Deutsches Textilmuseum: Textilforscher aus aller Welt

Deutsches Textilmuseum : Textilforscher aus aller Welt

Die internationale Vereinigung trifft sich dieses Jahr im Deutschen Textilmuseum. Das sich nicht zu verstecken braucht.

Textilien – das ist oft mehr als Kleidung – können sehr viel über unsere Geschichte verraten, über unsere Kultur. Kulturen, wie sie sich kleideten, wie sie wohnten, welche Strukturen ihre Gesellschaft hatte. Überall, wo in Museen oder Forschungseinrichtungen unsere Kulturgeschichte zum Thema gewählt wird, sind Textilien ein nicht zu vernachlässigender Themenbereich. Und überall dort finden sich Wissenschaftler, die diese mal ganz alten oder auch jüngeren Stoffe, Kleider und so weiter erforschen, konservieren und schließlich auch dem Publikum mit fundierter Einordnung präsentieren.

Krefeld kann sich mit großen Sammlungen der Welt messen

Zurzeit trifft sich die Crème de la Crème der Forscher historischer Textilien in Krefeld; es sind Kuratoren, Museumsleiter, Wissenschaftler aller Art, unter ihnen auch Archäologen, die sich hier versammelt haben, um über ihre Forschungen zu berichten, sich auszutauschen, die Netzwerke in der Szene zu vertiefen. Dass der Kongress der CIETA (Centre International d‘Etude des Textiles Anciens) – so heißt die 1954 gegründete internationale Vereinigung –, nun hier am Deutschen Textilmuseum in Krefeld stattfindet, ist kein Zufall; einerseits hat das Museum mit seiner Sammlung auch internationales Renommee, andererseits besteht schon seit Gründung der Vereinigung eine durchaus enge Bindung zwischen Museum und CIETA. Schließlich ist hier derzeit eine Ausstellung zu sehen, die sich mit einem besonderen Thema – Farbe und Textilien – befasst.

Das alle zwei Jahre abgehaltene Treffen fand zuletzt 1985 in Krefeld statt und tagte 2017 übrigens in der Eremitage in St. Petersburg – Krefelds Textilmuseum brauche sich aber da nicht zu verstecken. So sagte die Präsidentin der 450 Mitglieder aus der ganzen Welt zählenden Vereinigung, Birgitt Borkopp-Restle. Das Museum in Krefeld könne sich durchaus messen „mit den großen Sammlungen der Welt“.

Bei jedem Kongress gibt es zudem einen speziellen Schwerpunkt, der sich dieses Jahr auch in Bezug auf die aktuelle Ausstellung im Textilmuseum rund um die Farben in Textilien dreht. Die etwa 120 Mitglieder befassen sich zwischen dem 7. und 10. Oktober unter anderem mit Themen wie der Textilfärbung in der Antike, vom alten Griechenland über Sudan bis hin zu Farbigkeit der Bekleidung von Nomaden im Mongolischen Königreich.

Chronologisch schreiten die Sitzungen vor, so wird auch die Bedeutung von Farbe in Textilien thematisiert, ihre Symbolik, beispielsweise in liturgischen Bekleidungen der Kirche von Schweden um 1900. Auch Farben im Interieur kommen zur Sprache, wie auch ein Schwerpunkt auf Farben und Färbemittel in Ost-Asien. So etwa wie das Preußisch Blau seinen Weg sogar in das späte Edo-Japan des 19. Jahrhunderts fand. Wenn man über Farben und Textilien spricht, so ist es immer auch ein internationaler Horizont, der mitgedacht werden muss; was sich auch in der Zusammensetzung von CIETA spiegelt.

Begutachtet man wissenschaftlich Farben und Textilien, dürfen chemische Fragen – hier explizit auch das Thema synthetische Farbstoffe, mit dem sich die Ausstellung im Textilmuseum befasst – auch nicht außer Acht gelassen werden. Ohnehin werde die Forschung zunehmend interdisziplinärer, erklärt Annette Schieck, die Leiterin des Deutschen Textilmuseums, die selbst Mitglied im Vorstand des CIETA ist. Doch zeitgleich werden bei dem Kongress auch Fragen wie Farben und Mode verhandelt, was die große Bandbreite verdeutlicht. Materielle Kultur, also nicht nur schriftliche Dokumente sind für historische Forschungen ein interessantes Feld; da kann Textilforschung viel zu beitragen.

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