Sänger Patrick Richardt: Auf der ersten CD geht es um Krefeld

Sänger Patrick Richardt: Auf der ersten CD geht es um Krefeld

Krefeld. Während eine junge Männerstimme aus dem Autoradio singt, verfärbt sich der Himmel über Krefeld in ein leichtes Grau. „Ich steh’ inmitten einer Stadt, die sich aufgegeben hat.

Doch gerade deswegen bleibt sie am Leben.“ Der Himmel bricht auf, und die Sonne strahlt durch die Wolken.

Wer die Musik des jungen Krefelders Patrick Richardt als reine Melancholie deutet, hat nicht richtig hingehört. Denn er singt über Wiederaufbau, über Aufbruch und Neuanfänge. Am Freitag erscheint sein erstes Solo-Album „So, wie nach Kriegen“ beim Hamburger Independent-Label Grand Hotel van Cleef, wo auch Kettcar und Thees Uhlmann unter Vertrag sind.

„Es ist aufregend die Arbeit der letzten zwei Jahre auf einmal in den Händen zu halten,“ erzählt Richardt, „Gleichzeitig ist man gespannt auf die Reaktionen, die das Album mit sich bringt.“

Für den Krefelder ist es nicht die erste Veröffentlichung. Schon 2011 brachte er als Schlagzeuger mit der Band Oh, Napoleon ein Album heraus. „Damals haben wir uns in unseren Erwartungen verrannt, wir hatten uns mehr von der Platte versprochen.“ Der Durchbruch blieb aus, und als Richardt merkte, dass es mit der Band nicht wie versprochen lief, begann er selbst mit Klavier und Gitarre Songs zu schreiben. „Erst waren die auf Englisch und auch eigentlich für die Band vorgesehen, dann schrieb ich aber immer mehr auf Deutsch.“

Die deutsche Sprache macht es ihm leichter, sich auszudrücken und persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. „Ich hatte beim Englischen immer das Gefühl, dass ich irgendwie Texte anderer Bands adaptiere. Im Deutschen ist es leichter, auszudrücken was ich denke, ganz ohne Floskeln.“

Auf „So, wie nach Kriegen“ verarbeitet Patrick Richardt die vergangenen Jahre. Die enttäuschten Erwartungen der ersten Platte, den Auszug aus seinem Elternhaus und die Schritte in die Selbstständigkeit, aber auch die Reaktionen seines Umfelds auf sein Dasein als Musiker. „Wenn mich heute jemand fragt, wovon ich später leben möchte und ich sage Musik dann folgen große Augen und eine Menge Vorurteile. Musiker zu sein, ist sicher nicht immer einfach, aber ich habe mich dazu entschieden.“

Auch die Stadt Krefeld spielt eine besondere Rolle auf Richardts Platte. Er selbst ist erst vor zwei Jahren von Tönisvorst in die Innenstadt gezogen. „Ich habe immer das Gefühl, dass Krefeld völlig unterschätzt wird. Es gibt Tage, an denen ich hier im Grau versinken könnte, aber im Kaputten gibt es so viele geheime, wunderschöne Orte.“

Ähnlich wie sein Bild von Krefeld ist auch das Album des Musikers — eine Mischung aus traurigen Liedern und gleichzeitig eine Aufforderung, die schönen, versteckten Seiten im Leben zu suchen. Auch Richardt selbst ist im Kaputten fündig geworden: Als er mit seinen Mitbewohnern den uralten Speicher seiner WG renovierte, fand er alte Krefelder Zeitungen. „Damals waren die Werbeanzeigen noch selbst gemalt. Die Bilder hatten genau die Symbolik, die ich auch in meinen Songs verwende. Echt ein Zufall.“ Aus den alten Zeitungen ist jetzt das Cover von Patrick Richardts erster CD geworden.

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