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Sinfoniekonzert: Musik gegen den Winter-Blues

Sinfoniekonzert: Musik gegen den Winter-Blues

Zu den Höhepunkten zählt der Auftritt des Harfenisten Emmanuel Ceysson.

Krefeld. Das Dezember-Grau und allen vorweihnachtlichen Stress lässt das 3. Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker schneller vergessen, als man es realisiert. Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 1 in D-Dur entführt den Zuhörer sofort in eine andere Welt.

Musikalisch vereint Prokofjew darin seine Zeit und die Klänge der Wiener Klassik. Mozart und Haydn inspirierten ihn zu dem Werk, das 1918 in St. Petersburg uraufgeführt wurde. Durch diese kompositorische Wahlverwandtschaft erhielt diese Sinfonie auch den Namen „Symphonie classique“.

Mit einem getupften Allegro voller Leichtigkeit beginnt es. Die Präzision der Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung des stellvertretenden Generalmusikdirektors Alexander Steinitz ist phänomenal. Aber mit seinem expressionistischen Dirigat macht Steinitz auch die feinsten Nuancen dieser Musik hörbar.

Eine gewisse Beruhigung bringt das Larghetto, doch genauso feinen Humor. Das tänzerische Pizzicato kann man auch als gehauchte musikalische Karikatur des höfischen Menuetts verstehen. Im Kontrast dazu kommt die Gavotta als bäuerlicher Tanz mit Holzschuhen daher. Temperamentvoll tänzerisch und heiter wird man durch das Finale gezogen. So wie die Niederrheinischen Sinfoniker diese Sinfonie interpretieren, ist es eine genussvolle Therapie gegen den Winter-Blues.

Doch es gibt noch eine Steigerung mit dem Auftritt von Emmanuel Ceysson: Das Harfenkonzert in Es-Dur von Reinhold Glière beweist es. Man wundert sich, weshalb dieses Werk samt Komponist unbekannt ist. Weshalb es selten aufgeführt wird, könnte am anspruchsvollen Part des Solisten liegen.

Zu den schwelgenden Klängen der Streicher im Allegro moderato trägt er wellenartige Klänge, feinstes Plätschern mitreißend oder auch sanft entführend bei. Dann wird es einen Hauch dramatischer, um bald wieder behutsam in einschmeichelnde Klänge zu entschwinden. Ein Zauberer ist am Werk und man kann fast die imaginäre Nadel im Saal fallen hören — trotz der Erkältungszeit.

Der zweite Satz braucht einen zweiten Anlauf, denn eine Saite reißt. So blitzschnell wie Ceysson spielt, so schnell repariert er sein Instrument. Das 1938 uraufgeführte Konzert bringt Klänge von zeitloser Schönheit. Dieses Werk und Ceysson sind die Entdeckungen des Abends. Bravorufe, begeisterter Applaus aus dem Saal, vom Orchester wie dem Dirigenten — aber auch vom Solisten für die Begleitung des Orchesters zeigen ein einhelliges Urteil.

Den zweiten Teil des Abends füllte Robert Schumanns 4. Sinfonie, ein Geburtstagsgeschenk für seine geliebte Ehefrau Clara.