Shaped Figure: Wenn Malerei zur Plastik wird

Ausstellung : Shaped Figure: Wenn Malerei zur Plastik wird

In Kooperation mit dem MMIII Kunstverein Mönchengladbach zeigt der Krefelder Kunstverein Werke zwischen Malerei und Objektkunst.

Wenn man an Malerei denkt, so kommen einem sogleich recht eindeutige Assoziationen in den Sinn. Leinwand oder ähnliche flache, rechteckige Bildträger, die mit einer unermesslichen Vielfalt an malerischen Möglichkeiten durch Künstlerhand in Gemälde verwandelt wurden oder werden.

Eine von Wilko Austermann kuratierte Ausstellung im Krefelder Kunstverein – übrigens eine Kooperation mit dem MMIII Kunstverein Mönchengladbach – möchte sich jedoch zeitgenössischen Werken widmen, die jene Beschränkung auf diese oder jene Weise überschreiten. Kunst, die sich – auch mal nur im weitesten Sinne – in einer Übergangssphäre zwischen Malerei und Plastik bewegt.

Die Ausstellung ist ein
buntes Sammelsurium

Dass Malerei mal auf diese, mal auf jene Weise – übrigens auch in ihrer langen Tradition – über das gewöhnliche Format hinausgehen möchte, sozusagen den Weg aus den Rahmen heraus sucht, ist indes nicht neu. Im Gegenteil, es gibt Trompe-l’œil (täusche das Auge) – jene Illusion, dass trotz der Verwendung von üblichen flachen Untergründen wie Leinwänden, der Eindruck von Dreidimensionalität entsteht – schon sehr lange. Bilder, aus denen Figuren herauszusteigen scheinen, Wandmalerei, die den Eindruck des Skulpturalen erzeugt; all das ist beste gelebte Tradition in der Kunst. Auch das Verwenden ungewöhnlich geformter Maluntergründe, selbst wenn es nur das runde Format ist, hat eine lange Geschichte. Dass Künstler Objekte mit einer Farbschicht versehen, nennen wir es vielleicht etwas profan „bemalen“, gibt es auch zuhauf.

„Shaped Figure“ – so der Name der Ausstellung – wirkt in seiner Zusammenstellung etwas arbiträr. Was die in Krefeld zu sehenden Werke von Roy Mordechay, Carolin Eidner, Robert Brambora, Thorben Eggers, Astrid Styma, Vivian Greven und schließlich Stefan Bircheneder zu einen scheint, ist dass sie – gemeinsam in einen Kontext einer Ausstellung gestellt – auf erfrischend rhapsodische Art für Abwechslung sorgen. Und, dies mag wohl auch Austermann im Hinterkopf gehabt haben, zumindest bei den meisten Exponaten: das Bemalen von Objekten, seien es nun ungewöhnlich geformte Leinwände, Holz oder auch gegossenes Gips, ist ein Teil des künstlerischen Schaffensprozesses.

Die zerschnittenen naturalistisch abgemalten Screenshots von Thorben Eggers erinnern an oft Gesehenes – an eine immer wieder mal aufkommende Mode, unregelmäßig geometrisch geformte Leinwände zu verwenden. Die Düsseldorfer Grünfeld-Schülerin Astrid Styma lässt den Betrachter mit ihrem Objekt „bloß“ eher genauer hinsehen. Auf einem mit rosa Samt bespannten Podest ist eine in Schnitte aufgespaltene Mehrfachansicht einer kauernden Frau zu einem Objekt gestaltet. Hier treffen wir auf ein Erbe von Trompe-l’œil.

In ähnlichem Geist bewegen sich auch die Objekte von Stefan Bircheneder, der sich auf ästhetische Überbleibsel einer untergegangenen Industriekultur spezialisiert hat. Der Spind als Symbol für den kleinen Funken Privatsphäre im großen Getriebe der Akkordarbeit. Auch er nutzt die Trompe-l’œil-Technik – er war übrigens mal Kirchenmaler –, um den Anschein rostender Spinde zu erwecken. Nur der nähere Blick verrät, dass das unmögliche Objekt ineinandergreifender Spindtüren nur bemalte Leinwände sind.

Ins Auge stechen auch die Arbeiten von Roy Mordechay, der sich mit den gezeigten Exponaten von seiner differenzierten Seite zeigt. Malerei auf einer an einem Holzstab befestigten Leinwand gesellt sich hier zu Styropor-Objekten, die archaische Momente mit symbolistischen Einwürfen paaren. Oder er ließ aus Keilrahmen eine etwas enigmatische Mischung aus beschworener sich emporreckender Schlange und  Bischofsstab entstehen.

Des weiteren finden sich mittels Laser geschnittene Silhouetten, liebevoll bemalt oder geschichtetes Polyestergießharz in dem Portfolio dieser Ausstellung, die sich hervorragend auch für Schulklassen eignet. Ohnehin dürfte vieles ein Traum für kunstpädagogische Zugänge sein, was die konzeptionelle Inkohärenz leicht vergessen macht.

Die Ausstellung im Krefelder Kunstverein, Buschhüterhaus, Westwall 124, läuft noch bis zum 16. Juni. Der Eintritt ist kostenfrei. Weitere Informationen unter:

krefelder-kunstverein.de

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