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Serenadenkonzert: Sternchen am Sommerhimmel

Serenadenkonzert: Sternchen am Sommerhimmel

Pianist und Cellist sorgten für einen gefühlt endlos langen Abend im Rittersaal der Burg.

Krefeld. Ein voller Rittersaal am Freitagabend bewies, dass ein Konzerttermin im musikalischen Krefelder Sommerloch gerne angenommen wird. Den Beginn der neuen Konzertsaison wieder in die Urlaubszeit zu legen, erwies sich als eine weise Entscheidung — das Gros der Besucher ist nicht mehr auf Schulferien für die Reiseplanung angewiesen ist.

Das Programm, das sich der Cellist Ramon Jaffé und der Pianist Andreas Frölich zusammengestellt hatten, war gut für eine Sommerabend-Serenade abgestimmt. Romantische Klänge von Schumann und Schubert, eine Polonaise von Dvorak, ein Hauch geographischer Ferne in Tangos verpackt und zum Abschluss noch eine Debussy-Sonate mit spanischen Impressionen.

Sein Adagio op. 70 hatte Robert Schumann zunächst als „Romanze“ bezeichnet und damit bildete das Stück einen nachvollziehbaren träumerischen, leicht melancholischen Einstieg in den Konzertabend.

Doch schon das dazu gehörende Allegro ließ erahnen, dass das Zusammenspiel der beiden nicht auf eine jahrelange Routine aufbaute oder den ernsthaften Willen zu einer gemeinsamen Interpretation. Der Pianist neigte dazu, seinen Partner „platt“ zu spielen - der Flügel das Cello zu „erdrücken“. Sieben Lieder von Johannes Brahms, die der Komponist für Solostimme und Klavier geschrieben hatte, wurden in Bearbeitungen von Norbert Salter und Ramon Jaffé dargeboten. Es kann nicht daran gelegen haben, dass die menschliche Stimme in diesen Brahms’schen Liedern durch das Cello ersetzt wurde, dass sich das Atmosphärische nicht entfalten konnte. Egal, ob es sich um das Lied „Feldeinsamkeit“, „Liebestreu“, „Minnelied“ oder die „Sapphische Ode“ handelte, da sprang kein Funke über, da wurden keine Gefühle in Klänge umgesetzt.

Gleichförmige Sprints durch die Notenblätter, Interpretationen und ein aufeinander bezugnehmendes Spiel hören sich anders an. Mit den beiden Stücken „Milotan“ und „Graziella y Buenos Aires“ von José Bragato (geb. 1915) sollte sich das nach eineinhalb Stunden ändern. Da war sie endlich, die musikalische Kommunikation der Solisten. Ein Sternchen am Sommerhimmel, dem noch ein zweites mit einer Zugabe von Enrique Granados folgen sollte. Diese spanisch-südamerikanischen Momente retteten jedoch nicht diesen gefühlt endlos langen Abend.