Sechs Geschwister der Krefelder Familie Bergé sind musikalisch aktiv

Portrait : Wenn eine Familie eine Leidenschaft teilt

Sechs Geschwister der Krefelder Familie Bergé spielen Instrumente. Zwei von ihnen traten nun in Litauen auf.

Ihr musikalisches Können bei zwei Konzertauftritten vor internationalem Publikum zu zeigen, diese Chance hatten nun drei Instrumentalisten vom Niederrhein in der litauischen Stadt Vilnius. Die Fasel-Stiftung, die, gemeinsam mit anderen gemeinnützigen Stiftungen, einen wechselseitigen Austausch von jungen Musikern vom Niederrhein und aus der Hauptstadt Vilnius schafft, hat sich zum Ziel gemacht, junge Talente zu fördern und auch im Ausland auftreten zu lassen. Zwei der Auserwählten waren Sarah und Aaron Bergé (21 und 19 Jahre) aus Krefeld. Im Gepäck hatten sie nach ihrer Rückkehr Erinnerungen an einen Konzertauftritt mit dem Pianisten Knut Hanßen (25), mit dem sie im Gutsherrenhaus Paliesius Stücke von Scarlatti bis Beethoven spielten. Zudem entführten die beiden Medizinstudenten die Patienten der Kinderklinik von Vilnius mit flotten Stücken aus dem Klinikalltag.

Doch Sarah und Aaron sind nicht die einzigen musikalischen Talente in ihrer Familie. Auch ihren vier jüngeren Geschwistern Nathan (17), Elias (16), Samuel (14) und Rafael (12) wurde die Musik quasi in die Wiege gelegt. Schon im Alter von vier Jahren begannen alle sechs mit der Musik. Durch die Mutter entwickelten einige der Bergé-Geschwister die Liebe zur Geige, denn auch Meike Bergé spielt dieses Instrument. „Ich habe meine Mutter früher oft spielen gehört, es war immer sehr schön“, erzählt Sarah. Der andere Teil der Familie spielt das Violincello – Aaron nennt den Klang als Grund: „Ich habe Sarah immer gehört und fand die Geige aber zu quietschig.“ Der Vater Stefaan spielt Klavier. Meike und Stefaan Bergé spielen nur noch in ihrer Freizeit.

Einmal im Jahr geht es
gemeinsam in den Urlaub

Im Zuge des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ spielten die sechs Geschwister das erste Mal als Streich-Sextett. Samuel und Elias lernten dafür sogar das Spielen der Bratsche, um einen runden Orchesterklang zu erreichen.

Dadurch, dass sie miteinander leben und sich sehr gut verstehen, ist es von Vorteil, mit den eigenen Geschwistern zu spielen, da sind sie sich alle einig. Dennoch ging früher auch der ein oder andere Bogen kaputt, ganz einfach, weil Kinder eben Kinder sind. Nicht nur die Musik ist in der Familie Bergé von Bedeutung. Beide Elternteile sind in der Medizinbranche tätig. Auch dieses Interesse haben sie weitergegeben, Sarah und Aaaron studieren Medizin in Münster und in Mainz. Für ihre Geschwister soll die Musik ebenfalls nur ein Hobby bleiben. Nur der Jüngste von ihnen, Rafael, möchte das Hobby vielleicht zum Beruf machen. Ihrem Hobby geben die Geschwister viel Zeit – neben den Proben stehen Konzerte, Wettbewerbe und Auftritte bei Familienfeiern auf dem Plan. Durch die Musik hat sich zudem ihr Organisationstalent und der Blick auf Prioritäten verbessert, sagen sie.

Das Leben mit sechs Geschwistern ist für die Familie etwas Besonderes. Sarah formuliert es so: „Heute schätze ich es unglaublich, auch nachdem ich ausgezogen bin. Man hat immer fünf beste Freunde zu Hause. Auch wenn man jemanden zum Reden braucht, irgendjemand ist immer erreichbar.“ Sie stört es nicht, das einzige Mädchen im Bunde zu sein. Denn neben der Musik teilen sie viele andere Hobbys miteinander. Alle sind große Bayern-München-Fans und schauen die Spiele zusammen. Konzertproben müssen da auch einmal drumherum geplant werden. Fußball spielen sie auch in ihrer Freizeit gerne. Ein Teil von ihnen spielt Tennis. Auch gekocht wird viel und Poker gespielt. Zudem fährt die Familie einmal im Jahr zusammen in den Urlaub. Einige der Bergés fahren auch oft auf Skiurlaube oder in den Schwarzwald an den Titisee. Im Prinzip eine ganz normale Familie – mit einer gemeinsamen Leidenschaft.

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