Selten aufgeführte Operette im Krefelder Theater

Theater : „Die Faschingsfee“ macht gute Laune

Die Operette wurde von Regisseur Carsten Süss in die 1940er verlegt. Die Handlung beginnt auf einem Karnevalsfest.

Mit dem Komponisten Emmerich Kálmán verbindet man zwei sehr bekannte Operetten: „Die Csádársfürstin“ und „Gräfin Mariza“. Ein weiteres seiner Werke, das nicht so populär geworden ist, ist „Die Faschingsfee“. Das selten gespielte Stück ist ab Samstag, 13. Oktober, im Theater Krefeld zu erleben.

Bereits in der letzten Spielzeit ist die Operette mit viel Erfolg in Mönchengladbach gelaufen, inszeniert von Carsten Süss. Laut Dramaturgin Ulrike Aistleitner bringt er die richtigen Voraussetzungen dafür mit: Spaß an der Operette und ein großes Wissen darüber. „Operette soll unterhalten, ohne sich anzubiedern“ sagt Aistleitner. „Es darf nie, nie, nie langweilig sein“, ergänzt der Regisseur.

Regisseur Carsten Süss hat
eine neue Fassung geschrieben

Nach mehrmaligem Lesen hat er das Potenzial des Stückes, aber auch einige Schwächen erkannt. Deshalb hat Süss eine neue Textfassung geschrieben, die die Konturen der Charaktere schärft und die Geschichte etwas frischer und moderner erscheinen lässt. „Die Figuren sollen Menschen sein, mit denen man sich identifizieren kann“, erklärt er. Operette geht für ihn aber auch nicht ohne große Gefühle, wobei er betont: „Operette ist nie kitschig, aber immer mit einem Hoffnungsschimmer“.

In der „Faschingsfee“ ist die Liebe ein großes Thema. Auf einem Karnevalsfest lernt eine reiche elegante Dame einen Künstler kennen. Die Dame ist eigentlich mit einem anderen verlobt, ist aber von dem Künstler fasziniert. In der Originalfassung von 1917 steht der Standesunterschied der beiden im Mittelpunkt.

Das allein ist für den Regisseur nicht mehr ganz zeitgemäß, daher hat der Konflikt in der neuen Fassung andere Akzente bekommen. Die Dame ist nicht ganz so jung wie im Original und unabhängig. Durch die Begegnung mit dem jungen Künstler steht sie vor einer grundsätzlichen Entscheidung, bei der auch das Alter eine Rolle spielt. Soll sie sich noch einmal auf ein wahrscheinlich aufregendes Leben einlassen oder lieber die sichere und vermutlich langweiligere Variante wählen.

Süss hat nicht nur die Figuren aus einer Schablonenhaftigkeit heraus geholt, sondern auch das Stück in eine andere Zeit geholt. Jetzt spielt es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in den späten 1940er Jahren. „Die Menschen waren damals unglaublich kreativ. Sie hatten Humor, obwohl sie gar nichts hatten“, erklärt Süss. Originalfotos aus dem Kölner Karneval dienten als Inspiration für die Ausstattung (Bühne Siegfried E. Mayer, Kostüme Dietlind Konold).

Die Gesangstexte sind original geblieben, die gesprochenen Texte wurden etwas modernisiert, sind aber, der Nachkriegszeit entsprechend, etwas gehobener als heute. „Es geht darum, einen frischen Blick darauf zu haben, ohne etwas zu zerstören“, sagt der Regisseur. Ganz begeistert von der Musik Kálmáns ist Kapellmeister Diego Martin-Etxebarria. „Das Herz dieser Musik sind Walzer und Csardas“, erklärt er. Da in der Partitur nur wenige Informationen zu finden waren, war die Probenzeit für ihn besonders spannend „Es gibt viele Möglichkeiten und es hat sich gut entwickelt“. Vieles passiert über das Tempo, von dem der Dirigent sich schon mal mitreißen lässt: „Ich tanze im Graben“, sagt er lachend und auch das Publikum soll tanzen. Das dreiaktige Stück spielt zwischen Veilchendienstag und Aschermittwoch. Von einem opulenten Karnevalsfest ausgehend, fokussiert sich die Handlung gegen Ende immer mehr auf die Dreieckssituation um die schöne Alexandra und ihre Verehrer. Für welchen Mann sie sich am Ende entscheiden wird, wird im Vorfeld natürlich nicht verraten. Das Regieteam wünscht sich, dass das Publikum den Abend genießt und sich keine Sekunde langweilt.

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