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Theater Krefeld und Mönchengladbach sucht neuen Ersten Kapellmeister

Musik : Das Theater sucht neuen Ersten Kapellmeister

Nach Diego Martin-Etxebarrias Weggang hat das Theater seine Stelle ausgeschrieben. Probedirigate der Bewerber kommen schon im Herbst.

Sie wollten immer schon einmal Erster Kapellmeister am Theater Krefeld und Mönchengladbach werden? Nun gäbe es dafür Gelegenheit. Gut, die Voraussetzungen, um diesen Job machen zu können, dürften die wenigsten von uns erfüllen, immerhin geht es hier darum Dirigent eines professionellen Orchesters, namentlich der Niederrheinischer Sinfoniker, zu sein. Und wie es sich in einer Stellenausschreibung seitens des Theaters liest, muss ein Kandidat neben einer umfassenden musikalischen Bildung, fundierte Praxiserfahrung und ein breitgefächertes Interesse (Neue Musik und Alte Musik) mitbringen, da er ohnehin als erster Kapellmeister sämtliche Kunstgattungen am Haus betreuen werde.

Aber die Ausschreibung ist ein schöner Anlass, um einige Fragen zu stellen, sie zu beantworten und vielleicht auch darüber nachzudenken, was der zukünftige erste Kapellmeister am Gemeinschaftstheater an Qualitäten mitbringen sollte.

Der neue Dirigent wird Stellvertreter Mihkel Kütsons

Zunächst, keine Sorge, bei dieser Stelle handelt es sich nicht um die des Generalmusikdirektors, die ja frisch verlängert von Mihkel Kütson besetzt ist. Jener, in der Position des GMD, so die geläufige Abkürzung, ist so etwas wie die erste Instanz, wenn es um die musikalische Leitung eines Hauses geht. Der Chefdirigent also, der die Fäden in der Hand hält und natürlich auch regelmäßig tüchtig selbst sein Orchester leitet. Indes handelt es sich bei dem ersten Kapellmeister um die Position seines Vertreters und eines Dirigenten, der viel „Dirigierarbeit“ am Haus zu leisten hat. Der verlässliche Mann am Pult, dem Opern- und Konzertarbeit ins Blut übergegangen ist und der die konsistente musikalische Qualität am Haus mittragend, viel Repertoire gestaltet, aber auch als Dirigent so mancher Premiere in den Fokus treten darf.

Derzeit vielleicht unter etwas speziellen Bedingungen wegen der Corona-Situation, doch irgendwann geht diese Zeit auch vorbei und die Stelle ist ohnehin für den Beginn der Spielzeit 2021/22 – genauer zum 19. August 2021 – ausgeschrieben.

Diego Martin-Etxebarria derzeitiger Erster Kapellmeister – er war seit 2016 am Haus und seit 2017 in dieser Position – verlässt Krefeld und Mönchengladbach, um in Chemnitz ebenfalls Erster Kapellmeister zu werden. Und um seine Nachfolge geht es.

Was man also von einem Ersten Kapellmeister in erster Linie erwarten darf, ist Verlässlichkeit im großen Hamsterrad des Opernbetriebs allerdings gepaart mit einer gewissen Frische, vielleicht jenem jugendlichen Elan, den jüngere Dirigenten mitbringen. Ein Gestaltungswille, der sich dann auch als zweiter Mann oder eben zweite Frau am Haus seinen Weg bahnt. Denn wer sagt, dass es nicht vielleicht eine Erste Kapellmeisterin werden könnte. Genügend positive Beispiele gibt es ja, wie am Haus mit Chordirektorin und Kapellmeisterin Maria Benyumova oder etwa unweit am Opernhaus Düsseldorf mit Marie Jacquot. An erster Stelle allerdings sollte immer die künstlerische Persönlichkeit stehen, die Qualität.

Klingt der Begriff Kapellmeister auch eher antiquiert – und in der Tat würde man ihn heute nicht kontextlos verwenden – so handelt es sich hierbei um eine traditionsreiche Bezeichnung für einen Orchesterleiter, also den Leiter einer Kapelle. Schließlich wurde aus dem Begriff eine feststehende Funktionsbezeichnung an Musiktheatern. „Erster Kapellmeister“ im Speziellen steht für eben jenen ersten Dirigenten in der nicht selten größeren Riege der Orchesterleiter, die vom Rang her unter dem Generalmusikdirektor stehen. In Krefeld und Mönchengladbach sind es namentlich, neben dem scheidenden Diego Martin-Etxebarria, Andreas Fellner, Yorgos Ziavras und Maria Benyumova. Schlussendlich aber ist Musiktheater heute mehr denn je Teamarbeit und Hierarchien sollten, wenn möglich und sinnvoll, hinterfragt werden. Aber da scheint es am Haus keine Probleme zu geben, hört man den Äußerungen etwa von GMD Kütson zu, der immer auch die Teamarbeit sehr zu betonen sucht.

Die Vordirigate finden wahrscheinlich im Herbst 2020 statt. Vermutlich noch unter besonderen Corona-Bedingungen. Man darf gespannt sein, wer mal bei der einen oder anderen Vorstellung vor den Niederrheinischen Sinfonikern stehen wird und sie durch einen Abend leitet. Einen „Vorteil“, wenn man so will, mag vielleicht die aktuelle Lage haben, um sich ein Bild von den Kandidaten machen zu können. Denn diese werden wahrscheinlich noch mittelfristig nicht im Orchestergraben, sondern wohl an „kreativen“ anderen Positionen, etwa hinter der Bühne samt Orchester die Musik zu Oper und Ballett dirigieren.

Und was würden wir uns wünschen, wenn wir dürften? Da, nach eigenem Bekunden, GMD und Niederrheinische Sinfoniker gerne zukünftig etwas bedachter mit historisch informierter Aufführungspraxis umgehen wollen, wäre es doch wunderbar, wenn sie dabei zusätzlich jemand unterstützen könnte, der sich in dieser Welt wohl fühlt. Ein Dirigent also, der vielleicht ohnehin schon Erfahrung damit hat etwa Mozart so zu spielen, dass es sowohl die Sehnsucht nach anschmiegsamem Schönklang als auch nach historischer Korrektheit befriedigt. Keinen Spezialisten – das ist klar; aber einen, der spürt, welche interpretatorische Schublade in welchem Fall sinnvollerweise gezogen werden muss. Und gerne Feinheiten aus dem Orchester lockt.