Theater Krefeld: Premiere von Tagebuch der Anne Frank in der Kritik

In Fabrik Heeder : Wechselhaft und berührend: Premiere für „Tagebuch der Anne Frank“

Das Theater Krefeld bringt „Das Tagebuch der Anne Frank“ auf die Bühne der Fabrik Heeder.

Die 13-jährige Anne führt das Leben eines normalen Teenagers, sie lacht gerne, trifft sich mit Freundinnen und hat bereits einige Verehrer. Doch sie vermisst eine wirkliche Freundin, der sie alles anvertrauen kann. Als sie zu ihrem 13. Geburtstag ein Tagebuch geschenkt bekommt, ist diese Freundin gefunden. Ihre geheimsten Gedanken schreibt sie fortan an ihre fiktive Freundin Kitty. Diese Aufzeichnungen werden als „Tagebuch der Anne Frank“ weltberühmt.

Der Stoff ist unzählige Male für Bühne und Film bearbeitet worden. Eine sehr dichte, kammerspielartige Fassung war jetzt als Produktion des Theaters Krefeld in der Fabrik Heeder zu erleben. Ulrich Cyan hat das Stück inszeniert, in einer Fassung, die er für die Burgfestspiele Bad Vilbel erstellt hat. In dem gut einstündigen Monodrama verkörpert Vera Maria Schmidt Anne Frank und lässt durch die Perspektive des jungen Mädchens auch die anderen Menschen um sie herum lebendig werden – die übrigen sieben Personen, mit denen Anne fast zwei Jahre das Versteck im Amsterdamer Hinterhaus teilt.

Auf der Bühne in der Fabrik Heeder wird die bedrückende Atmosphäre dieser Situation sehr eindringlich in Szene gesetzt (Ausstattung: Dorothea Mines). Eine Wand aus hölzernen Lagerpaletten zeigt die Begrenzung von der Außenwelt, macht mit der Durchlässigkeit aber auch den fragilen Zustand des Verstecks deutlich. Eine Reihe von schlichten Lampenfüßen mit Glühbirnen verbreitet eine nüchterne Stimmung, ermöglicht aber auch gute Lichtwechsel. Eine Holzpalette dient Anne immer wieder als eine Art Bühne, wo sie sich mit ihren Gedanken präsentieren kann. Weitere Requisiten gibt es nicht. Im Verlauf des Stücks verändert Anne ihre Kleidung, indem sie Rock und höhere Schuhe anzieht. Die Beobachtungen der durch die Pubertät bedingten Veränderungen in ihrem Körper nehmen wichtige Passagen in ihrem Tagebuch ein.

In den Beschreibungen des täglichen Zusammenlebens zeigt sich die zunehmend nervenaufreibende Situation im Versteck. Auch Annes Rebellion gegen die Eltern, vor allem gegen die Mutter, ist immer wieder Thema. Das Stück ist eine dichte Abfolge dieser verschiedenen Sequenzen, die oft von starkem Stimmungswechsel gekennzeichnet sind.

Schmidt holt Anne Frank
in die heutige Zeit

Vera Maria Schmidt verkörpert sehr glaubhaft das junge Mädchen mit all seinen Gedanken und Sehnsüchten. Sie zeigt auch die rebellische, freche Seite Anne Franks, agiert dabei manchmal ein wenig überdreht. Doch auf diese Weise holt sie mit ihrer Interpretation die Person Anne Frank auch ein gutes Stück in die heutige Zeit. Trotz des tragischen historischen Kontexts wird deutlich, dass das Thema von Anne Franks Tagebuch zeitlos ist.

So entsteht ein packender Abend, an dem auch die Musik (Clemens Gutjahr) einen starken Anteil hat. Dazu singt Anne immer wieder. Vom Popsong bis zum „Barlachlied“ von Wolf Biermann oder dem jüdischen Lied „Die Milastraße“ ist die Spannweite sehr breit – so wechselhaft wie die Emotionen der Anne Frank und so berührend wie ihr grausames Schicksal.

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