihren herausragenden lyrischen Qualitäten mehr als überzeugt. Bei den Männern sind es Matthias Wippich als Sarastro mit seinem raumfüllenden Bass und Rafael Bruck als Papageno mit flexiblem Bariton, die die Tenöre in den Hintergrund drängen.

Vor allem von David Esteban als Tamino hätte man sich mehr versprochen, aber auch der Monostatos von Markus Heinrich bleibt stimmlich blass.