So war es bei Lisa Feller in Krefeld

Lisa Feller : Alleinerziehende Mutter im Alltagsdschungel

Die Komikerin Lisa Feller lässt sich von ihrer großen Fan-Gemeinde in der Kulturfabrik feiern.

„Ich komm’ jetzt öfter!“, verspricht die quirlige Stand-up-Komödiantin, TV-Moderatorin und Schauspielerin Lisa Feller mit ihrem fünften Soloprogramm, mit dem sie seit August über Deutschlands Comedy-Bühnen tourt. Darin widmet sie sich mit viel Humor der Problematik des Single-Daseins einer alleinerziehenden Mutter von zwei Jungs im Alter von acht und zwölf Jahren. Wie kommt Frau, wenigstens gelegentlich, zum Mann? Und darf eine Mutter das überhaupt, ohne als egoistische Rabenmutter dazustehen?

Genügend Stoff also, um ihre große Fan-Gemeinde in der vollbesetzten Kulturfabrik zwei Stunden lang bestens zu unterhalten. Das gelingt schon deshalb, weil die sympathische 43-jährige Wahl-Münsteranerin sich selbst nicht so ernst nimmt, sich nicht als perfekt verkauft, sondern auch dem eigenen Geschlecht den Spiegel vorhält. Das kommt offensichtlich besonders gut bei ihren Geschlechtsgenossinnen an, die an diesem Abend eindeutig in der Überzahl sind. Alles, was Feller zu Themen wie dem Single-Dasein sagt, ist längst bekannt. Aber wie sie es rüberbringt, ist spitze.

Auf der Bühne im Rampenlicht blüht die Live-Akteurin auf, glänzt mit Elan und Witz, mit teils wilder Mimik und Gestik sowie mit einer natürlichen Schlagfertigkeit. Kurz – sie spielt gleichzeitig, worüber sie unentwegt spricht. Dabei kommt ihr ein Talent zugute, das sie überhaupt erst bekannt gemacht hat – ihre Rolle in der TV-Comedy-Serie Schillerstraße als Improvisations-Schauspielerin. Das war ihr Durchbruch und öffnete ihr die Türen zu diversen anderen Sendungen.

Feller berichtet hautnah von den Erlebnissen mit ihren Söhnen – überwiegend von peinlichen. Etwa bei der Frage im Bus: „Mama, wo kommt der Tampon rein?“ Oder von nervigen Situationen wie auf dem Minigolfplatz, im Zoo und im Spaßbad. Ihre gute Beobachtungsgabe und ihre schauspielerische Interpretation des Erlebten machen selbst triviale Situationskomik — wie vor einem Getränke-Rückgabe-Automaten — zu Lacherfolgen.

Feller erzählt Witze über Beziehungen – ähnlich wie Mario Barth – nur über Männer, aber lustiger. Geschickt leitet sie mit einer Geschichte das Ende ihrer Show ein. Zu Hause tagt der Familienrat, ob die Familie ein neues Auto bekommt oder Mutter eine Schönheits-Brust-OP. Die Familie kommt zu dem Schluss, „das Auto geht noch, aber wir lassen niemanden hängen“. Und schon ist Feller beim abschließenden Werbeblock für ihr jüngstes Buch mit dem Titel „Mir geht’s gut, nur meine Brüste lassen sich hängen.“

Dann will sie sich mit ihrem Lebensmotto vom Publikum verabschieden, jeden Tag wenigstens einen Menschen zum Lächeln zu bringen. Doch unerwartet macht ihr ihr ehemaliger Klassenlehrer, der ohne Wissen seiner Ex-Schülerin in Reihe eins zuschaut, einen Strich durch die Rechnung. Er überreicht der gebürtigen Düsseldorferin ein Klassenfoto, und es dauert eine Weile, bis Feller die Situation erfasst und ihn herzlich begrüßt. Das ermuntert den Pauker, Lisa als Schülerin zu schildern, die schon damals ihre Lehrer parodiert und ihr komödiantisches Talent gezeigt habe. Als Dankeschön erhält er von ihr das „Brüstebuch“, wobei Feller wieder beim Werbethema ist – und mit einem Riesenapplaus verabschiedet wird.

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