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Schätze aus dem Magazin: Opfer eines Frankenüberfalls

Schätze aus dem Magazin: Opfer eines Frankenüberfalls

Der Schädel eines Römers wurde in Gellep entdeckt und stammt vermutlich aus dem Jahr 260.

Krefeld. Der menschliche Schädel ruht auf einem hölzernen drehbaren Teller, Jahrhunderte alte Erde befindet sich in seinem Innern. Es sieht ein bisschen so aus wie in der Pathologie. Dabei befindet sich der Kopf im Anbau des Museums Burg Linn.

Das Fundstück aus dem Grab Nummer 4509 wird nicht weiter untersucht. Denn der Fall ist klar: Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Kalotte eines jungen Mannes aus der Zeit der Frankeneinfälle im dritten Jahrhundert nach Christus.

Zu jener Zeit nämlich lebten in Gellep die Römer. Bedroht, bekämpft, überfallen von den fränkischen Stämmen aus dem Osten. Die ersten Frankeneinfälle datieren aus dem Jahr 259/60.

Unser junger Mann also gehörte zum Römerlager und ließ sein Leben als Gefallener im vergeblichen Versuch, die Franken aufzuhalten. Das vierte Jahrhundert bedeutete den Zerfall des römischen Reiches, und die Spuren dieses Prozesses finden sich eben auch in Gellep. „Der Schädel ist deswegen so gut erhalten, weil Kalk gestreut wurde“, weiß Grabungstechniker Uwe Girndt.

Die Römer brauchten viel Kalk für ihre Bauten und hatten ihn an dieser Stelle wohl zur Desinfektion zugesetzt. Der natürlicherweise kalkarme Boden lässt Knochen viel schneller vergehen. „Der junge Mann wird wohl zur Zivilbevölkerung gehört haben“, heißt es im Museum.

Ein Fachmann hat den Schädel nachgemessen und mit seiner Tabelle verglichen: Es muss sich um einen Mann handeln. Das Alter verrät sein Gebiss. Seine Weisheitszähne sind schon da, die Zähne sind gut erhalten. Es muss ein Mann im wehrfähigen Alter zwischen 20 und 30 Jahren sein. Durch Erddruck entstand ein starker Unterbiss.

Die Knochen des Gefallenen lagen über einem Mithrium. Das ist ein Heiligtum, in dem Mithras gehuldigt wurde. Mithras war ein aus Persien stammender Lichtgott, dessen Heiligtum nur kurze Zeit bestanden haben soll. Es verfiel in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, 100 Jahre später hat man dort die Gefallenen verscharrt.

Insgesamt wurden Skelette von 16 Menschen und zwei Pferden gefunden, die alle gewaltsam zu Tode gekommen sind. Für das Foto ist der Schädel aus seinem Pappkarton herausgenommen worden, in der Kiste mit der Nummer 4509 finden sich auch noch weitere Knochenreste, die allerdings weniger gut erhalten sind. Und die mit dem Schädel wieder im Archiv zwischen Kiste 4508 und 4510 ruhen.