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Theater in der Fabrik Heeder: Von Heiner Müllers "Der Bau" bleibt nur ein Sack Zement

Theater in der Fabrik Heeder: Von Heiner Müllers "Der Bau" bleibt nur ein Sack Zement

Krefeld. Die Wahrheit über diesen Abend steht wohl im Philosophie-Lexikon: "Und keiner will der Kapitalist sein - Der ewige Maurer" heißt die neue Produktion des Theater Arbeit Duisburg (TAD), frei nach Heiner Müllers "Der Bau".

Aus dem "Bau" wird in der Fabrik Heeder ein ambitionierter Überbau, aus dem Theater aber eine mühsame Plackerei.

Schon Heiner Müllers Geschichte aus der Produktion ist eine sackschwere Reflexion auf den Einsatzwillen im Arbeitskollektiv, heute eigentlich nur noch zu lesen als Parabel auf die Versteinerung sozialistischer Hoffnungen.

Regisseur Markus Schlapper allerdings setzt auf einen Sack Zement anderthalb drauf und will aus dem Mörtel noch utopische Funken schlagen. Doch hier glimmt und glüht nichts mehr, hier staubt es allenfalls: Einzelne Momente, dort, wo der Abend sich ganz auf die sechs starken Schauspieler stützt, sind durchaus intensiv und bilderstark. Doch schnell legt sich wieder der Mehltau statuarischer Textaufsagerei darüber - und man meint selbst im Beton zu stehen.

Das ambitionierte Theater-Projekt bleibt ganz Schreibtisch, weil es das Theater nicht ernst nimmt. Partei-Lieder werden ungebrochen geschmettert, Arbeitskleidung angelegt, Müllers geröllige Sprache deklamiert - man ahnt den theoretischen Ansatz, sieht ihn aber nicht.
"Seh’n wir uns nicht in dieser Welt, dann seh’n wir uns in Bitterfeld", hieß ein ironischer Spruch in der DDR. Ähnlich schicksalsergeben unberührt verlässt man diese Vorstellung.