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Schnaps-Mikado im Stadtbad und Dachmusik

Krefelder Kultur digital : Schnaps-Mikado im Stadtbad und Dachmusik

Wir haben uns erste Folgen des digitalen Kulturmagazins der Stadt angesehen, das als Ersatz für „Kultur findet Stadt“ gedacht ist.

Ein Spielplatz, bei dem jeder Retro-Fan vor Freude in die Luft springen dürfte, eine Roboterstimme, die zwei Frauen auffordert über sich zu erzählen, miteinander zu reden, sich kennenzulernen. Was die „Moderation“ durch die Roboterstimme angeht, ein Konzept übernommen von einem Kultur-Podcast. Der Krefelder Kultomat – digitaler Ersatz für das Kulturfest „Kultur findet Stadt“ – hat inzwischen Episoden hinter sich. Eine bunte Mixtur aus einer Talkrunde im grandiosen Ambiente des Blauen Salons im alten Stadtbad, einem Rooftop-Concert und der Vorstellung von Krefelder Kunsthandwerkern.

Wir haben uns die ersten beiden Folgen angesehen. Und der erste Eindruck ist schon alleine sehr überzeugend. Frisch und hübsch aufgemacht lebt das Krefelder „Kulturmagazin“ auch von einer gewissen „grungigen“ – also leicht edel rostigen – Ästhetik, die aber zeitgleich nicht zu dominant ist. Befüllt mit Menschen aus Krefeld, unprätentiös, mal auch lustig, ehrlich, authentisch – vielleicht nur ein bisschen in Pose. So wie das erste Aufeinandertreffen von Schauspielerin Esther Keil und der Cafébetreiberin Kerstin Diekers in der ersten Episode. Vorerst ein wenig distanziert schmilzt die Aufregung dahin, und es entspinnt sich Minute um Minute eine runde Stimmung, die die Kulisse durchströmt. Man mag sich fast an gute Momente von Kurt Krömer erinnert fühlen.

Musik und Dialog wechseln
sich in loser Folge ab

Zwischendurch spielt über den Dächern von Krefeld Fabian Küpper auf verschiedenen Handpans – ein rundliches Blechinstrument, das mittels der Hände gespielt wird – meditative Improvisationen. Sanft und doch leicht perkussiv erklingen die mal hellen, mal dumpfen metallischen Klänge. Küpper, der sich auch Handpan Mystic Flow nennt, erläutert kurz was hinter seiner Musik steckt.

Das Video bietet aber auch etwa ein Porträt von Matthias Melcher und der Firma Dujardin. Diekers und Keil spielen zwischenzeitlich Mikado, müssen auch mal einen Dujardin trinken, wenn sich ein Stäbchen bewegt. Dann erneut ein Schnitt über rote schräggestellte Rechtecke, die auf dem Bildschirm neue Blicke öffnen. Das an die Corporate Identity der Stadt angelehnte dreieckige Logo in der Ecke rechts oben bleibt, stets mit dem Wort „Kultomat“

Da dieser ein möglichst vollwertiger Ersatz für „Kultur findet Stadt“ sein soll, soweit das nun mal auf rein digitalem Wege geht, darf ein Kulturstand von dem eben digitalen Kulturmarkt nicht fehlen. Beziehungsweise im Falle der ersten Episode ein Stand, nämlich der von Bärbel Frömming (Tante B), die besondere Taschen von Hand fertigt. Diekers und Keil suchen sich zwei Taschen aus – einzeln. Und sind dann schließlich ganz überrascht, dass sie beide eine ähnliche Tasche gewählt haben.

In der zweiten Folge trafen sich übrigens Thomas Jansen vom Mobifant Krefeld und Kreta (Trägerwerk für kirchliche Jugendarbeit) und Mo El Kaddouri von der „Area“, der Urban-Dance Tanzschule. Das Horst Hansen Trio, das kein Trio ist, war zunächst „ganz lustig“. Spielte dann ihren so richtig schön in das Format passenden, leicht in eine schöne Unschärfe und postmoderne Spielfreude abgleitenden, aber absolut kunstvollen Sound. Mit Blicken auf den Hafen – Momente, in denen die Stadt fast wirkt wie eine kleine Version einer Metropole, zwischen Niedergang und alter Tradition. Ergänzt von einem Porträt von Petra Schwinn im Zoo und Fotos von Lost Places – also verlassenen, besonderen Orten – von Luca Platzen.

In Folge drei, die ab jetzt online ist, trifft übrigens der Oberbürgermeister Frank Meyer auf Robin Derpmann. Lassen Sie sich doch überraschen – mit Musik von Schäng Blasius Flönz Rakete.