Spannendes Spiel mit sprödem Charme

Spannendes Spiel mit sprödem Charme

Beim vierten Konzert zum 60-jährigen Bestehen des Jazzkellers hat die Band Basement Research mit Abwechslungsreichtum überrascht.

Was für eine brave Zugabe. Ganz einfach, um nicht zu sagen: im positiven Sinne schlicht, zurückhaltend, ruhig, harmonisch. Die Free-Jazz-Band Basement Research, die das vierte Festkonzert des Jazzklubs Krefeld zum 60-jährigen Bestehen des Jazzkellers gestaltet hat, spielte als Rausschmeißer-Stück fast ein Schlaflied, auf jeden Fall verglichen zu dem, was sie zuvor in zwei energiegeladenen Sets geboten hatte.

Der Wahl-Berliner Gebhard Ullmann ist Kopf des internationalen Quintetts, das seit 25 Jahren existiert und jetzt auch wegen seines eigenen Jubiläums durch die Lande tourt. Ullmann, der Tenorsaxophon und Bassklarinette spielt, ist der letzte Verbliebene aus der Ursprungsbesetzung.

Mit dem Briten Julian Argüelles am Baritonsaxophon und dem US-Amerikaner Steve Swell an der Posaune bildet Ullmann ein Bläser-Dreigestirn in der ersten Reihe der Band, dahinter agieren der deutschfranzösische Kontrabassist Pascal Niggenkemper und der US-Amerikaner Gerald Cleaver am Schlagzeug.

Die Band spielte ausschließlich Eigenkompositionen von Ullmann, die oft collagenhaft aufgebaut sind. Mehrstimmige Bläsersätze mit paralleler Stimmführung wechselten sich mit Themen ab, in denen die einzelnen Stimmen verschachtelt ineinandergriffen. Manchmal lieferte Bassist Niggenkämper mit gestrichenen Passagen noch eine Satzgrundierung ab. Die Melodien folgten mal dem Gestus von hektischen Bebop-Linien, dann waren sie wieder zeitgenössischer neuer Musik nahe — etwa wenn ein kurzes Motiv in minimalistischer Manier variiert wurde. Mal wurde danach atonal improvisiert, öfter auch mal modal, wenige Male auch tatsächlich über eine Struktur liefernde Akkordfolge.

Aber Struktur lässt sich ja auch noch anders herstellen, zum Beispiel dadurch, dass zwei Bläser das Solo des dritten mit vorbereiteten Einwürfen flankieren. Diese Möglichkeit nutzt Ullmann in seinen Stücken immer wieder. Rhythmisch wurde meist gebunden gespielt, manchmal aber auch ins Rubato gewechselt. Bei den Rubato-Partien lieferte Cleaver am Schlagzeug meist ein brodelndes Pulsieren als Begleitung, bei den gebundenen Partien war auffällig, dass er zusammen mit dem zuverlässig agierenden Niggenkämper am Bass sehr oft binär, nur selten ternär begleitete.

Dynamisch unterschieden sich die Kompositionen stark, heftiges Tutti-Getöse wechselte sich auch in einzelnen Stücken mit balladenhaft ruhigen Passagen ab. Der freie Umgang mit Harmonik, Melodik und Rhythmik erschöpfte sich so nicht in pausenloser Hochspannung, und das machte diese sperrige Musik wesentlich zugänglicher, als man erwarten konnte.

Die individuellen Unterschiede zwischen den Bläsern sorgten für zusätzlichen Farbenreichtum. Ullmann agierte vor allem auf dem Tenorsaxophon am expressivsten, geizte nicht mit überblasenen Passagen, glitt oft ins Geräuschhafte. Die langen Melodielinien von Argüelles auf dem tiefen Baritonsaxophon standen dazu in fast völligem Gegensatz.

Auf der Bassklarinette wiederum agierte Ullmann weniger unberechenbar, überzeugte hier mit warmen Ton und vor allem in den tiefen Lagen dieses eh schon tiefen Instruments mit flüssigem Legato. Am konventionellsten spielte Dwell auf der Posaune, wich höchstens einmal mit Growl-Effekten von der gängigen Klangerzeugung ab.

Das war ein spannendes Konzert mit der Band Basement Research, das erfahrene Jazzkeller-Publikum wusste den spröden Charme und den kompromisslos eigenständigen Charakter der Musik zu schätzen.