Schauspielerin Mira Bartuschek: „Die Familie geht vor“

Interview : Mira Bartuschek: „Die Familie geht vor“

Die Schauspielerin ist am Sonntag mit ihrem neuen Film im Fernsehen zu sehen. Mit der WZ sprach sie über ihren Beruf und wie sie den mit dem Privatleben vereint.

Mira Bartuschek gehört zu den bekannten Fernsehgesichtern ihrer Generation. Am Sonntag, 21. Oktober, zeigt das ZDF ihren neuen Film „Ein Sommer in Oxford“. Mit der WZ sprach die 40-Jährige über den Start ihrer Schauspielkarriere in Krefeld und ihr heutiges Leben auf dem Bauernhof.

Frau Bartuschek, im Vorfeld zu diesem Interview haben Sie gesagt, Sie möchten mit einer falschen biographischen Angabe im Internet aufräumen…

Mira Bartuschek: Das stimmt. Auf Wikipedia steht, dass ich am 17. Februar 1978 in Krefeld geboren wurde. Das Datum ist zwar korrekt, aber geboren bin ich in Düsseldorf.

Dennoch hat Krefeld eine Bedeutung für Sie.

Bartuschek: Im Krefelder Jugendtheater Kresch habe ich mit 15 oder 16 Jahren mit der Schauspielerei begonnen.

Was haben Sie damals gespielt?

Bartuschek: Ich erinnere mich noch an meine Rolle als Lady Macbeth und Brechts „Ozeanflug“. Das waren tolle Erfahrungen damals.

Sie haben an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München gelernt, es folgten unter anderem Engagements an den Schauspielhäusern in Hamburg und Zürich. Längst sieht man Sie aber nur noch im Fernsehen – warum?

Bartuschek: Das Theater lief in der Tat immer gut, aber der zeitliche und emotionale Aufwand ist enorm. Da ist nicht mehr viel Privatleben möglich. Und ich habe für mich die Entscheidung getroffen: Die Familie geht vor.

Sind Drehtage denn familienfreundlicher?

Bartuschek: Bei der Arbeit vor der Kamera ist es definitiv einfacher. Bei zwei bis drei Filmen, die ich pro Jahr mache, komme ich auf insgesamt rund 70 Drehtage. In dieser Zeit bin ich in ganz Deutschland oder sogar im Ausland unterwegs, aber den Rest des Jahres kann ich Hausfrau und Mutter sein – das empfinde ich als großen Vorteil.

Schauen sich Ihre Söhne die Mama im Fernsehen an?

Bartuschek: Unser Kleiner, er ist fünf, soll mich noch nicht im Fernsehen sehen. Das würde ihn, glaube ich, verwirren, wenn Mama auf dem Bildschirm plötzlich zum Beispiel hemmungslos schluchzen würde. Der Große ist 14 Jahre alt, für den ist mein Job etwas ganz Alltägliches – ein Handwerk wie jedes andere auch.

Für welchen „Typ“ werden Sie vor allem gebucht?

Bartuschek: Inzwischen auch für Mutterrollen. Dann kommt der Spagat zwischen Arbeit und Familie auch im Drehbuch vor. Ich mache viel Herz-Kino à la Pilcher, mag aber auch die sperrigeren Charaktere. Für Sat.1 beispielsweise drehe ich gerade einen Krimi in Berlin. Ich würde mir auch als Zuschauerin wünschen, dass die deutsche TV-Landschaft noch etwas mutiger wäre. Serien oder Filme mit Ecken und Kanten, zum Beispiel „Der Tatortreiniger“, gefallen mir gut.

Sie leben in einer Art „Landlust“-Idylle auf einem Kempener Bauernhof. Wären in Ihrer Branche pulsierende Metropolen wie Berlin oder Köln nicht besser?

Bartuschek: An diesen Orten bin ich beruflich oft genug und kenne sie ja auch von früher. Ich wollte schon lange so leben, wie ich es jetzt tue, auch für meine Familie. Hier leben wir zwischen Katzen, Pferden und Hühnern, können unser eigenes Gemüse anbauen. An meine Heimat Kempen habe ich mich Stück für Stück angenähert: Nach der Kölner Südstadt habe ich drei Jahre in Krefeld-Bockum gewohnt, dann in St. Tönis und schließlich wieder in Kempen.

Ist die Schauspielerei nach wie vor Ihr Traumberuf?

Bartuschek: Ich mache es nach wie vor gerne, kann mir inzwischen aber auch andere Dinge vorstellen. Gerne würde ich was Kulturelles mit alten, pflegebedürftigen Menschen machen. „Kulturgeragogik“ lautet der Fachbegriff. Auch so ein Traum wäre es, einen Kinderbuchladen zu eröffnen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung