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Rollenspiele zwischen Mann und Frau

Rollenspiele zwischen Mann und Frau

Kaiser-Wilhelm-Museum lädt zum Kunst-Impuls am Donnerstag, 2. August, ein.

Der nächste Kunst-Impuls findet am Donnerstag, 2. August, ab 17 Uhr im Kaiser-Wilhelm-Museum, Joseph-Beuys-Platz 1, statt. Das Thema des Abends lautet „Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie“.

Freudestrahlend zerrt die unbekleidete Dame am Mantel des jungen Mannes. Die Offerte ist mehr als offensichtlich, doch statt Lust oder Begehren zeichnet sich im Gesicht des Jünglings nur Angst und Schrecken ab. Der große deutsche Maler Lovis Corinth zitiert hier zwar die biblische Geschichte um Josef, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde. Doch was den Spätimpressionisten wirklich zu fesseln scheint, könnte man als eine Art Kampf der Geschlechter bezeichnen. Es geht um Macht, Unterlegenheit, Hinterhältigkeit, Lust und Körperlichkeit, und das alles in Corinths rasantem Malstil. Das Gemälde hängt derzeit mit circa 100 weiteren Werken in der aktuellen Highlight-Präsentation aus eigener Sammlung im Kaiser-Wilhelm-Museum.

Beim nächsten Kunst-Impuls, der durch das Engagement der Stadtwerke Krefeld und der Sparkasse Krefeld möglich wird, widmen sich die Kunstmuseen den Highlights der Sammlung aus der Genderperspektive. Wie immer wird auch dieses große Thema leichtfüßig und interdisziplinär angegangen. „Wir wollen die Leute bei diesen Abendöffnungen mitreißen“, betont Museumsleiterin Katia Baudin. „Und wir machen immer mehr die Erfahrung, dass man auch mit anspruchsvollen Themen kurzweilig und unterhaltsam umgehen kann“, so Baudin. Das sollte bei den Rollenspielen zwischen Mann und Frau kein allzu großes Problem sein.

Vor allem können die Kunstmuseen dabei auf einige Schätze der Sammlung setzen. Neben Corinths Potifars Weib auch auf Ernst Ludwig Kirchners Familie oder Thierry De Cordiers Skulptur eines Mannes, der sich in seinem kugelrunden Bauch versteckt, so dass nur noch sein Haaransatz oben herauslugt. In Kurzführungen geht es mit Blick auf angestammte Rollenklischees und deren mögliche Verschiebung kreuz und quer durch die Sammlung und durchs 20. Jahrhundert, von Heinrich Campendonk bis Gerhard Richter.

Sehr beliebt sind bei den Abendöffnungen die Workshops. Am ersten Donnerstag im August dreht sich alles um Rollenmodelle, denen mit Zeichenutensilien, aber auch mit Scheren, Kleber, Collageelementen und Resten von Kleidungsstücken auf den Leib gerückt wird. Ein Haupt-Act des Abends sind die Konzerte der „Band am Rhein“, kurz Bar. Das Düsseldorfer Duo bestehend aus Lucas Croon und Christina Irrgang bewegt sich zwischen New-Wave, Balearic, Shoegaze, Dream-Pop und Noir-Songwriting.