Sophie Pacini in Krefeld - Was Schumanns Klavierkonzert so besonders macht

Konzert : Sophie Pacini in Krefeld - Was Schumanns Klavierkonzert so besonders macht

Beim ersten Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker spielt Sophie Pacini Schumanns Klavierkonzert im Seidenweberhaus. Im Interview erklärt die Pianistin, warum sie das Werk fasziniert.

Was das Klavierkonzert von Schumann, das beim ersten Sinfoniekonzert der Saison gespielt wird, besonders macht? Die mit Preisen dekorierte deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini kann – respektive ihres breiten Repertoires – durchaus als eine Expertin für die Musikssprache Robert Schumanns gelten. Die 1991 in München geborene Interpretin hat sich seit ihren ersten Einspielungen intensiv mit ihm auseinandergesetzt, zuletzt das Album „In Between“ mit Werken von Robert und Clara Schumann und Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel vorgelegt. Pacini verbindet übrigens eine enge Freundschaft mit der großen Martha Argerich. Nun wird sie mit den Sinfonikern Schumanns Klavierkonzert spielen. Übrigens: Im Programm finden sich weitere Evergreens des Konzertrepertoires. Beethovens Coriolan-Ouvertüre und Brahms 1. Sinfonie.

Was macht die Faszination von Schumanns Klavierkonzert aus? Vielleicht auch für diejenigen, die noch keine eingefleischten Konzertgänger sind?

Sophie Pacini: In der Tat, selbst wenn jemand noch keinen Bezug zur klassischen Musik hat, würde ich das Klavierkonzert von Schumann empfehlen als eine der ersten Höreindrücke im Konzert. Es beginnt sofort unmittelbar. Eine anpackende Kaskade von Akkorden, die dich mitten hineinreißt und man hat gar nicht die Möglichkeit zu überlegen, wo bin ich hier eigentlich? Man ist sofort gepackt und Schumann sagt mit seiner Musik: Komm ich nehme dich mit auf eine Reise. Eine Reise durch das eigene Ich. Wenn man sich dem ganzen hingibt, dieser Musik, wird man die Stimmungsschwankungen, diese verschiedenen Variationen, diese wunderschönen Kantilenen sofort spüren. Man erfährt auch die ganze Bandbreite des Klavierspielens. Das ist mit das emotionalste Konzert, was je geschrieben wurde.

Bei Schumanns Musik fließt das Orchester und die Klavierstimme fast schon dialektisch ineinander. Wie gelingt diese Verschmelzung?

Pacini: Ich kenne natürlich, wenn ich ein Klavierkonzert spiele, auch den Orchesterpart. Der Dirigent ist die Vermittlung, aber ich weiß gerne, welches Instrument zu welcher Zeit spielt. Der direkte Draht zwischen Orchester und Pianist ist natürlich unabdingbar. In diesem Konzert kommt mir auch zur Hilfe, dass ich sechs Jahre Cello gespielt habe. Bei Schumann ziehen wir alle an einem Strang, wir rufen uns die Themen zu, ein Austausch, der sehr schnell vonstatten geht. Es ist so, als ob das Orchester durch einzelne Instrumente wie eine Person zum Klavier spricht.

Erfordert Schumann eine spezielle Art des Klavierspiels?

Pacini: Klavier ist für mich nicht ein Hammer, der gegen eine Saite schlägt. Es geht um Vorstellungskraft. Ich stelle mir vor, dass der Ton vor mir entsteht, wie eine Knospe und dann erblüht im Saal. Ich spiele prinzipiell für das Publikum, für den Klang nach außen und nicht für mich persönlich auf dem Podium. Ich trage das Innerste nach außen und lege den Mantel der Musik über mein Publikum. Sie mit einbeziehen in ein gemeinsames Atmen. Bei Schumann ist die Mittelstimme, das Bachsche, Beethovensche ein sehr wichtiger Aspekt. Ich schlage nicht den Ton, sondern hole ihn aus dem Instrument heraus. Man merkt, dass Schumann gar nicht pianistisch, sondern komplex orchestral denkt.

Wie sind Sie zu Schumanns Musik gekommen?

Pacini: Schumanns Musik ist mir zum ersten Mal pianistisch begegnet, da war ich dreizehn und habe die Intermezzi op. 4 von ihm gelernt. Leider ein selten gespieltes Werk, ich weiß gar nicht genau warum. Davor hatte ich schon sehr viel von ihm gehört, erstmalig tatsächlich mit Martha Argerich sein Klavierkonzert im Radio. Mit Schumanns Musik hat sich mir sogleich diese sehr verwobene Welt eröffnet, mit den verschiedenen Stimmungen, die sich sehr schnell verändern, ineinander verzahnt sind, in denen ich mich selbst sehr stark wiederfinden konnte. Schumann dann selbst zu spielen, war so, als ob mir etwas aus der Seele sprechen würde, was mich in gewisser Weise auch aufnimmt in meinem eigenen Seelenleben. Ich fühlte mich sofort dem Geist von ihm verbunden.

Haben Sie sich auch mit dem Menschen Schumann befasst?

Pacini: Ja, ich habe angefangen, mich mit seinen Briefen zu beschäftigen, auch mit seiner besonderen Beziehung zu seiner Frau Clara Schumann – die übrigens am 13. September 200. Geburtstag feiern würde. Spannend sind auch die geheimen Botschaften an sie in seiner Musik, dieses Hoch-Verkopfte und andererseits tief emotional aufgewühlte und aber auch einfach echte. Ich habe angefangen, darüber nachzudenken, welche Persönlichkeit Clara Schumann gewesen sein muss, um in ihm diese Schwingungen, diese Seelenanrühungen in ihm herauszuholen. Robert hätte ohne sie in seinem Leben nicht so komponiert.