Theater Hintenlinks: Neuer Anlauf mit langem Atem

Das Theater bucht ab sofort auch Gastspiele — und setzt auf bekannte Gesichter.

Krefeld. Wer das neue Programmheft des Theaters Hintenlinks aufschlägt, der blickt in bekannte Gesichter: Ilja Richter, Disco-Vater der Nation, und Peter Sodann, langjähriger Tatort-Ermittler in Leipzig, kommen zu Gastspielen auf die kleine Bühne hinter dem Hauptbahnhof. Sie sind die Zugpferde der neuen Reihe „Gäste im THL“.

Anuschka und Peter Gutowski, die bislang fast nur Eigenproduktionen gezeigt haben, wollen künftig auch literarische Programme buchen. „Wir überlegen uns sehr genau, wen wir uns ins Haus holen“, versichert Peter Gutowski. „Und das werden keine Teilnehmer von ,Dingsbums sucht den Superstar’ sein.“ Auch den Bereich Comedy und Kabarett hält er für „abgedeckt“.

Das neue Konzept entstand — wie so vieles in dem finanziell klammen Theater — aus der Not heraus. Gutowski und seine Frau wollen sich selbst den ewigen Druck nehmen. „Wir brauchen mehr Zeit und Ruhe für unsere eigenen Projekte. Im Moment fühlen wir uns eher von Produktionszwängen getrieben.“ Zudem hoffen die Betreiber, über die Gastspiele vielleicht neue Besucher gewinnen zu können.

Neben Richter und Sodann, die aus ihren Autobiografien lesen, haben die Gutowskis auch weniger bekannte Kollegen engagiert: Der Schauspieler Wolfgang Hinze, der in den 50er Jahren am Theater Krefeld sein erstes Engagement hatte, spielt alle Männerrollen aus Schillers „Don Carlos“ an, Kabarettistin Helga Siebert liest Ringelnatz und Wilhelm Busch, Poetry Slammer Klaus Urban rezitiert Brecht.

Dazwischen bleibt es natürlich beim gewohnten Rezept. Eigene Inszenierungen wie „Mistero Buffo“ oder „Kopf mit flammendroten Haar“ bleiben im Programm, hinzu kommt die Gruselkomödie „Mäusebutter“ über Gesche Gottfried, die Giftmörderin von Bremen (die WZ berichtete). Die Premiere wurde allerdings um eine Woche verschoben, auf 20. September.

Dass es wirtschaftlich um das Theater nicht zum Besten steht, kann man daran erkennen, dass die geplante Produktion „Kriegskinder“ ersatzlos gestrichen ist. Wegen des nicht genehmigten Haushalts hat die Stadt erst die Hälfte der Zuschüsse überwiesen, die erhoffte Landesförderung blieb aus. Trotz solcher Rückschläge beweisen die Gu-towskis seit 2006 langen Atem. Wie weit er noch trägt, wissen sie selbst nicht so genau.

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