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Start-up Parcellab: Zur Kundensuche nach San Francisco

Start-up Parcellab: Zur Kundensuche nach San Francisco

Julian Krenge, Sohn des Krefelder Spediteurs, macht selbst auch in Logistik — für sein Start-up im IT-Bereich gibt’s Geld vom Bund.

Für ein junges Unternehmen aus dem IT-Bereich dürfte es deutlich schlechtere Standorte geben als das Hauptquartier des Kurznachrichten-Dienstes Twitter: In dessen Zentrale in San Francisco haben derzeit der Krefelder Julian Krenge und sein Team ein Büro. Finanziert wird es vom Programm German Accelerator. Mit diesem „deutschen Beschleuniger“ will das Bundeswirtschaftsministerium hiesigen Start-ups dabei helfen, den spannenden Markt jenseits des Atlantiks kennenzulernen.

Neben dem Büro stellt das Programm ein Mentoren-Netzwerk vor Ort zur Verfügung. Also Menschen, die sich in der Wirtschaft zwischen New York und Los Angeles bereits sehr gut auskennen. Das Ganze scheint zu funktionieren: Der 30-jährige Krenge und seine Mitstreiter sind erst seit einigen Wochen in San Francisco und „haben auch schon die ersten Kunden gewonnen“, wie er erzählt.

Der Jungunternehmer aus Traar ist gemeinsam mit zwei etwa gleichaltrigen Partnern geschäftsführender Gesellschafter der Parcellab GmbH mit Sitz in München. Die 2015 gegründete Firma verkauft, vereinfacht gesagt, die Möglichkeit für Versandhändler, mindestens bis zur Auslieferung der bestellten Waren selbst mit dem Kunden in Kontakt zu bleiben. Das kann beispielsweise in Form von SMS oder Mails geschehen. Aber auch andere digitale Kanäle sind möglich. Die Idee dahinter ist, dass der Käufer alles aus einer Hand bekommt und nach dem Bestellen nicht auf die Informationen des jeweils beauftragten Logistikers angewiesen ist.

„Wir kommunizieren auch Fehler transparent“, betont Krenge ein Alleinstellungsmerkmal des Produkts. Soll heißen: Wenn ein Paket irgendwo auf dem Weg festhängt, gibt es zeitnah eine Nachricht mit eben dieser Info an den Kunden — und eine höfliche Entschuldigung dazu. „Das stärkt die Kundenbindung“, sagt der IT-Fachmann. Außerdem muss die Kommunikation nicht an der Haustür des Kunden zu Ende sein. „Als Fahrrad-Händler kann man zum Beispiel Links zu You-Tube-Videos verschicken, mit deren Hilfe der Kunde sein soeben geliefertes Rad leicht montieren kann.“

Offenbar hatte das Start-up-Trio den richtigen Riecher. Parcellab beschäftigt nach eigenen Angaben inzwischen 20 Mitarbeiter und hat mittlerweile rund 250 Online-Shops in seiner Kundenkartei, darunter namhafte Größen der deutschen Versandhändler-Branche.

Eine Viertelmillion Pakete begleitet das Unternehmen jeden Tag. „Wir verschicken etwa eine halbe Million Mails täglich“, erklärt der Geschäftsführer. Um das Wachstum finanziell zu stemmen, holten sich die drei Partner im vergangenen Sommer Investoren ins Boot. Nach dem Verkauf von Anteilen halten sie aber immer noch mehr als 80 Prozent an der GmbH.

Tauschen sie nun bald für immer Deutschland gegen Amerika? Julian Krenge winkt ab. „Wir bleiben noch etwa sechs Wochen in den USA, dann geht es wieder zurück.“ Der Schwerpunktmarkt sei und bleibe Deutschland.