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Surrealismus im Großformat

Surrealismus im Großformat

Am Samstag eröffnet die neue Art Gallery Krefeld im ehemaligen Möbelhaus Schröer.

Krefeld. Die Aufbruchstimmung in der Krefelder Kunstszene hält an. Am Samstag eröffnet die Art Gallery Krefeld ihre erste Schau. Unter dem Titel "Neuer Surrealismus" zeigen drei Künstler mehr als 100 meist großformatige Bilder. Die dafür entsprechenden Räumlichkeiten bietet das ehemalige Möbelhaus Schröer an der Alten Linner Straße, das jetzt Schritt für Schritt ganz der Kunst gewidmet werden soll.

Investor Fred Hoven, der Galerien in Düsseldorf und im belgischen Knokke besitzt, setzt dabei auf eine interessante Mischung. Neben der Galerie sollen ein Café, ein Kunst-Shop, eine Artothek, ein Museum und ein Kunst-Leihhaus entstehen. "Ich setze auf Synergien", sagt Hoven, den die zentrale Lage der Immobilie gereizt hat.

Das Konzept will eine breites Publikum ansprechen und Berührungsängste mit der Kunst abbauen. Noch gibt es in den weitläufigen Räumen und Etagen viel zu tun, aber die Planungen ziehen sich bis ins nächste Jahr. Schwerpunkt der Galerie, die jetzt startet, ist Malerei des neuen Surrealismus.

Stephan Widera, einer der drei Künstler, sieht in dieser Kunstbewegung einen Boom. Er selbst kann sich nicht vorstellen, anders zu malen. "Im Surrealismus kann man seinen Gedanken vollkommen freien Lauf lassen", sagt er.

Mit einer Nachahmung der Klassiker wie Dali und Max Ernst habe diese Richtung nichts zutun. Denn die heutige Welt sei eine andere, so der Düsseldorfer Künstler. Er selbst beschäftigt sich mit dem Thema Mensch und Technik. Einzelne Körperteile werden in seinen Bildern durch technische Geräte oder Alltagsgegenstände ersetzt. So gibt es eine ganze Serie von "Porträts", auf denen die Köpfe in unterschiedliche Hydrantenformen verwandet worden sind. Aus einem andere Kopf wachsen Kabel heraus - der vernetzte Mensch wird kritisch hinterfragt.

Menschenleere, fantastische Architekturen finden sich auf den Bildern von Paul Schwietzke. Der 1952 in Düsseldorf geborene Künstler war Meisterschüler an der Kunstakademie bei Karl Otto Götz. Seit dreißig Jahren ist er als freischaffender Künstler tätig und zählt mit Widera zu den Stammkünstlern der Galerie.

Neu dabei ist Marcus Günther, der Jüngste der Drei. Er hat als Theatermaler gearbeitet und ist seit zehn Jahren ebenfalls in Düsseldorf freischaffend tätig. Seine exakte, fast fotorealistische Malerei verarbeitet politische Themen mit provokantem Akzent. So zeigt er Angela Merkel im Kreis von Talibankämpfern oder setzt den Papst in eine Reihe mit Mao und Stalin.

Insgesamt sind es perfekt gemalte Bilder, die direkt ins Auge springen und den Betrachter herausfordern.

Bis zum 30. Dezember ist diese erste Schau zu sehen, sechs Ausstellungen pro Jahr sind geplant. Die Kunstszene hat im Herzen der Stadt einen neuen Standort und man darf gespannt sein, was sich daraus entwickeln wird.