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Sinfoniker: Kütson wagt den Spagat

Sinfoniker: Kütson wagt den Spagat

Der Generalmusikdirektor stellt sein zweites Programm vor — und setzt wieder einige ungewöhnliche Akzente.

Krefeld. Mihkel Kütson will weiter den Spagat wagen: Der Generalmusikdirektor möchte langjährigen Besuchern der Sinfoniekonzerte neue Klangerlebnisse bescheren und gleichzeitig mit außergewöhnlichen Angeboten solche Menschen anlocken, die bislang nicht den Weg ins Seidenweberhaus finden. „Wir sind inzwischen zu 70 Prozent ausgelastet“, sagt er — ein guter Wert nach lange sinkender Tendenz.

Auch in der kommenden Saison, deren Programm er jetzt vorstellte, setzt Kütson auf die Zusammenarbeit mit international gefragten Solisten. Der niederländische Cellist Pieter Wispelwey spielt die Cello Symphony opus 68 von Benjamin Britten im 2. Sinfoniekonzert. Mona Asuka Ott kommt beim Klavierkonzert Nr. 26 von Wolfgang Amadeus Mozart zum Einsatz, die Afro-Amerikanerin Tai Murray beim Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Außergewöhnlich ist das Schlagzeugkonzert der zeitgenössischen Komponistin Jennifer Higdon beim 5. Sinfoniekonzert. Solist ist der in Essen geborene Alexej Gerassimez. Carolin Widmann spielt das Violinkonzert von Jean Sibelius.

Wenig bekannt ist auch das „Viatore“ des lettischen Komponisten Peteris Vasks, ebenfalls im 5. Sinfoniekonzert. „In dieser Saison hatten wir den Esten Heino Eller im Programm“, sagt Kütson, der selbst aus dem estischen Tallinn stammt. Die Hinwendung zu baltischen Komponisten möchte er fortsetzen.

Auch die Begegnung mit der Sinfonie Nr. 4 von Franz Adolf Berwald dürfte für die meisten Besucher neu sein. „Er ist hier unbekannt, gilt aber als Mozart Schwedens mit einer ganz eigenen Tonsprache“, sagt Kütson.

Die Saisoneröffnung in Krefeld am 13. September gestaltet der Generalmusikdirektor mit der Sinfonie Nr. 9 von Gustav Mahler. Er empfindet das selbst als Herausforderung, allein durch die Länge des Werks. „Das Stück dauert 90 Minuten. Außerdem ist es für mich mit meiner unruhigen Art nicht so einfach, die Ruhe und Abgeklärtheit des reifen Mahlers zu transportieren.“

Einen weiteren Höhepunkt bildet sicher die 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven im 2. Sinfoniekonzert. Im 6. Konzert kommt das expressive Werk „Nacht auf dem Kahlen Berge“ von Modest Mussorgsky zur Aufführung. Und es wird düster: „Die 10. Sinfonie von Dmitrij Schostakowitsch verarbeitet die Grauen der Stalin-Ära“, erklärt Mihkel Kütson.