Schlussapplaus: Anja Barth gibt auf der Bühne immer 100 Prozent

Schlussapplaus: Anja Barth gibt auf der Bühne immer 100 Prozent

Nur zwei Jahre war sie in Krefeld. Doch sie hat mit ihren Rollen Akzente gesetzt.

Krefeld. Als sie 2008 anfing, war die Stadt für sie völlig unbekannt. Nur zwei Jahre ist Anja Barth jetzt als Schauspielerin hier gewesen, hat die Umgebung immer noch nicht richtig kennengelernt und wird das Theater schon wieder verlassen: "Viel Eingewöhnungszeit hatte ich nicht gerade", sagt sie. Aber sie war gerne hier, mag ihre kleine Wohnung mit "Kiez-Flair" in der Innenstadt und wird den hiesigen Theatergängern in einer Wiederaufnahme auch in der nächsten Spielzeit auf der Bühne begegnen. Ansonsten wird sie ihr Glück erst einmal als freie Schauspielerin versuchen.

Sehr früh schon ist Barth mit ihrem Traumberuf in Berührung gekommen, und das gleich an einem richtigen Theater. Die Weimarerin besuchte ab dem sechsten Lebensjahr die Ballettschule des Theaters ihrer Heimatstadt. Sie war noch zu DDR-Zeiten Talentsuchern im Kindergarten aufgefallen. Ab dem 14. Lebensjahr wollte sie Tänzerin werden - aber dann kam es doch anders.

Ein Schauspielregisseur "entdeckte" sie in der Theaterkantine, gab ihr eine kleine Rolle, und ihr Talent auch fürs Schauspiel fiel auf. So bewarb sie sich in Leipzig an der Hochschule Felix Mendelssohn-Bartholdy, bekam dort aber erst einmal zu hören, dass sich Tanzen und Schauspielen nicht miteinander vertrügen. Sie musste sich entscheiden - und entschied sich gegen den Tanz.

Eine Besonderheit der Ausbildung in Leipzig: Die Schüler arbeiten schon während der Studienzeit an einem Theater. Das war in Barths Fall das Staatsschauspiel Dresden. "Vom Tablettträger bis zum Gretchen habe ich alles gespielt", sagt sie.

Damals wie heute steht sie gerne auf der Bühne, spielt lieber viel als wenig. Daher hat sie auch die Masse der Aufführungen am Gemeinschaftstheaters nicht gestört, höchstens die Fahrerei zwischen Mönchengladbach und Krefeld. "Entweder man ist zu 100 Prozent Schauspieler, oder man lässt es", lautet Barths Devise.

Nach Dresden war sie am Theater Wuppertal, dann arbeitete sie ein Jahr frei. In Krefeld landete sie gleich in einer ihrer Lieblingsrollen: die junge Marokkanerin Aixa in Carles Batlles "Versuchung". An dieser Aixa schätzte sie, dass sie zwischen Opfer- und Täterrolle hin- und herschwankt. Auch die Helena in den "Troerinnen" will sich nicht in ihre Rolle fügen. Anja Barth mag Figuren, die sich nicht festlegen lassen.

Ihr letzter Part ist die Schauspielerin Katja Schuurman in "Das Interview", die sich mit einem Journalisten ein verbales Katz- und Mausspiel liefert. Was ist Illusion, was ist Wahrheit? - das muss man sich dabei immer wieder fragen. Genau die richtige Rolle für Anja Barth.

Letzte Vorstellung: "Das Interview" am 16. Juli. Karten: Ruf 805 125.

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