Zeitung: So sah Zeitung vor 210 Jahren aus

Zeitung : So sah Zeitung vor 210 Jahren aus

Die ältesten Zeitungen in Krefeld waren die Iris und das Crefelder Wochenblatt. Sie sollten über Lehrreiches und Wichtiges berichten.

Krefeld. Nein, es war keine Zeitung für die Frau und auch genauso wenig ein Zeichen von Gleichberechtigung, dass Mann der ersten Tageszeitung in Krefeld den Namen Iris gab. Mit der Namenswahl wollten sich die Herren aus der noch überschaubaren Menge an Zeitungen in anderen Städten heraus heben, in denen Merkur als Götterbote ein beliebter Namensteil war. Iris war in der griechischen Mythologie als Botin für einzelne Götter zuständig bevor sie in Krefeld vom Buchhändler und Zeitungsverleger Peter Schüller 1799 erstmals damit beauftragt wurde, Wichtiges und Lehrreiches in die Stadt zu tragen.

Wie im 19. Jahrhundert noch weit häufiger zu beobachten, sollte eine Zeitung die neuen Ideen einer Revolution weiter ins Volk bringen. Natürlich waren es dann die Personen, die hinter den revolutionären Gedanken standen und selten die herrschende Obrigkeit. Für die Notwendigkeit einer neuen Zeitung in Krefeld im letzten Jahr des 18. Jahrhunderts sorgte die Französische Revolution von 1789. Wie es der ausführliche Titel „Politische und literarische Iris vom Niederrheine“ zeigt, lag es dem Herausgeber daran, die Ideale der Französischen Revolution auch am Niederrhein zu verbreiten.

In diesem Fall war es sogar im Sinne der Obrigkeit, denn Krefeld gehörte seit 1798 zum Departement de la Roer — also zu Frankreich. Kein Zweifel über diese Zusammenhänge lässt sogar die Datumsangabe. Da erschien beispielsweise am 24. Nivose (Schneemonat von Ende Dezember bis Ende Januar), gleichzeitig im „7ten Jahr der Französischen Republik“ eine Ausgabe samt Beilage.

Nicht jeden Tag gab es eine Iris, sondern vier bis fünf Mal innerhalb einer Dekade, innerhalb von zehn Tagen. Von der Gestaltung der Seiten, vom Layout hat man bei der Iris eher den Eindruck, in einem Buch zu lesen. Die Nachrichten kommen in jenen Tagen auch schon in einer höchst modernen Kurzform daher. „Die franz. Truppen nähern sich dem Grosherzogthum Toscana“ lautet die gesamte Information. Fast drei Seiten lang ist dagegen ein Artikel unter den „Erziehungsnachrichten“. Er fasst einen Erlass des „würdigen“ Ministers des Inneren Francois de Neufchateau an die Professoren der Centralschulen zusammen. Das ministerielle Schreiben ist zu lang für die Iris. „Aber der Inhalt muß unsern Lesern mitgetheilt werden, damit sie überzeugt werden mögen, daß durch die Aufmerksamkeit einer weisen Regierung auch die Bildung der Jugend eine glänzende Epoche für Frankreich anhebe“.

In diesen Tagen darf man auch in Krefeld als Stadt der Französischen Republik auf eine Verbesserung des Schulsystems hoffen. Für die lokalen Nachrichten bietet Schüller an diesem 24. Nivose statistische Informationen: „Nach einer richtigen Uebersicht der Geburts=Heuraths=und Sterbe=Register unseres Kantons befinden sich darin vom 12. Nivose 6 Jahres bis 12 Nivose 7 Jahres 366 Geborne, 120 Paar Verehelichte, und 349 Todte“, gezeichnet P. Schüller, Redacteur. Nach dem Tod des Herrn Redacteur 1800 führt seine Witwe den Zeitungsbetrieb in Crefeld weiter. Am 1. Januar 1807 erscheint erstmals das „Crefelder Wochenblatt“ gedruckt in der „Schüllerschen Buchdruckerey“.

Bis in das Jahr 1834 tritt Frau Schüller noch als Herausgeberin der „Feuilles d’affiches“, einem französisch/deutschen Anzeigenblatt sowie ab 1822 dem „Intelligenzblatt für Crefeld und die Umliegende Gegend“ auf. Im Crefelder Wochenblatt vom 8. Januar 1807 wird eine Artikelreihe über die Schulen am Niederrhein „Ueber Primarschulen im Ruhrdepartement“ abgeschlossen. Da fordert „R“ für gute Schulen im Lande, das Gehalt der Lehrer zu erhöhen und für „ein anständiges Schullocal“ zu sorgen. Es könne nicht hingenommen werden, dass der Lehrer unter dem „Druck der Armuth seufzt, und sich zum Dorfbarbier herabwürdigen muß, um sein kümmerliches Leben zu fristen.“

Es sei Aufgabe der Gemeinschaft, wenn die Gelder aus Fonds nicht ausreichten, die Lehrergehälter aus den Steuern zu bezahlen. „Dies kann für keinen Bürger eine drückende Last werden, und unsre alles Gute so gern befördernde Regierung wird gewiß die Genehmigung dazu nicht versagen“. Ein revolutionärer Gedanke, der sich durchsetzen noch sollte — nicht nur in Krefeld.

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