Rhine Side 2019 in Krefeld: Diese Kunstwerke kommen noch

Kunst am Rheinufer : Diese Kunstwerke kommen noch zur Rhine Side

Viele Künstler haben Werke entwickelt, die zum Rhine Side-Areal am Uerdinger Rheinufer und zum Thema „Treibgut“ passen. Eine Installation gibt bereits Rätsel auf.

Die Kunst hat sich vom Uerdinger Rheinufer nie so richtig verabschiedet. Überdimensionale Street-Art-Gemälde wirken noch so eindrücklich wie am ersten Tag. Nun gibt es neue Kunst am Rheinstrand „Rhine Side“. Und die kann auch mal für Verwunderung sorgen, erklärt die Künstlerin Marion Schulz-Staufenbiel. Für ihre Installation aus Stahl habe sie ein halbes Jahr lang Menschen und ihr Verhalten auf der Rheinpromenade beobachtet. „Ich wollte den absoluten Uerdingen-Bezug“, sagt Staufenbiel.

Stahl-Installation zeigt
einen Rhein-Betrachter

Auch wenn sich der ihrer Erfahrung nach für viele Betrachter bisher nicht auf den ersten Blick zu offenbaren scheint: „Es versteht keiner, das ist mein Problem.“ Aber: Eine Info-Tafel soll bald aufklären. Zu sehen sind zwei direkt am Rheinufer aufgestellte Stahl-Sil­hou­et­ten. Die eine zeigt einen Mann, den Staufenbiel bei ihren Beobachtungen öfter in der gleichen Pose sah: die Arme hinter dem Rücken verschränkt, den Blick nach vorne auf das Wasser gerichtet. Die Haltung habe sie an die Figur des Gemäldes „Mönch am Meer“ von Caspar David Friedrich erinnert. Hinter dieser Figur ist ein weiterer Umriss zu sehen, den manche auch als ein küssendes Paar deuten würden. Beides möglich, orientiert habe sich Schulz-Staufenbiel aber am Flächenumriss Uerdingens. Aus dieser Stahl-Skulptur wurde der Umriss des Mannes wiederum ausgelasert. Dabei könne der Eindruck entstehen, als sei der Beobachter des Rheins („der Uerdinger“) aus dem Umriss seines Stadtteils herausgetreten.

Die Stahl-Silhouetten, die verschiedene Ausblicke auf das Rheinpanorama geben können, sind nur ein Anfang. Ab Ende Juli kommen noch weitere Kunstwerke hinzu – die zum Thema „Treibgut“ eingereicht worden sind, erklärt  Claire Neidhardt vom Krefelder Stadtmarketing. Dabei haben die Werke mindestens eines gemeinsam: den Bezug zum Areal am Rhein.

Ab Ende des Monats sollen weitere entstehen, teilweise vor Ort. Das hat auch das Künstlerduo St. Madre aus Uerdingen vor. Die beiden Künstlerinnen bearbeiten das Thema Nachhaltigkeit. Sie sind der Frage nachgegangen, welches „Treibgut“ am häufigsten im Bereich der Promenade am Rhein gefunden wird.

Besucher können
Kunstwerk mitgestalten

Das Ergebnis: Gesammelte Flaschen bilden den Hauptbestandteil ihrer Kunstaktion, bei dem auch Besucher der Rhine Side einbezogen werden sollen. Für das Kunstobjekt „Lokalfang“ hat sich das Duo eine wilde Birke auf dem Strand-Areal ausgesucht. Mit Lichtern und den gefunden Flaschen solle so eine Art „positives Mahnmal“ für nachhaltiges Handeln entstehen. Gäste können die Entstehung nicht nur miterleben, sondern auch mitgestalten. Sie sollen gebeten werden, mit den Künstlerinnen zusammen die Flaschen zu verzieren.

Mit dem Rhein und der Natur hat sich auch der Krefelder Jerzy Chartowski beschäftigt. Er möchte mit einem Gemälde eine Art Utopie aufzeigen. Die soll als ein 20 Meter langes und drei Meter hohes Stoff-Transparent am Rheinufer zu sehen sein. Die derzeitige Welt komme ihm vor „wie ein Eispalast, dem man beim Schmelzen zu sehen kann“. Auf dem Kunstwerk ist das Uerdinger Rheinpanorama mit der prägenden Brücke zu sehen. Es wirkt nur alles ein wenig farbenfroher und fantastischer. Die Rheinbrücke strahlt in einem Rot, das dem der Golden Gate  Bridge in San Francisco ähnelt und im Rhein sind Delfine und eine Art Wasser-Gottheit zu sehen.

Mit den Strömungen des Rheins beschäftigt sich auch ein Gemälde der Künstlerin Evelyn Schlote-Fels. Sie fasziniere das Farbenspiel, die Reflexionen und Bewegungen des Wassers. Ihr Bild soll die Nahaufnahme eines Strudels zeigen. In den letzten Jahren hat die ehemalige Kunstlehrerin der Maria-Montessori-Gesamtschule viele Bilder mit den Themen Wasser, Wolken und Licht mit Ölfarben auf große Leinwände gebracht. Bei der Rhine Side soll es zu einem noch größerem Experiment kommen. Am Rheinufer wird sie ein Gemälde mit Acrylfarben auf einer unebenen Mauer entstehen lassen.

Auch ein weiteres Kunstwerk von Marion Schulz-Staufenbiel wird im Bereich des Ufers zu sehen sein. Geplant ist ein Boot aus Sperrholzplatten mit einer Länge von circa drei Metern. Zuvor gesammeltes Treibgut soll auf die äußeren Wände montiert werden. Das Material sei zusammen mit den Aktiven  von „Guerilla Picking“ gesammelt worden. Eine Initiative von ehrenamtlichen Helfern, die sich montagsabends am Rheintor treffen, um die Promenade zu säubern.

Der Strand bietet auch abseits der Kunstwerke, die noch entstehen, noch bis zum 8. September verschiedene Programmpunkte mit Musik, Ausstellungen und Grill-Abenden. Dabei zieht das Angebot im dritten Jahr auch Besucher aus dem Raum Duisburg, Moers oder Rheinhausen an, sagt Uwe Rutkowski vom Uerdinger Kaufmannsbund. Bedeutet das, dass der Uerdinger Strand auch im nächsten Jahr wieder öffnen wird? Eine Frage, die der Kaufmannsbund zunächst noch nicht beantworten möchte. Es werde von Jahr zu Jahr geplant, erklärt Fabian De Cassan, Geschäftsführer des Bundes.

Die Öffnungszeiten: montags bis donnerstags, 15 bis 21 Uhr, freitags bis samstags, 15 bis 23 Uhr und sonntags 12 bis 21 Uhr. Weitere Informationen zum Programm gibt es im Internet unter: rhineside.eu

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